Ich weiß nicht recht, wo ich beginnen soll; vielleicht zur Einleitung: wir essen gerne gut. Manchmal kaufen wir einen Bon von Groupon, um neue Lokale kennen zu lernen. Dabei wurden wir schon manchmal enttäuscht, oft aber auch sehr positiv überrascht. Prinzipiell bin ich der Meinung, dass wenn man ein Restaurant, ein Hotel oder einen anderen Betrieb hat und sich dafür entscheidet mit Hilfe von Groupon eine Werbeaktion durchzuführen - und als nichts anderes sehe ich die Idee von Groupon - hat man seine Kundschaft zu behandeln, wie man seine 'normale' Kundschaft behandelt. Für mich bedeutet das auch, wenn man im Rahmen einer solchen Aktion nicht gut behandelt wird, wird kann man als 'normaler' Gast nicht erwarten anders (besser) behandelt zu werden. Ganz allgemein gesprochen: das ist dann ganz einfach keine gute Werbung für das Restaurant. Und die potentielle Kundschaft kommt eher nicht zurück. Genau das trifft auf Gut Hohenholz zu. Leider. Wir haben unser Abendessen dort zwar mit anderen Aktivitäten in der Gegend verbunden, sind aber trotzdem von Brüssel angereist. Und wir hatten Hunger, was normalerweise der beste Koch ist - aber nicht einmal das hat geholfen... Den Bon gekauft hatten wir, weil wir gelesen hatten, dass der Koch von Gut Hohenholz sich in einem früheren Leben einen Stern erkocht hatte und sich nunmehr aus verschiedenen Gründen bewusst für ein weniger stressiges Leben in der Küche von diesem etwas vom Schuß abgelegenen Gut entschieden hatte. Wir dachten: gute Voraussetzungen für eine gute Küche - und wurden schwer enttäuscht. Das 5-gängige Menü, das durchaus für den Preis von einer Sternen Küche angeboten wurde konnte in keiner Weise überzeugen.
Die erste Vorspeise: Carpaccio war komplett geschmacksneutral; dafür schienen die in der Mitte vom Teller platzierten Soja Sprossen in Marinade ertränkt und die zwei gegrillten Piements noch das highlight auf dem Teller. Über die Frage, wie diese Kombination miteinander harmoniert denke ich noch immer nach.
Zwischengang: Krustentiereschaum mit Flußkrebsen. Der Schaum war so überwürzt, dass man die Flußkrebse nicht schmecken konnte.
Hauptgang: Kalbsrücken mit Kräuterkruste und Pfifferling Risotto: Durch das überwürzte Risotto war es leider nicht möglich, den Geschmack vom Fleisch wahrzunehmen, das leider auch viel zu lang gebraten und dadurch absolut nicht mehr zart war - eine Vergewaltigung von einem edlen Produkt.
Nachdem die Speisenfolge bei den ersten drei Gängen relativ flott ging, mussten wir nunmehr auf unseren vierten Gang, eine Platte von italienischen Käsen mit Feigenmarmelade und Zwiebelkompott unerklärlich lange warten. Das Rätsel hat sich leider auch nicht aufgelöst, als wir endlich die Käsen bekamen. Eine Ernüchterung - insbesondere weil ich noch heute mit Freuden an eine Käse Variation, genossen im Friaul, zurückdenke. Um es kurz zu machen: das beste an dem Käse war das Zwiebelkompott. Die 3 präsentierten Käsen waren unidentifizierbar, viel zu kalt und deswegen gummiartig im Verzehr.
Nunmehr begann das warten auf unser Dessert, das die einzig positive Note in unserem Menu war. Die Kombination von einem Mandelküchlein, mit Erbeersorbet und in Prosecco eingelegten Waldbeeren war ohne Zweifel das Highlight des Abends, auf das wir allerdings 3h warten mußten. Summa summarum eine mehr als ernüchternde Erfahrung. Überhaupt, wenn man die Qualität der Getränke und die des Services miteinbezieht. Ich habe Riesling bestellt, der leider nicht nur geschmacksneutral sondern auch viel zu warm war. Als meine Begleitung im Laufe des Diners gefragt wurde, ob es noch etwas zu trinken sein darf und sie 2x kurz hintereinander verneinte, hat sich die Freundlichkeit des Personals schlagartig um 180 Grad gewandelt und unser Tisch wurde danach immer als letzter bedient. Eine Reaktion, die mit unprofessionell noch nett beschrieben ist. Ganz abgesehen von der Tatsache, dass die eingedeckten Gläser nicht abserviert wurden, sobald wir unsere Getränke gewählt hatten und wir dadurch wenig Platz am Tisch hatten.
Ganz allgemein möchte ich zu Gut Hohenholz anmerken, dass wir nicht das Gefühl hatten uns in einem Lokal zu befinden, dass von einem ehemaligen Sternekoch betrieben wird. Im ganzen Menü gab es keinen Esprit, keinen Elan, keine Kreativität und sicher kein Augenmerk auf gute Zutaten oder Harmonie in den Gerichten. Sehr schade. read more