Auf unterschiedlichen Portalen wird das Lokal hoch gelobt, wobei sehr häufig der Vergleich zu den original japanischen Angeboten in Düsseldorf heran gezogen wird. Vorneweg: Das Genki kann nicht mit einem der Düsseldorfer Ramen-Bars mithalten.
Gehen wir schrittweise vor.
Wir waren zu Dritt. Als begleitendes Getränk bestellten wir den Grüntee, der in 2 Varianten angeboten wird:
0,3 Liter für 3,50 €
0,4 Liter für 4,50 €
Auf den Tisch kamen Gläser, in denen ein Teebeutel einer chinesischen Billigmarke hing, der mit Sencha wenig gemein hat. Der Tee wurde mit brühheißem Wasser aufgegossen, ein absolutes No Go. Der Tee im Genki war klar, hatte einen beigen Farbton, war nahezu frei von Aromen und zeigte nach dem Konsum keine anregende Wirkung. Aber jetzt kommt die Krönung! Ob 0,3 Liter oder 0,4 Liter - in beiden Fällen hängt der gleiche Teebeutel im Glas. Das Genki berechnet also bei der 0,4 Liter Variante einen Euro für 0,1 Liter zu heiß geratenes Wasser. Da erhält der Begriff abgebrüht eine doppelte Bedeutsamkeit. In fast allen japanischen Ramen-Bars ist der Tee kostenlos. Selbst der billigste Konatcha würde dieses Aufgußgetränk um Längen schlagen.
Neben den Gyoza-Taschen bestellten wir das Tonkotsu Ramen sowie das Genki-Ramen in der Miso-Variante. Die Tonkotsu Variante wird mit schwarzem Knoblauchöl angeboten, dass in Japan Mayu heißt. Auf die Frage ob das Mayu im Haus hergestellt wird, kamen nur verstörte Blicke. In Kombi mit den Klängen einer chinesischen Radiostation im Hintergrund war klar, der Laden wird von Chinesen betrieben, die nur einen reduzierten Zugang zur Ramenkultur besitzen.
Die Gyoza-Taschen wurden schnell serviert. Der erste, optische Eindruck war gut. Die Gyoza waren einseitig angebraten, was klassich so der Fall ist. Meist werden die Taschen in einer mit Deckel bedeckten Pfanne gebraten und gleichzeitig gedämpft. Dann der Biss in das erste Gyoza...
Der Nudelteig war ok, aber die Füllung war eine kulinarische Bruchlandung. Pastöse Konsistenz, Geschmack belanglos und nicht definierbar. Es war uns unmöglich auch nur zu erahnen, woraus diese Füllung bestand. Der Reiz von Dumplings liegt nicht nur in der Aromen, sonder auch im Texturspiel der Zutaten. Gyoza sind traditionell mit einer Füllung versehen, die eine körnige Textur aufweist, um so ein Spiel zwischen dem Nudelteig und der Füllung zu erzeugen. Dazu gereicht wurde ein Dip, gefühlt aus Sojasauce, Reisessig, Wasser und Instant-Dashi hergestellt, der die aromatische Belanglosigkeit der Gyoza nicht kompensieren konnte.
Kommen wir zum Tonkotsu Ramen.
Die Tonkotsu-Brühe ist in Japan die Ramen-Variante für die kalten Tage im Jahr. Sie ist sehr reichhaltig und enthält reichlich Fett, weshalb beim Tonkotsu-Ramen die Oberfläche nur so vor Fettaugen strotzt. Gern wird obendrauf noch weich gekochtes und feinst gehacktes Fett und Schwarte gegeben. Diese Brühe ist in Japan das Aushängeschild und der Stolz jeder Ramen-Bar. So ein Süppchen macht warm, satt und glücklich, wenn es denn gekonnt auf den Punkt gebracht wurde.
So wie die Gyoza, kam das Tonkotsu-Ramen sehr ansehnlich präsentiert daher. Nur hatte die Tonkotsu-Brühe wenig vom dem zu bieten, was ich vorab beschrieben habe. Keine Fettaugen, keine fein gewogenes Fett oder Schwarte, nicht die typische, tiefe Komplexität einer Tonkotsu-Brühe mit Umami-Garantie. Die Brühe konnte geschmacklich nicht überzeugen.
Und jetzt zum Shashu.
Das Chashu (Schweinebauch) ist eines der Produkte, die ein Ramen adeln können. Chashu bietet ein sehr feinen und komplexen Geschmack, der sich auf atemberaubende Art und Weise in das Aromenspiel eines gute Ramen einfügt und es ungeahnt bereichert. Das Geheimnis der besten Chashus liegt in einer "ewige Brühe", in der das Shachu nach den anbraten über Stunden gesimmernt wird. So eine Brühe gibt es im Genki definitiv nicht.
Das Chashu kam mit einem dominanten Aroma daher, dass über allen anderen Zutaten des Ramen lag und uns letztendlich die chinesiche Küchenführung bestätigte. Es schmeckte intensiv nach chinesichem 7-Gewürz-Pulver. Das ist Frevel und hat mit der Ramen-Philosophie nichts gemein. Wir haben den Großteil der Gyoza und der Ramen stehen lassen. Die 3 Damen haben sehr wohl gemerkt, wie unwohl wir uns insgesamt fühlten, vermieden aber die Nachfrage, ob etwas nicht in Ordnung sei. Natürlich kam zum Abschluss auch nicht die obligatorische Frage: "Hat es ihnen geschmeckt?". Sie werden wissen, warum darauf im Genki verzichtet wird.
Wir waren von dem Angebot sehr enttäuscht und empfehlen dringenst den Weg nach Düsseldorf, wenn es denn ein wirklich authentisches Ramen sein soll. Abschließend komme ich zu dem einen, bitteren Stern. Warum? Weil dort nicht geboten wird, was die Werbung und Eigendarstellung vorgibt. Augenwischerei mag ich anders nicht bewerten. Die Heerscharen an Chinesen und Vietnamesen, die uns in Deutschland meist minderwertige Adaptionen japanischer Küche anbieten, haben in meinen Augen zu einer schrecklichen, kulinarischen Unkulktur geführt read more