Es ist immer ein Wagnis an zentralen touristischen Orten einzukehren, so eben auch im Nikolaiviertel Berlins, wo eine Vielzahl gastronomischer Betriebe die dichten Besucherströme bewirtet. Der Spreeblick empfängt den Gast mit viel Holz, verschieden großen, optisch abgegrenzten Sitzbereichen, passende Eindeckung und Dekoration, biedere Gemütlichkeit eben. Die Speisekarte bietet von allem etwas, tut sich freilich in ihrer Differenzierung schwer. So ist der gebackene Camenbert bestenfalls als Nachspeise sinnvoll und Omelett's sind nicht unbedingt Glanzlichter in der doch recht bescheidenen Vorspeisenauswahl. Die gleichen Ungereimtheiten finden sich im Weinangebot. So findet sich bei den wenig offenen Rotweintropfen der als billiger Kaufhauswein bekannte und allenfalls zum Kochen geeignete Amselfelder tatsächlich als spanischer Tropfen ausgewiesen, und der wie die anderen angebotenen Weine zu weit überhöhtem Preis. Der angepriesene Gansbraten führte uns hierher und wir entschieden uns für ihn, zumal der als Spezialität des Hauses ausgewiesene Hirschkeulenbraten nicht vorrätig war. Kaum dass die Bestellung in der Küche abgegeben war, kamen auch schon die gefüllten Teller. Wer hier von frischer Zubereitung spricht, der lügt wissentlich. Die Zubereitung wie die Darbietung waren akzeptabel, alles zur Sättigung weniger zum Genuss und der Berliner Kümmel' half dann auch zur erträglichen Verdauung. Wir haben gegessen, aber nicht gespeist. Das Nicolaiviertel bietet trotz Touristenrummel Besseres. read more