Wir waren am letzten Samstagabend, 20 Uhr im Juice und hatten für 6 Personen einen Tisch vorbestellt. Die Jubelberichte auf facebook zu Ambiente und Eröffnungsfeier ließen auf eine Menge hoffen. Mich allerdings ließen die eher durchwachsenen Berichte vor allem zum Service hier auf Qype erste Zweifel bekommen.
Leider gab es nicht zu jubeln, sondern der Abend war ein kompletter Reinfall. Das Drama im Detail:
1. Lage/Parken: Wie in HD-Weststadt gewohnt nur für Eingeborene erträglich, wir fanden etwas in der Gaisbergstrasse, der Parallelstrasse zur Rohrbacher Str., in der das Juice liegt. Für Gäste mit Auto von außerhalb dürfte hier das Problem anfangen. Eventuell im Parkhaus am Carré am Bismarckplatz parken und dann 5-10 Minuten zu Fuß.
2. Garderobe:Die Garderobe ist mit vielleicht sechs Haken viel zu klein, gerade im Winter und bei schlechtem Wetter hat hier allenfalls ein kleiner Teil der Gäste Platz für Jacken.
3. Empfang/Tisch: Von einer bemüht freundlich lächelnden Bedienung wurden wir an den Tisch begleitet. Wir bekamen einen Tisch im hinteren Drittel des Raumes direkt gegenüber der Bar zugewiesen. An den Tischen sitzt man auf Bänken. Mir gefällt so etwas zwar, aber für Menschen, die sich nach dem Essen gerne mal zurücklehnen, fällt diese Bequemlichkeit im Juice aus. Die Anordnung der Tische und Bänke macht es fast unmöglich mal eben einen zusätzlichen Platz für Gäste, die bei der Reservierung nicht genannt waren, bereitzustellen.
4. Einrichtung/Ambiente: Ja, es ist ganz schick, vor allem die Schieferwand mit der handgeschriebenen Karte in Kreide mag gefallen. Aber das alles hat man schon zigmal gesehen hat. Im Jahr 2000 wäre das ein Knaller gewesen, heute trifft es "nur eine weitere Lounge" wohl am besten. An der hinteren Wand wurden die Bilder der Eröffnungsfeier per Beamer gezeigt. Ganz witzig, wenn es nicht nur 50 Bilder gewesen wären, die den ganzen Abend wiederholt wurden. So sah es doch etwas zu sehr nach Selbstbeweihräucherung aus.
5. Karte: Was der Zusatz 'Inspired Drinks and Tasty Food' im Namen des Ladens zu suchen hat, erschloß sich keinem von uns. Die Karte, noch dazu in sehr minderwertiger Papierausführung, sah mir nicht sehr inspiriert, sondern eher schon arg abgegriffen aus. Die Tapaskarte ist eher übersichtlich und zeigt wenig Inspiration. Schade, denn gerade darauf hatte ich einer solchen Bar gehofft. Ansonsten zeigte die Speisekarte noch verschiedene Frühstücke und ein paar warme kleine Gerichte. Dazu kamen noch die Gerichte der Tageskarte. Die Getränkekarte bietet Standarddrinks und Cocktails. Einzig das Osmosewasser in der Karaffe mag zu überraschen. Leider auch der Preis. So etwas gehört in meinen Augen - weil nur gepimptes Leitungswasser - kostenlos auf den Tisch.
6. Essen: Leider mußten wir anderthalb (1,5!) Stunden auf unsere Tapas warten. Wir waren damit allerding keine Ausnahme. Die Küche ist bei vollem Laden unterdimensioniert und schlicht überfordert. Was als Tapas im oberen Preissegment angeboten wurde, kann leider nicht anders als lächerlich bezeichnet werden: eine Sorte Oliven, entsteint und schwarz gefärbt: 4 Euro. Das geht sowohl weder preislich noch generell als Tapas in dieser einfallslosen Form. Acht Stückchen mediteranes Gemüse - allerdings schön drapiert auf einem rechteckigen Tellerchen: 3,50 Euro. Zwei kleine Stückchen Rinderfilet mit etwas, das eindeutig nach scharfem, aber simplem Tomatenketchup schmeckte: 6 Euro. Am einem Nachbartisch gingen 2 Hamburger in die Küche zurück und wurden dann nochmal serviert, an einem anderen sah ich lange Gesichter nach dem Versuch die Bandnudeln zu genießen.
Kurzum: Vollkommenes Versagen beim Essen in Service und Preis.
7. Getränke: Leider ein weiteres Lokal, welches sich vom unsäglichen Marketing der Weldebrauerei hat beeindrucken lassen und scheinbar einen Knebelvertrag abgeschlossen hat. Natürlich läßt sich über Geschmack nicht streiten, aber mir schmeckt das Welde-Pils überhaupt nicht. Daher habe ich es mit einem Weizenbier versucht, da verrutscht normalerweise nichts, aber Welde schafft es leider, auch hier zu versagen. Gleiches gilt für das alkoholfreie Weizenbier. Für Freunde des Biergenusses bietet die Karte leider weder andere Faßbier- noch andere Flaschenbiersorten: Welde-Einheitskost. Um dem 'inspired Drinks' Team hinter der Theke noch eine Chance zu geben, mich zu versöhnen, bestellte ich einen Gimlet. Minimalistisch und eigentlich einfach: Gin, Zitrone, Zucker. Allerdings kommt es hier immens auf ein korrektes Mischverhältnis und überhaupt auf Mischung generell an. Ich habe ihn letzlich nur getrunken, um mich zu betäuben und das Drama endlich zu beenden: Schlechte Mischung, Zuckerkristalle en masse. Es war einen Versuch wert, aber für Heidelberg gilt: Cocktails nimmt man am besten in der Bentbar zu sich.
Mein Fazit: nur eine weitere Bar im Lounge-Stil mit für die Küchen- und Serviceleistung vollkommen überzogenen Preisen. Die Wartezeiten sind nicht akzeptabel. Wenn ein Lokal 40 read more