Gastfreundschaft geht anders! Keine gute Werbung für afghanische Restaurants.
Wir haben heute Abend das Lemar in der Altstadt ausprobiert. Zum ersten Mal. Wir wollten schon lange dorthin. Uns interessierte die afghanisches Küche und die Website ist stimmungsvoll und anregend gemacht. Kurzfristig hatten wir einen freien Abend, unsere Freunde hatten ebenfalls Zeit und wir wollten exotisch Essen gehen und den Abend in einer schönen Atmosphäre verbringen. Also bestellten wir auch recht kurzfristig einen Tisch für fünf Personen in dem kleinen, gut bewerteten Restaurant. Schon am Telefon bemerkte ich, dass mein Reservierungswunsch mein noch unsichtbares Gegenüber durchaus stresste. Aber es würde schon irgendwie gehen, sagte man mir, wir müssten uns eben an einen Tisch für vier Personen quetschen. Kein Problem für uns, wir nahmen dankend an und erschienen pünktlich im tatsächlich orientalisch anmutenden Innenraum mit erdfarbenen, ornamentbemusterten Wänden.
Allerdings fehlte dem Originalraum die Verträumtheit der Website-Bilder, war er doch mit den üblichen dunkelbraunen Furnier-Bistrotischen zugestellt. Der Tisch am Eingang war unserer. Spätestens als orientalische Pop-Mucke lief, war der orientalische Zauber, den wir uns erhofften, ganz vorbei. Auch die Bedienungen ließen sich ihre Freude über die Gäste und im Speziellen uns nicht anmerken. Sie waren auch nicht entzückt, als wir einen gemischten Vorspeisenteller für zwei zu fünft bestellten. Wir wollten ja nur ein klein wenig probieren. Nachfragen zu den Speisen trauten wir uns gar nicht, dazu kamen wir auch nicht wirklich, denn während wir sie aussuchten wurden uns zweimal die Speisekarten aus den Hand gerissen mit dem Hinweis, andere wollten auch bestellen. Dann ergabe sich die Gelegenheit, einen gemütlicheren Tisch im Eck zu bekommen, was wir gerne annahmen. Nur leider mussten wir dort nach dem wirklich ganz köstlichen Vorspeisenteller zweieinhalb Stunden auf die Hauptgerichte warten. Unser Tisch wurde verwechselt. Wir mussten zwischendrin nochmals unsere Gerichte aufsagen und wurden streng verbessert, weil wir uns in den Beilagen irrten. Unsere Getränke hatten wir uns zwischenzeitlich an der Bar bzw. in der
Küche bestellt, weil die Bedienungen uns einfach auch dann nicht
wahrnahmen, wie wir sie direkt ansprachen.
Die Hauptspeisen waren geschmacklich ok, aber insgesamt recht gewöhnlich, ja fast Hausmannkost und dafür eher teuer. Etwa eine Stunde nach Beendigung der Hauptspeise und erst auf mehrmalige Nachfrage hin legte man uns kommentarlos eine Rechnung auf den Tisch. Sie war falsch. Wir wiesen die Bedienung darauf hin und bekamen prompt die richtige Rechnung auf den Tisch gelegt mit dem Hinweis, dass wir ja nun an einem anderen Tisch sitzen würden. Keine Entschuldigung. Folgerichtig wurden wir auch nicht gefragt, ob wir getrennt zahlen wollten. Daraufhin legten wir in Studentenmanier zusammen und gingen. Und spätestens jetzt ärgerten wir uns über dieses maßlos unverschämte Verhalten.
Schade, denn wir hätten gerne noch mehr geschlemmert, hätten Nachtisch und Kaffee genossen, uns gerne auch beraten lassen und uns zum Schlemmen hinreißen lassen. Dazu brachten wir Lust, Zeit und Geld mit. Doch dazu hatten wir die falschen Nasen. Wir kamen uns insgesamt wie die Touristen an den Ristorantes am Rialto vor, die mit dem Tourist-Menu abgespeist werden. Ob es daran lag, dass wir zum ersten Mal da waren. Ob es daran lag, dass wir erst spät reserviert hatten? Wir werden es nie erfahren, denn wir werden dort sicher nicht mehr hingehen.
Und wir können es auch nicht weiterempfehlen. read more