Manchmal ist es gut, daß es im Berliner Zentrum noch strukturschwache Straßen wie die Reinickendorfer Straße gibt. Denn an solchen Orten bleiben selbst die größten Schätze noch faszinierend lange unentdecktWer diesen Teil des Weddings kennt wird vermutlich zustimmen, daß sich neben den Menschen, die hier wohnen, arbeiten, Drogen kaufen, den Pankeradweg entlang gurken oder ganz gezielt etwas zu erledigen haben, hier niemand einfach so hinverirrt.
Seit etwa 3 Jahren hängt an besagter Straße nun schon ein verlockendes Schild mit einer thailändischen Flagge darauf, meist ein Zeichen, daß es sich nicht um einen China-Sushi-Viet-Thai handelt. Seitdem ich das Schild zum ersten Mal sah, wollte ich hier essen, leider kam ich irgendwie immer nur Sonntags vorbei (aufmerksame Leser verstehen: Reinickendorfer Straße und so) und da war immer geschlossen
Damals, als es noch keine Qype-Einträge zu Dan Thai gab, war die einizge in den Weiten des Internet kursierende Info, dass die Thailändischen Botschafter hier zum Essen kämen
Vor gut einem Monat hat es dann endlich geklappt und gleich beim Eintreten merkte man, daß das irgendwie kein gewöhnlicher Thai-Imbiss ist. Die Fleischauslagen in der Theke haben so gar nichts mit den gängigen Thai-Food-Klischees zu tun. Das Gourmetherz schlägt höher beim Lesen der Speisekarte: die meisten Gerichte gibt es in dieser Form nirgendwo anders! Wir bestellen die #7 mit krossem, selbst mariniertem Schweinefleisch, Bauch und süßer Thai-Wurst und ne Ente mit Gemüse. Die Ente mit Gemüse ist extrem lecker aber der Kracher ist die rote Soße der #7: selten solche Geschmacksorgasmen gehabt (kommt einem Biss in das Imren-Fleisch nahe ihr wisst was ich meine).
Begeistert fangen wir wild an, auf die liebe Dan einzureden, die uns erklärt, daß sie in Sisyphosarbeit alle Soßen, Nudeln, Wan-Tans und marinierte Fleischvariationen selbst und alleine macht! Wenn man die Öffnungszeiten sieht und dann die Vorbereitungszeit dazu rechnet, muss man sich ganz tief vor dieser tollen Frau verbeugen, die es sich zum Lebensinhalt macht, in dieser Straße und zu diesen Preisen Leute mit ihrer Kochkunst glücklich zu machen.
Während wir versuchen, Details zur roten Soße herauszufinden (dafür muss ich wohl Thai lernen), kommen tatsächlich 2 thailändische Botschafterrinnen rein und Essen mit uns.
Beim zweiten Besuch vor kurzer Zeit erfahre ich von Dan, daß sie aus Bangkok kommt, ihr Großvater allerdings aus China. Für mich macht nun die besondere Speisekarte mehr Sinn, da das marinierte Schweinefleisch und auch manche Soßen sehr ähnlich sind wie in Chinatown New York. Sie zeigt mir genau, welche verschiedenen Arten von Nudeln sie selbst macht und wie das Thai-Eisbein gemacht wird.
Der dritte Besuch bleibt wieder in Erinnerung, da mir von unglaublich liebenswerten thailändischen Gästen die gesamte Karte im Detail erklärt wird, ich viel über die Essgewohnheiten erfahre und zum ersten Mal die hausgemachten Reisnudeln probiere, die zusammen mit mariniertem krossen Schwein und viel Gemüse ein absolutes Traumessen ergeben. Zu diesem Essen gibt es Essig mit frischen Chillies drin und dazu streut man etwas Zucker drüber.
Es bleibt wirklich nur von ganzem Herzen zu hoffen, daß Dan mit ihrem Gourmettempel in Imbissform in dieser schwierigen Lage genug verdient, um nicht schließen zu müssen und daß andererseits nicht plötzlich ein Hype ausbricht, der das leckerste Essen und die freundlichste, menschlichste Atmosphäre gefährden könnte (wobei die Reinickendorfer Straße sicher noch einige Zeit ihren Teil dazu beitragen wird, dass sich die Anstürme in Grenzen halten) read more