Fleischerei Berlin. Ein unvergesslicher Abend, ganz im Sinne vom Fleischtheken-Klassiker Darf es etwas mehr sein?. Wir meinen Ja.
Das Restaurant Fleischerei in Berlin gilt in Insiderkreisen als absoluter Geheimtipp. Wir hatten die große Freude in das Geheimnis eingeweiht zu werden...
Der Abend begann klassisch mit einer telefonischen Tischreservierung für 21 Uhr. Das schlichte Hallo zur Begrüßung unterstrich in starkem Maße den Geheimtipp-Charakter des Lokals. Im Laufe des netten Gesprächs wurde uns zugesichert dass wir einen unvergesslichen Abend erleben würden. Die Tragweite dieser Aussage war uns zu diesem Zeitpunkt noch nicht bewusst.
Als wir pünktlich um 21 Uhr das sehr gut besuchte Lokal betraten waren alle Plätze besetzt. Leider auch unsere. Der unglückliche Umstand der doppelten Platzvergabe wurde erkannt, uns wurde versichert dass schnell eine zufriedenstellende Lösung gefunden werde. Der (vermutlich Geschäftsführer) versicherte uns persönlich dass er das kleine Malheur auf seine charmante Art wieder gutmachen wolle. Um die Wartezeit zu überbrücken nahmen wir zunächst im Raucherbereich platz. Die Raucherlounge, wie wir sie nannten, erinnerte Stark an Szenen aus Christiane F., wir Kinder vom Bahnhof Zoo. Der bestellte Aperitif wurde und bereits nach einer halben Stunde serviert. Hierfür der erste Stern, denn aufgrund der langen Wartezweit, gab es die Drinks auf's Haus. Ein poliertes Glas mag zwar schön aussehen, klebrige Gläser jedoch fallen nicht so leicht aus der Hand. Ganz praktisch in Anbetracht der Tatsache dass wir keinen Tisch zum abstellen hatten. Der Aperol mit Cremant war gut gekühlt und schmeckte erfrischend.
Um 21:40 Uhr wurde uns ein Platz avisiert. Die Plätze, angepriesen als absolute Pole-Position direkt am Fenster mit Blick auf die Straße. Die Bestuhlung in einer Reihe nebeneinander weckten lustige Erinnerungen an Hühner auf der Stange. Fröhlich auf die Straße blickend wurden uns die Speisekarten gereicht. Bei der darauffolgenden Bestellaufnahme wurde uns mitgeteilt dass die gewünschten Vorspeisen (Tartar) und Hauptgang (Schnitzel) leider aus sind. Was aber nicht so schlimm sei, denn schließlich war ja nur eine Vorspeise und ein Hauptgang aus. Bei gefühlten 5 Vorspeisen macht das eine Fehlquote von 20%, egal, wir sind ja nicht zum rechnen sondern zum genießen gekommen. Also nur ein Hauptgang und keine Vorspeise. Die Preise der Gerichte ließen ohnehin recht üppige Portionen vermuten.
Möchte Sie auch schon Getränke bestellen? wurden wir gefragt. Und siehe da, der erste Lerneffekt war eingetreten. Dieser Wein ist jedoch aus wurde uns mitgeteilt so dass wir nicht schon wieder vergeblich bestellen mussten. Dafür den zweiten Stern.
Wir bestellten einen Grünen Veltiner und zwei Flaschen Wasser. Weingläser, Stringenz beim nicht polieren auch hier vorhanden (Abzug erster Stern). Die Gläser waren wahrscheinlich noch neu, denn in einem der Gläser lag noch ein Stück Pappe als wären die Gläser frisch aus dem Karton genommen. (Abzug zweiter Stern)
So: 4 Personen. 1 Flasche Wein. 2 Flaschen Wasser. 4 Weingläser. 2 Wassergläser. Diese Rechnung kann aufgehen, aber wir kamen ja nicht zum rechnen sondern zum geniessen. Die fehlenden Gläser wurden selbstverständlich nachgeliefert. Waren sie poliert?
Als der Wein serviert wurde, teilte ich unserer Servicekraft mit, dass ich mein Fleisch auf der Fleischerstulle gern englisch gebraten haben wollte. Habe ich bei der Bestellung vergessen zu sagen In manchen Restaurants wird so etwas bei der Bestellung im Vorfelde abgefragt. In der Fleischerei fragt man nicht nach dem Garzustand denn wir braten es immer medium-rare so dass es immer noch rot sei. Aha, ein Glück dass ich es so in etwa haben wollte.
Endlich wurden unsere Stullen kredenzt. Kross geröstetes Ciabatta Brot bestrichen mit Aioli, belegt mit Salaten (stand auf der Karte nicht Ruccola? Auch aus?) und dem nicht mehr ganz rot gebratenem Rinderfilet. Rinderfilet, das kostbarste Stück vom Rind wurde, um dessen Exklusivität zu unterstreichen, in sehr übersichtlichen Portionen auf der Stulle platziert. Besonders kross war auch der etwa 1 Euro große Plastiksplitter in einem der Essen. Der Splitter lieferte nun Anlass zu einer Reklamation.
Mehrere Minuten vergingen bis wir die Aufmerksamkeit einer doch sehr netten Kellnerin bekommen konnten. Wir fragten nach einer verantwortlichen Person denn mittlerweile hatten uns genügend unerfreuliche Ereignisse heimgesucht und hierzu sollte der Geschäftsführer Stellung nehmen. Er läuft hier irgendwo rum wurde uns gesagt, Ich lasse ihn zu Euch kommen. Zum Glück saßen wir auf den besten Plätzen und konnten beobachten wie der (vermutlich Geschäftsführer)bereits mehrere Minuten früher das Lokal verlassen hatte. Warten wir halt ein bisschen. Übrigens vergeblich.
Erst mal draußen eine rauchen gehen. Auf dem Weg zurück ins Lokal wurden wir vom Küchenchef an der Tür abgefangen, er hat sich für die Pannen entschuldigt. Wiedervergabe erster Stern. read more