Ich habe jetzt wirklich überlegt, wofür ich den einen Stern gebe.
Ich hatte das Vergnügen, dort am Sonntag meinen ersten veganen Brunch einzunehmen.
Es gab etwas zu essen. Es gab Stühle. Und Tische. Teller leider nicht, bzw. erst nach längerem Warten und drängen, und dann auch nur noch kleine.
Die unaufdringliche Bedienung (noch nie war ein positives Adjektiv so treffend negativ) wies uns immerhin darauf hin, dass das Besteck da steht wo es immer ist.
Als ich mir einen Weg in die Küche bahnen wollte (bei mir liegt das Besteck nunmal in der Küche), kam zum Glück die Rettung: neues Besteck und der zaghafte Versuch, die bunten Pasten in kleinen Schälchen gegen volle in noch kleineren Schälchen auszutauschen, Namensschilder wieder aufzurichten (gut, nicht an alle, aber nach kurzen Nachdenken konnte sich der Koch erinnern, war ursprünglich mal in dem Schälchen WAR.)
Nochmals zur Erinnerung: es handelte sich um einen BRUNCH mit kalt- warmem Buffet, welches durchgehend bis 16:00 geöffnet sein sollte.
Also warteten wir optimistisch auf die vielgepriesenen Bratkartoffeln und das vegane Rührei, denn sowas kannte ich nocht nicht und war sehr gespannt.
Bis dahin vertrieben wir uns den grössten Hunger mit einem Löffeln warmer Bohnen und etwas Chili, beides durchaus gelungen, wenngleich ähnlich unaufdringlich gewürzt, wie die Bedienung schnell war, sodass wir nach 45 Minuten immer noch keine Getränke bestellen konnten.
Aber gut, das Restaurant ist neu, das Personal vermutlich auch, und von 4 Getränken kamen nach einer Stunde immerhin zweimal die richtigen.
Aber zurück zum Experiment Veganer Brunch.
Ausser dem leeren Salat (der eine Art Geflügelsalat gewesen sein soll, aber leider nicht mehr aufgefüllt wurde), gab es noch Eiersalat, Nudelsalat und Kartoffelsalat.
Der Eiersalat war durchaus schmackhaft (gut, zuviel Salz und Gewürze veträgt halt nicht jeder, und einen kleinen Strauss z.B. Schnittlauch kann ja wohl jede Frau in der Handtasche haben), und im Kartoffelsalat waren die perfektesten kleinen Kartoffelwürfel, die ich je gesehen habe.
Da war einer der Zwilling des anderen, keinen Millimeter Abweichung, so gleichmässige Kartoffeln kenne ich sonst nur aus Gläsern.
Leider auch den Geschmack, aber das möchte ich jetzt nicht unterstellen.
Dann gab es ja noch die bunten Pasten.
Grün Kräuterbutter
Rot Tomatenaufstrich
Braun Wie Leberwurst (stand auf dem Schild)
Die Farbe war schön, und wie gesagt, zuviel Gewürze veträgt halt nicht jeder.
Der vegane Hackepeter entpuppte sich als zerbröselte Reiswaffeln mit vermutlich Tomatenaufstrich, aber die Zwiebeln darin waren gut.
Aber die Vorfreude auf Bratkartoffeln und Rührei lies mich entspannt weiter warten.
Doch dann die Enttäuschung: nach 12:00 gibts statt Bratkartoffeln und Rührei eben Bohnen und Chili.
Gut, das muss einem ja gesagt werden.
Ab 12:00 ist auf dem Dorf eben Mittag, da gibt Chili statt Rührei.
Nicht falsch verstehen, ich kann ohne Bratkartoffeln und Rührei prima überleben, aber dieser Brunch machte mich leider überhaupt nicht neugierig auf die Vegane Küche.
Da wurde in meinen Augen eine grosse Chance völlig vertan.
Noch ist der Laden neu und hipp, aber irgendwann reichen die blauen Augen des Kochs und die hilflosen der Bedienung nicht mehr.
Ach ja, jetzt weiss ich, wofür ich den einen Stern gebe: Die Brötchen waren wirklich lecker. read more