Allen, die heute noch einmal in Mitte den Spirit des Berlins der 90er Jahre erleben wollen, kann ich einen Besuch im Caffè Bar "Buchhandlung" in der Tucholsky Straße 32 nur empfehlen. Wie auf ihrer Web-page beschrieben:
" bietet die Buchhandlung im Herzen von Mitte eine echte Alternative zur üblichen Cafe- und Bar Landschaft des Viertels rund um die Oranienburger Straße. Als eines der letzten Rückzugsgebiete für ansässige (Überlebens) Künstler, gibt es den Gästen einen authentischen Eindruck vom Leben und Wirken der lokalen Szene, welcher noch durch wechselnde Ausstellungen bekannter und weniger bekannter Künstler unterstützt wird.
Tagsüber etwas ruhiger, lässt es sich bei diversen Kaffee- und Kuchensorten, frischen Pfefferminz- oder Ingwer Tee gemütlich mit Freunden plaudern oder einfach nur Zeitung lesen. Eine W-Lan sowie eine kleine Computerecke steht jedem Gast frei zur Verfügung. Für den kleinen Hunger gibt es bis spät in der Nacht wechselnde Angebote an Pasta und Suppen. Snacks wie Sandwiches oder Börek mit Dip oder bodenständiges wie Backkartoffel mit Quark, Wiener Würstchen oder Bouletten."
Mich hat das Tagesgericht, das draußen auf einer Schiefertafel angeschrieben war, ins Lokal gelockt:
"frische Tagliolini an Trüffelcreme für nur 7,50 €"
Drinnen macht alles auf den ersten Blick einen etwas vergammelten Eindruck, erst beim genaueren Hinsehen erkennt man die vielen kleinen Dinge, die mit viel Liebe zum Detail, wunderschön arrangiert sind: hier ein paar Blumen im Glas, dort ein Tulpenstrauß, der Kuchen auf einer silbernen Platte präsentiert, überall handgemalte Schilder mit den angepriesenen Speisen und Getränken, also wirklich auch was fürs Auge.
Ich wurde sehr freundlich und zuvorkommend von einem jungen Mann bedient, der gleichzeitig auch für die Gaumenfreuden zuständig war( Er hat auch die Pasta zubereitet) und mich nicht lange auf dem Trockenen sitzen ließ. Er empfahl mir den Nero d'Avola ((ital., "Schwarzer aus Avola") das ist eine rote Rebsorte wahrscheinlich sizilianischer Herkunft, die in Süditalien verbreitet ist und von Einheimischen auch "Principe Siciliano" (sizilianischer Prinz) genannt wird. Wikipedia)
Ich ließ mich gerne darauf ein, da ich ja die Tagliolini an Trüffelcreme bestellt hatte und zur kräftigen Trüffelcreme sollte man auch einen gehaltvollen Wein trinken. Die Pasta war wirklich superfrisch, es ging auch nicht lange und schon hatte ich eine große Portion Tagliolini verdrückt, die hervorragend schmeckten.
Jetzt habe ich schon über "das was man sieht" und über "dass wie es schmeckt" geschrieben, nicht zu vergessen ist auch " das was man hört"! Und von dem war ich sehr angetan. Ich kannte zwar die Interpreten der Songs die ich hörte nicht, aber es erinnerte mich ein bisschen an die Mucke Mitte der 80er aus England, so wie Paul Weller, Style Council, The The und Madness.
Zum Abschluss habe ich mich zwar noch gefragt, was wohl der Untertitel "Cantina sociale" bedeuten soll, wahrscheinlich im übersetzten Sinn soziale Küche oder einfach preiswerte Küche. Denn tatsächlich in Italien ist eine Cantina Sociale eine Winzergenossenschaft und damit hat das Caffè Buchhandlung nun wirklich nichts zu tun.
Damit verabschiede ich mich bis zum nächsten Tipp. read more