EIN KOMMENTAR ZUM BORIS BREJCHA KONZERT
*Organisation im Komplex 457 nicht vorhanden*
Am Freitag 6. Dezember 2019 war es soweit, der weltbekannte Elektro-Minimal-DJ und Produzent Boris Brejcha kam nach Zürich in den Komplex 457. Dies dürfte für viele Elektro-Fans ein Highlight des Jahres bedeutet haben, was sich daran zeigte, dass das Konzert seit einem knappen halben Jahr ausverkauft war.
Ums vorweg zu nehmen, wie zu erwarten war das Set von Boris Brejcha grossartig. Ein Künstler von höchster Qualität eben. Das Set hätte man locker als Weltklasse bezeichnen können. Mit Betonung auf "hätte können".
Leider war die Soundanlage, welche die bis zum Anschlag prall gefüllte Halle des Komplex 457 beschallte, so extrem unterirdisch schlecht, dass die hochkomplexen Arrangements von Boris Brejcha vollkommen untergingen. Die Anlage überschlug gänzlich, es gab keine Bassline, keine Höhen oder Tiefen, keine Melodie. Die Musik hörte sich an wie ein Brei aus undefinierbaren krächzenden Tönen - einfach nur schrecklich und eines Boris Brejcha unwürdig! Ich muss sagen, ich habe noch nie in meinem ganzen Leben eine schlechtere Soundanlage gehört. Auf jedem Outdoor-Rave mitten im Wald hört sich der Sound qualitativ besser und intensiver an.
Ich habe keinen Tontechniker-Abschluss, weshalb ich nicht weiss, ob die Soundanlage einfach nur amateurhaft justiert wurde, oder dieser hochstehenden Musik technisch unterlegen war. Was ich aber habe sind Ohren.
Dieser Aspekt ist natürlich inakzeptabel und hätte niemals gut gemacht werden können, indem alles andere perfekt gewesen wäre. Leider war der gesamte Event desaströs organisiert.
Im ausverkauften Saal gibt es - ich hoffe ich habe richtig gezählt - vier Bars. An jeder Bar arbeiteten zwei Personen. Also insgesamt 8 Personen im ganzen Komplex. Natürlich war das Personal gänzlich überfordert - logischerweise ohne eigenes Verschulden, denn der Ansturm der Leute war in dieser krassen Unterbesetzung unmöglich zu bewältigen.
Ganze 8 "Barkeeper" waren demnach für fast 1000 Konzertbesucher verantwortlich. Wow, da konnte jemand richtig gut planen! Um ein Getränk zu bekommen musste man folglich ca. eine Dreiviertelstunde anstehen. Das Fass zum überlaufen brachte aber die Tatsache, dass der Veranstalter die Frechheit besass, ein Pfand für alle Becher zu verlangen. Sinnfrei! Man hätte also nochmals 45 Minuten anstehen müssen, um das Pfand zurück zu erhalten. Sonst gehts es eigentlich noch gut?
Der folgende Textabschnitt könnte Spuren von Ironie enthalten, denn jetzt wird's erst richtig lächerlich.
Der Gipfel von allem war, dass als wir gerade im Komplex ankamen, bereits keine Jacken mehr an der Garderobe abgegeben werden konnten - die Garderoben waren tatsächlich voll. Dies war ca. 2h bevor das Set von Boris Brejcha überhaupt erst anfing. Kann ja mal passieren, dass der Organisator des Events nicht weiss, wieviele Personen auftauchen werden. Vor allem wenn das Konzert ausverkauft ist, ist es besonders schwierig eine Besucheranzahl zu schätzen. Und auch sehr ungewöhnlich und überraschend, dass Menschen im Dezember überhaupt Jacken tragen. Für mich ist das ein absolutes No-Go, dass gefühlt die Hälfte aller Besucher ihre Winterkleidung nicht abgeben konnten.
Notgedrungen mussten wir unsere Jacken dann bei einem Freund, der glücklicherweise in der Nähe wohnt, deponieren, ansonsten wäre es unmöglich gewesen in der Menschenmenge zu tanzen, ja es wäre wohl unmöglich gewesen sich überhaupt vernünftig zu bewegen. Übrigens wurde uns, nachdem wir an der Garderobe abgewiesen wurden und wir uns den Weg auf Grund dessen wieder nach draussen bahnen mussten, um die Jacken beim erwähnten Freund zu platzieren, vom Türsteher mitgeteilt, dass wir anschliessend trotz Ticket nicht wieder in den Club reinkommen, da das Ticket nur für einen einmaligen Eintritt berechtigt. Ich habe echt selten so gelacht!
Eine Frage an den Veranstalter: Schämt ihr euch wenigsten ein bisschen??
Dafür habe ich CHF 40.- bezahlt? Der Abend hat es immerhin in die Kategorie "unvergesslich" geschafft - er glich einer Tragikkomödie, die einem gleichzeitig lachen und weinen liess, weil die Organisation so peinlich war - zum fremdschämen. Danke für die grösste Frechheit, die ich seit sehr langem erleben durfte. Es war ein voller Misserfolg! - abgesehen von Boris Brejcha, dieser hat 2,5h Vollgas gegeben, meinen vollen Respekt dafür - seine Musik ist top!
Hoffentlich kommt Boris Brejcha bald wieder nach Zürich, dieses mal aber an einen für ihn würdigen Veranstaltungsort - das würde mich ungemein freuen.
Nichts für ungut, tschüss! read more