Bei unserem Besuch am 30.09. fielen uns einige Dinge auf, die dem selbst gesetzten Anspruch nicht gerecht werden. Wenn man als Gegenmaßstab die Residenz Winkler(bei uns sozusagen 1 mit Sternchen) in Aschau, das Tantris (1-, wegen der gewohnungsbedürftigen Einrichtung) oder den Königshof(2- da gutes Essen, aber überaufdringlicher Service) in München, oder die ehemalige Speisemeisterei (1 mit Sternchen) und das Schloss Solitude (immerhin 2+) zu früheren Zeiten hat, wird es für einen (bloßen) Zauberlehrling (nach Schulnoten allemal 3-) natürlich zugegebenermaßen schwer. Andererseits ist er vom Preisniveau dieser 1- bis 3-Sterne- Gourmettempel nur relativ wenig entfernt, weshalb der Vergleich erlaubt sei. Als erstes fiel uns der kleine, an die Ecke gedrängte runde Tisch auf. Wenn man ein 7-Gang-Menü genießen will, dann braucht man Platz und der fehlt im Lehrling z.T. kolossal. Ohne Platz aber will keine rechtes Wohlfühlgefühl aufkommen. Auffallend ist auch, dass die Platzteller kleiner sind als manche Essteller. So wird das Essen manchmal zu einer kippeligen Konzentrationsübung (nur um schick zu sein?). An unseren Tisch drangen zudem mit zunehmender Gästezahl und Beschäftigung der Küche immer wieder die Kochdünste vor, was den Genuss nicht gerade förderte. So viel zu den Kleinigkeiten. Nun zu den wirklich ärgerlichen Dingen: Am o.a. Abend war im Restaurant eine große Zahl kleinster Fruchtfliegen. Das mag im Herbst nur schwer zu vermeiden sein. Zu vermeiden wäre aber dies gewesen: Nachdem zwei Fruchtfliegen im erst halb geleerten Fruchtcocktail meiner Begleiterin Ihren nassen Tod gefunden hatten, bat ich diesen zu entfernen, was auch geschah. Der Kellner kam jedoch nicht auf die Idee, den Cocktail durch einen neuen zu ersetzen. Ein noch größerer Fauxpas war, dass meine Begleiterin den ganzen Abend aus einem angeschagenen Glas trinken musste (an dem ein Eckchen abgesprungen war), ohne dass dies bemerkt wurde. Wir haben zugegebenermaßen nicht darauf aufmerksam gemacht. Aber derartige Gläser dürften den Weg von der Küche auf den Tisch erst gar nicht finden. Zumindest aber hätte beim häufigen und sehr aufmerksamen Nachschenken das Malheur ohne weiteres entdeckt werden können. So viel zum Thema Anspruch und Wirklichkeit. Diese negatven Eindrücke wurden durch einen ansonsten sehr flotten, freundlichen und überwiegend aufmerksamen sowie i.d.R. auch fachkundigen Service wieder etwas gerade gerückt. Die Essenszusammenstellung fanden wir sehr kreatv, die Umsetzung ganz überwiegend gut, z.T. auch sehr gut. Was also bräuchte der Zauberlehrling, um doch noch zum Zauberer zu werden? Zunächst mehr Platz oder weniger Tische und eine ansprechendere Raumaufteilung, dann eine wirksamere Abschottung zur Küche (bei den Tischen im vorderen Bereich) und schließlich einen noch besser geschulten Service. Fazit: Das Fehlen von Speisemeisterei und Solitude kann momentan einen Besuch beim Lehrling lohnen; besser aber ist es die 380 km zur Residenz Winkler nicht zu scheuen und mit echter Perfektion belohnt zu werden. read more