Mittlerweile sind es drei verschiedene Häuser (Das Große Haus', Das Kleine Haus', Künstlerhaus Andreasstadel'), die gemeinsam das Hotel Orphée' bilden. Verschieden lokalisiert, aber jedes nur wenige Schritte von der Steinernen Brücke entfernt, sind alle drei sehr zentrumnahe.
Im Großen Haus' in der Unteren Bachgasse' befindet sich das fast schon legendäre Restaurant Orphée'. Legendär auch deswegen, weil dessen Innenraum, seit über 100 Jahren kaum verändert, ein alt-französisches Bistro aus der Zeit vor dem ersten Weltkrieg original wiedergibt. Und dieses Flair umfängt den sensiblen Kenner ganz unmittelbar und schon beim Betreten. Ein ungemein stimmiges Ambiente spiegelt glaubhaft die damalige Zeit.
Dass dieses Restaurant für viele Regensburger als Top-Adresse gilt und auch für Gutes Essen' steht, hängt ganz sicher mit der ausgezeichneten Küche zusammen, die eine konsequente französische Ausrichtung zeigt, Überkommenes nicht leugnet, aber mit Neu-Interpretiertem besticht. Dass dies nicht jede Zunge fein genug erschmecken kann, zeigen auch einzelne Kritiken auf dieser Plattform. Umso erfreulicher, dass der Küchenchef seiner Linie konsequent treu geblieben ist, zumindest seit wir dieses Lokal kennen. Und dies sehen wohl viele Menschen ebenso, denn dieses Lokal ist während der Essenszeiten ungemein gut frequentiert und trotz großer Plätzeanzahl vor und im Restaurant wie auch im interessant gestalteten Innenhof ist man nur mit einer Reservierung auf der sicheren Seite.
Jedes in der Speisekarte angebotene Gericht verführt durch seine angekündigte Komposition, ob nun Vorspeise oder Hauptgericht, alles trägt eine eigenständige Handschrift des maítre de cuisine'. Begeistert waren wir von den Escargots, die typisch französisch, aber eben nicht im Häuschen zubereitet waren, von den dreierlei vegetarischen Aufstrichen und von den kleinen Lammspießchen in Rosmarin-Preiselbeersauce. Gleichermaßen bemerkenswert ist die althergebrachte paté de champagne' wie der in verschiedener Größe angebotene Vorspeisenteller. Als Hauptgang wählten wir neben dem altehrwürdigen Cafe de Paris' mehrheitlich den Lammrücken mit Tomaten, Knoblauch und Basilikum. Als Beilage bekamen wir ein wunderbares Karottenpürée, mit Sellerie vornehm angereichert, ein hervorragend konsistentes Kartoffelgratin und ein mit Wein geschmortes Lauchgemüse, das mit roten und gelben Paprikawürfelchen nicht nur für das Auge wunderbar aufbereitet war. Dass neben weiteren Viandes- auch zahlreiche Fisch- und vegetarische Gerichte angeboten werden, sei der Vollständigkeit wegen hier erwähnt. Anstelle des verführerischen Dessertangebotes wählten wir den französischen Käseteller. Alles, was wir geordert haben, war perfekt und mit frischen Zutaten zubereitet, schmeckte ausgesprochen delikat und mundete uns rundum. Dass die Darbietung der Speisen keine ebenso bemerkenswerte Meisterleistung war, störte uns in keiner Weise. Beim Käseteller freilich würde man sich nach echt französischer Tradition wünschen, dass die verschiedenen Käse in einer vom Koch offerierten Essensabfolge angeordnet, in jedem Fall aber vom Ober kommentiert würden.
Die Weinkarte besticht durch eine interessante Auswahl französischer Gewächse, Deutschland, Österreich und Italien vervollständigen die Karte. Bemerkenswert ist die interessante Palette offener Tropfen, die in verschiedenen Füllmengen zu haben und nicht vergleichbar sind mit den sonst üblichen Billigweinen. Der edle Tropfen aus der Gascogne oder auch der aus Valencia soll hier besonders genannt sein, weil beide uns gleichermaßen begeistert haben und auf Weinkarten normalerweise nicht zu finden sind.
Dafür dass im Service auch Studentinnen bedienen, die sich ein Zubrot verdienen, sind die Abläufe auch im vollbesetzten Lokal anständig koordiniert und werden ohne Fehler absolviert. Dass wir nicht nur von einer Kraft bedient wurden, störte uns nicht im Geringsten. Wichtiger waren uns die richtigen Speisen zur gleichen Zeit, die Getränke vor den Speisen und der Blick für das, was auf und am Tisch zusätzlich zu regeln war. Das alles geschah fehlerfrei und in freundlicher und netter Weise. Dass spezielle Detailfragen unbeantwortet blieben, hing mit der fehlenden beruflichen Souveränität zusammen, beeinträchtigte aber nicht unser Wohlbefinden.
War die Sauberkeit der Toilettenräume am frühen Abend einwandfrei, so verschlechterte sich dies mit dem Fortgang des Abends. Zur späteren Stunde waren die Körbe für die benutzten Papiertücher längst übergequollen, die Waschbeckentische wie die Fußböden nass und die Räume ausgesprochen schlecht belüftet. Dass dies zuallererst durch Gäste verursacht wurde, weiß ich. Diese Missstände eben auch während eines Abends zu beheben, bleibt dennoch Sache der Verantwortlichen. Hier besteht unseres Erachtens dringender Handlungsbedarf.
Doch trotz des zuletzt Genannten ist das Orphée für uns eine Top-Adresse in Regensburg. Wir empfehlen sie jedem, der gut speisen möchte und dabei offen ist für interessante read more