Adrett und sauber herausgeputzt kommt er daher der Hotel-Gasthaus "Hirschenwirt" und ist schon von daher einladend, die Selbstdokumentation im Internet verstärkt einen guten Erwartungseindruck.
Die Gaststube ist geräumig, Nebenzimmer und Außenbereich ergänzen das Platzangebot. Der große Hauptraum ist mit viel Aufwand hergerichtet, Holzdekor an den Decken, gliedernde Rankengitter, helle blumige Vorhänge und Sitzkissen, eine Vielzahl von Bierkrügen als Wandfriesdekoration, alles ungemein sauber, aber auch ein klein wenig steril, weil gemütlichkeitsstiftende Elemente fehlen. Und dies wohl auch wegen der Tischutensilien. Farbige Tischdecken und Papierservietten, zwei Tulpen im dafür zu großen Glasquadrat, Pfeffer- und Salzdosen aus dem Discounter-Gewürzregal und dann jeweils einer der vor Jahrzehnten als Kirchenkerzen entwickelten Dauerbrenner, ein Nylon-Kerzenimitat als Hülle, bestückt mit einer Aludose, die mit Flüssigwachs befüllt ist. Mögen diese Kerzenimitate im Kirchenraum von ferne und oberflächlich betrachtet wie Kerzenlicht wahrgenommen werden, im Gastronomiebereich, wo sie seit Jahren versuchen Fuß zu fassen, sind sie m.E. fehl am Platz, denn der Blick aus der Nähe auf Kunstdocht im Aludeckel mit künstlicher Hülle wirken kontraproduktiv für jede Gemütlichkeit.
Das Lokal betritt man im Thekenbereich, wo wir mit verhaltener Freundlichkeit begrüßt wurden, unser reservierter Tisch am anderen Ende des Raumes wurde uns lediglich mit dem Finger gezeigt.
Die Speisekarte offerierte deutlich weniger Gerichte, als jene, die im Internet angepriesen wird. Überrascht nahmen wir zur Kenntnis, dass keine Vorspeisen und auch keine Desserts angeboten wurden. So entschieden wir uns die einzige genannte Suppe, eine Bärlauchsuppe zu ordern. Ohne Zweifel enthielt sie die richtige Menge Bärlauch, doch das Salz war uns eindeutig zu großzügig bemessen, und dies obwohl wir zu denen gehören, die grundsätzlich kräftig gewürztes Essen bevorzugen. Als störend empfanden wir die Suppeneindickung, die ähnlich wie der Salzgehalt vielleicht durch das häufige Aufwärmen der wahrscheinlich am Vortag zubereiteten Suppe entstand.
Wenn schon das Altmühltaler Lamm in mehreren Variationen angeboten wird, dann wollten wir dies nicht übergehen und wählten die 'Altmühltaler Lammschnitzel natur gebraten und mit Parmesan überbacken, dazu Kartoffelschnitten und grüne Bohnen'. Das Fleisch war, wie es sich gehört, aus der Oberschale, wenn auch lieblos in jeweils zwei unterschiedlich kleine Scheibchen pro Portion geschnitten, die wenig gemein hatten mit dem, was man sich unter 'Schnitzel' vorstellt und auch anderenorts als Lammschnitzel serviert bekommt. 'Natur gebraten' sollte nicht 'gewürzlos' bedeuten. Gerade das Lammfleisch verträgt sich mit einer Vielzahl von Kräutern wie z.B. Rosmarin, Salbei, Kerbel, Estragon, Thymian, Minze, lässt sich darüber hinaus verfeinern mit Koriander und Piment, und besonders schmackhaft wird es, wenn das Fleisch eine gewisse Zeit in den ausgewählten Gewürzen ruhen darf bevor es zubereitet wird. Doch nichts von alldem war zu schmecken. Das ohne Zweifel gute Lammfleisch war lediglich gepfeffert und gesalzen und wurde zu allem Übel in einer Allerwelt-Bratensauce serviert, die - so jedenfalls unser Gustus - nicht fleischspezifisch gefertigt war. Auch der über das Fleisch gestreute Parmesan war nicht frisch gerieben, sondern entstammte einem Fertigbeutel aus dem Handel, die häufig - wie auch hier - dadurch zu erschmecken sind, weil bei den billigeren Produkten auch die Rinde des Käses mitgerieben wird. Auch war er nur vereinzelt durch die Wärme des Fleisches geschmolzen, einige Minuten Oberhitze waren ihm versagt geblieben. Die Bohnen waren nicht mehr bissfest und nur lieblos gewürzt, die fritierten Kartoffelschnitten ein Fertigprodukt, im Backofen (oder der Mikrowelle) aufgebacken, meldeten sie sich noch Stunden später im Magen zu Wort.
Die angebotenen Weine - auf Hochglanzpapier farbig gedruckt - erschienen uns als beliebige Sammlung, preislich sowohl für offene wie für Flaschenweine nicht verstehbar kalkuliert. Die Güte der gewählten Weine (Trollinger und Merlot) waren indes einwandfrei - wenigstens etwas, das wir positiv vermerken können!
Die jungen Damen des Service agierten wenig professionell, man servierte eben wie man es für richtig hielt, dabei konnte es schon mal vorkommen, dass bei drei gleichzeitig in der Hand gehaltenen Beilagentellern der eine zur Hälfte im anderen drinnen stand. Doch schon zu Beginn unseres Abendessens war die fehlende Professionalität spürbar. Eben erst hatten wir die Speisekarte bekommen, als schon die Getränke aufgenommen werden sollten. Bis dann die Weinkarte am Tisch war, hatte die Servicekraft bereits dreimal gefragt, was wir denn essen wollten. Erst ein deutliches Intervenieren ermöglichte uns in Ruhe überlegen und wählen zu können. Dass wir dann unser Essen gleichzeitig erhielten, war dem Umstand zu verdanken, dass wir die gleichen Gerichte gewählt hatten, an den Tisch... read more