Wir sind auf dieses Lokal über positive Kritiken im Internet aufmerksam geworden. Im Laufe des vergangenen Jahres waren wir etwa sechsmal dort zum Mittagstisch.
Zum Inhaber: Wie mein Vorredner treffend bemerkte, haben wir es bei ihm mit einem Schlitzohr zu tun, der hinter übertrieben zur Schau gestellter Höflichkeit darauf abzielt, den Kunden systematisch übers Ohr zu hauen, d.h. ihm größere Mengen oder teurere Ware als bestellt unterzuschieben. Das macht keinen Spaß.
Zu den weiblichen Bedienungen: Es herrscht hier hohe Fluktuation. Wir wurden bei jedem Besuch von anderen Kellnerinnen bedient.
Mittagstisch: Täglich vier verschiedenen Fischsorten sind auf einer Tafel im Fischladen angeschrieben. EUR 6,90 ist preislich gerade noch im Rahmen für das gebotene Kantinenambiente.
Der Inhaber hatte uns bei unserem ersten Besuch darüber aufgeklärt, dass er uns jede der Fischsorten aus dem Mittagstischangebot auf die von uns gewünschte Art zubereiten würde: "meliert und frittiert, gebraten, gegrillt oder gekocht". Als ich dann bei unserem vorletzten Besuch das angebotene Thunfischsteak "gegrillt" bestellte, welche Bestellung uns der Inhaber auch ebenso - "Thunfischsteak gegrillt" bestätigte, war ich über das dann servierte Ergebnis doch verwundert. Statt eines gegrillten Thunfischsteaks wurden mir mehrere Stücke dunkelbraunen, angebrannten und vollkommen ausgetrockneten Thunfischs serviert. Auf meine Nachfrage, was das denn sei, ich hätte doch Thunfischsteak gegrillt bestellt, beschied mir der Inhaber dreist, ja doch, das hier wäre in der Pfanne gegrillt.
Professionalität: Bei jedem einzelnen unserer Besuchen wurde das Essen stets ohne Zitronenschnitze serviert. Wir mussten jedesmal extra den Inhaber oder die Bedienung wieder herbeirufen, woraufhin uns dann ein großer Teller voller Zitronenspalten hingehalten wurde, von dem wir genötigt waren, uns mit bloßen Händen eine Spalte herunterzugreifen. Der schwarze Tee wird in einem großen Glas mit Teebeutel darinnen serviert, ohne irgendein Gefäß zur Entsorgung des Teebeutels.
Ein Highlight ist es, im Sommer an den Tischen vor dem Lokal auf dem nach Süden gehenden Bürgersteig das Essen einnehmen zu können.
Nun zu unserem letzten Besuch Freitag, den 5. Januar 2018. Da ich gern Kochfisch esse, dessen Zubereitung je etwas länger dauert, hatte ich vorsorglich zwanzig Minuten vor unserem Eintreffen beim Inhaber telefonisch vorbestellt, nämlich Kabeljau vom Mittagstisch zu EUR 6,90 und zwar gekocht. Im Laden konnte die junge Bedienung damit nichts anfangen, daher gab mein Kollege unsere Bestellung dann unter Bezug auf die telefonische Vorbestellung vorne im Fischladen beim Inhaber auf. Schließlich servierte der Inhaber unser Essen, meinen Kochfisch mit den Worten "Dorsch gekocht". Ich wand ein, nein, ich hätte Kabeljau bestellt, woraufhin der Inhaber erwiderte "Kabeljau ist ja Dorsch". Das stimmt so natürlich nicht. Wieso er den Kabeljau zum Dorsch machen wollte, wird sich noch zeigen.
Zum Essen selber: Der Fisch war totgekocht und vollkommen geschmacksneutral. Die Senfsauce schmeckte gerade einmal nach Senf, mehr auch nicht. Und die Salzkartoffeln waren aufgrund langen Warmhaltens von einer gummiartigen Hülle überzogen. Der kleine Beilagensalat schwamm in Wasser, war dafür aber bar jeder Würzung und jeden Dressings.
Mein Begleiter bat die Kellnerin, zahlen zu dürfen. "Das tun Sie am besten vorn!" Doch es war diesmal, so rief ihn die Kellnerin wieder zurück, nicht "vorn" im Fischladen gemeint, wohin mein Kollege zuerst gestrebt hatte, sondern "vorn" an der Kühltheke im Bistro, von wo er doch sogleich wieder nach "vorn" in den Laden geschickt wurde. Dort wurden ihm für den Kochfisch nicht EUR 6,90 sondern volle EUR 15,90 abgenommen. Ich hatte im Bistro gewartet. Als ich diesen Preis erfuhr, sagte ich, das dürften wir so nicht hinnehmen. Meine Begleitung holte das Auto und ich reklamierte beim Inhaber im Laden. In der Aufregung hatte ich den kassierten Preis bei 16,90 statt bei 15,90 verortet und reklamierte also,10,00 EUR zu viel bezahlt zu haben, obwohl wir es dreimal ausgedrückt hatten, dass es um den Kabeljau gekocht vom Mittagstisch ging, zunächst bei der telefonischen Vorbestellung, dann bei der Bestellung bei der Kellnerin und schließlich bei der finalen Bestellung beim Inhaber im Laden. Dieser wollte das alles jedoch nicht wahrhaben und insistierte lautstark auf seiner Version der Bestellung und auf seinem Preis. Das Wortgefecht ging einige Male hin und her, vor der im Laden und im Bistro versammelten Kundschaft, die alles mithören konnten, was den Inhaber aber nicht weiter zu stören schien, sondern er lieferte noch weitere lautstarke Argumente. Schließlich zog er einen 10-Euro-Schein aus der Tasche und reichte ihn mir mit den Worten "Da nehmen Sie Ihre zehn Euro und verschwinden Sie von hier und lassen Sie sich nie wieder hier blicken!" Was wir mit Sicherheit tun werden! Das hier gezeigte Geschäftsgebaren grenzt an Abzocke! read more