Eines vorweg: Das Steak, das ich gestern Abend im Bird serviert bekam war sehr gut. Nicht die Erfüllung aber ohne Zweifel sehr gut. Ich möchte auch nicht näher auf die Einrichtung eingehen, die ist, wie schon oft beschrieben, rustikal und einfach, nicht jedermanns Sache aber sicherlich auch nicht objektiv zu kritisieren. Ich persönlich hab nichts gegen diese Art von Restaurants, im Gegenteil, manchmal habe ich so etwas sogar ganz gern.
ABER: Der gestrige Besuch im Bird wird mein zweiter und letzter gewesen sein.
Liebes Bird-Team, ich weiß nicht, was euch dermaßen weltfremd gemacht hat aber es würde euch definitiv gut tun, einmal ernsthaft darüber nachzudenken, was "Service" bedeutet! Eure Karte ist eine ansammlung von selbstherrlichen Phrasen, die lieblos zusammen gebastelt wurde. Warum lasst ihr nicht einfach den Gast entscheiden, was er wie Essen möchte? Überall auf der Welt ist es üblich, den Gast bestimmen zu lassen, wie lang sein Steak in der Pfanne bzw. im Ofen bleiben soll. Warum geht ihr gleich mit überflüssigen Sprüchen nach dem Muster "wer mehr als Medium will hat bei uns nichts zu suchen" in die Offensive? Versteht mich nicht falsch, ich habe absolut nichts gegen lockeren Umgangston zwischen Servicekräften und Gästen, auch nicht im Kommunikationsmedium Speisekarte. Meinetwegen darf es dabei auch beliebig locker zugehen. Was jedoch Lichtjahre entfernt ist von allen Regeln des freundlichen Umgangs miteinander ist, den Gast auszulachen(!), wenn er "nur" ein 250g-Steak bestellt - und genau so ist es gestern geschehen. Dann auf die Frage ob sie denn nun 20 Euro einnehmen möchte oder lieber nicht auch noch pampig zu antworten und dem Gast zu unterstellen, er habe "keine Ahnung" ist einfach zu viel. Erwartet ihr damit wirklich Trinkgeld??
Ich habe mich jedenfalls zusammengerissen, bin geblieben und habe das bestellte 250g-Steak bekommen; mit der miserablen Servicekraft hatte ich für den Rest des Abends nichts mehr zu tun. Denn wie schon beim ersten Besuch im Restaurant kamen zur Aufnahme der Getränkebestellung, zum Bringen der Getränke, zum Aufnehmen der Essensbestellung, zum Bringen des Essens und zum Kassieren verschiedene Kellner. Finde ich nicht gut, kann man aber objektiv nicht zwingend bemängeln.
Alle weiteren Kellner/innen, die mit meinem Essen zu tun hatten ließen - natürlich - keine Gelegenheit aus, um mit klarzumachen, dass meine Kumpels mit ihren 300g-Steak viel viel cooler waren als ich. "Kinderportion", "das Steak für den Kleinen" und "hier weiß wohl jemand nicht, wie man Steak bestellt" war unter anderem zu hören.
Leute, ihr könnt meinetwegen so viele lustige Sprüche bringen, wie ihr wollt. Wie schon gesagt, ich hab da kein Problem mit, für Leute, die da eher traditioneller drauf sind, ist der Laden wohl noch weniger geeignet. Aber egal, wie locker, cool, hip oder prenzlbergig der Gast ist - gewisse Umgangsformen solltet ihr euch dringend aneignen denn ich kann mir vorstellen, dass ich nicht der einzige Gast bin, der so denkt.
Fazit: Steaks von der im Bird gebotenen Qualität sind in der Preisklasse (15+) die Regel, man hebt sich also in keinster Weise von der Masse der Berliner Restaurants ab, trotzdem gibt es am Fleisch nichts auszusetzen. Die Potato-Wedges sind durschnittlich, auf keinen Fall besser. Die (angeblich hausgemachte) Steaksauce ist gut. Aber der Service ist einfach so miserabel, dass -5 Sterne angebracht wären. Schade, ihr könntet mehr daraus machen. read more