Wir hatten das zwiespältige Vergnügen am 20.10.12 bei unserem 1. Berlinbesuch im Horvath
zu dinieren. Nicht wegen dem Koch Sebastian Frank und seinem Services wegen -
denn diese waren in Höchstform sondern wegen einem zur Kritik erkorenem
Nachbartisch. Der Tisch voller Gourmetkritiker war leider ein nicht zu überseh-
und überhörbarer Tadel, den nicht einmal das junge, motivierte Team mit dieser
exzellenten Küche und dem freundlichen aber nicht aufdringlichem Service im
Horvath ausgleichen konnte. Geblendet von der eigenen Wichtigkeit wurden die kreativen
und wohlschmeckenden Gerichte von diesem besagtem Tisch in keinerlei Weise war
genommen. Es war nicht die geringste Spur von Wertschätzung zu erkennen,
geschweige den, ein Versuch die präzise durchdachten und mit Raffinesse
zubereiteten Gerichte, als solche zu erkennen. An dieser Stelle großer Lob an das Küchenteam!!! Die schnell neben bei verschlungenen Speisen, wurden Gott
sei Dank begleitet von längeren Rauchpausen der Kritiker, in denen wir mit etwas
Ruhe belohnt, uns auf das genießen und erschmecken der Köstlichkeiten aus der
Küche freuen konnten, ohne störende Nebengeräusche, die überwiegend von dem
Nebentisch kamen, die nach jedem Glas Wein auch lauter wurden. Nun zum angenehmen Teil. Keinem Trend folgend waren die, an
diesem Abend gekochten Speisen ein kulinarisches Gedicht. Überwiegend
vegetarische hinterließ jedes Gericht für sich, einen Schweif, der als Ganzes,
noch nach dem abservieren der leeren Teller im Gaumen lag. Da hat sich jemand wirklich
über die Zubereitung und Kombination der Lebensmittel Gedanken gemacht, auch
die Weinbegleitung sei hier lobend erwähnt. Sie führte uns durch Österreich und
Deutschland und konnte auch in 1/16l genossen werden. Hier ein paar unserer
Highlights aus der jungen Küche: Eisbergsalat mit Milch aus roher Petersilienwurzel
und Saiblingskaviar; ein exzellent knackig frischer Einstieg in die
Menüfolge. Flussbarsch mit Cremé vom Räucheraal, frittierte Kohlsprossen und
eingelegte Herbsttrompeten; geschmacklich ausgewogen und absolut gelungen.
Geschmorter Rotkrautstrunk mit Quitte, Topinambur, Chicorée und Minzgelee;
Wow!!! Stangensellerie, Schalotten, Zitronenschale sauer eingelegt mit Paste
von Sellerie, Mandel und Sardellen und Sorbet von Estragon; mein persönlicher Favorit in 12 Gängen.
Ganz zum Schluss gab es noch ein richtig polarisierendes Dessert von Auberginen,
Champignons, Granny Smith und Haselnüssen; Essen für Fortgeschrittene und am
Besten zum selbst ausprobieren. Es sei noch erwähnt, dass gänzlich auf Modekresse wie Affila
& Co verzichtet wurde. Résumés dieses Abends: Horvath: Ein Küchenteam mit Chef Sebastian Frank der wagt
und gekonnt, überlegte Gerichte zelebriert. Weit ab von Ameisen und
übertriebenen Texturen. Macht bitte weiter so. Eure Küche ist ein Grund mehr wieder
nach Berlin zu kommen. Kritikertisch in der Nachbarschaft: Sollte man Expertisen
von solchen Gourmetkritikern als wahrlich genussfreudiger Konsument von
lukullischen Speisen wie diesen glauben schenken? Nein, wissen wir nun einmal
mehr seit diesem Erlebnis! Denn wie schon ein berühmter Koch zu sagen pflegte:
Tester sind wie Eunuchen; sie würden gern aber können nicht! read more