Wir waren spontan an einem relativ kühlem April-Samstag im Classico
Italiano am Neumarkt in Dresden zu Mittag eine Kleinigkeit essen.
Das
von der GK Gastronomie und Handels OHG betriebene zweigeschossige Lokal
mit Freiterrasse auf dem gewölbten Kopfsteinpflaster vis à vis zur
Frauenkirche lebt natürlich in erster Linie von den Touristenhorden, die
die weltbekannte barocke Platzanlage Tagein-Tagaus bevölkern.
Sicherlich hat man vom lokaleigenen langgestreckten, aber relativ
schmalen Balkon im 1. Obergeschoss eine grandiose Sicht beim Essen.
Seitlich an der Frauenkirche vorbei schweift der Blick vom Grand-Hotel
De Saxe (Steigenberger-Gruppe) über die wiedererstrahlte
Heinrich-Schütz-Residenz bis zur weniger strahlenden Umbaukulisse des
sozialistischen Beton- und Glasklotz des Kulturpalastes.
Zurück
zum Restaurant: Das trübe Aprilwetter sorgte für weitgehend freie
Platzwahl im Erdgeschoss. Servicekräfte scheinen trotzdem nicht allzu
reichlich gesät worden zu sein für diese Schicht. Man sieht zwar immer
mal wieder ein paar Damen herumwuseln, aber von Glanzstücken der
Servicebereitschaft und Effizienz ist man hier noch weit entfernt.
Vermutlich wird der Tagesbetrieb zum überwiegenden Teil mit angelernten
Pauschalkräften über die Bühne gebracht.
Als eine Kellnerin rund
15 Minuten nach Einnehmen des Sitzplatzes endlich einmal den Weg zu
meinen Tisch fand um die Getränkebestellung aufzunehmen, teilte ich ihr
sogleich mit, dass ich noch auf jemanden warten würde und somit die
Bestellung der Speisen erst später erfolgt. Trotz dieses Hinweises ließ
sich die junge Dame nicht davon abbringen sogleich noch die
Tischeindeckung des Sitzplatzes gegenüber von mir mitzunehmen, was sie
nur zögernd abbrach, nachdem ich ihr gegenüber eindringlich wiederholte,
dass noch jemand kommen würde und dieser auch durchaus Besteck
benötigen könnte. So eine unterirdische Geste hat echt Seltenheitswert -
absolut daneben! Anscheinend wird hier wirklich jede Besteck-Einheit
dringend benötigt.
Der bestellte Ginger Ale kam dann
glücklicherweise doch relativ zügig und wurde aus der Margon-Flasche ins
Glas eingefüllt. 2,60 EUR für eine 0,25ler-Flasche zu berechnen, ist
sicherlich schon das grenzwertige Ende der Fahnenstange, aber irgendwie
müssen die sicherlich hohen vierstelligen Mietkosten für das Lokal durch
die Gäste ja wieder reingespielt werden. Und das funktioniert bei den
Beverages natürlich immer am besten. Dessen sollte man sich bei allen
Lokalen rund um der Frauenkirche bewusst sein.
Als mein Gast dann
anwesend war, durften wir weitere 20 Minuten warten, bis sich erneut
eine Servicekraft gnädig zeigte, die zweite Getränkebestellung
aufzunehmen. Also besser nicht riskieren nochmal eine ähnlich lange Zeit
damit zuzubringen, irgendwie Augenkontakt mit den vorbeirennenden
Kellnern aufzunehmen zu können dachten wir uns und bestellten die
Speisen sogleich mit.
Als wir uns zufällig im Erdgeschoss des
Lokals umdrehten, entdeckten wir, dass schräg hinter unserem Rücken an
der Wanddecke eine Überwachungskamera installiert ist. Somit werden alle
Gäste des Erdgeschosses in jeder einzelnen Bewegung festgehalten. Viel
bedenklicher ist jedoch aus arbeitsschutzrechtlicher Sicht, dass damit
auch das Personal einer dauerhaften Überwachung schutzlos ausgeliefert
ist. So etwas hat echt Seltenheitswert! Uns veranlasste diese
Dauer-Beobachtung zur Flucht auf die Freiterrasse vor dem Lokal. Bleibt
die Frage offen: Wozu dient diese Überwachung? Soll sie potenzielle
Zechpreller abschrecken oder steckt mehr dahinter?
Die
Speisekarte an sich zeigt sich natürlich recht ausführlich, was bei den
klassischen Pasta-Gerichten und der Pizzen-Auswahl auch keine große
küchenlogistische Kunst ist. Preistechnisch bewegt man sich bei den
Pizzen von 6,80 EUR (Pizza alla Margherita) bis hinauf zu 11,50 EUR (Pizza
Rucola mit Mozzarella, Parmaschinken und Parmesanstreifen). Bei den
Pastagerichten kann man zwischen 7,50 EUR (Spaghetti Napoli) und 12,50 EUR
(Rigatoni Classico mit Rinderfiletspitzen und Steinpilze) investieren.
Die Fischgerichte oszillieren zwischen 14 und 19,50 EUR. Bei den Dolci
(Desserts) folgt lustigerweise auf die Panna cotta ohne Lücke und
Atempause die Dresdner Eierschecke in der Speisekarte. Ohne die geht es
wohl selbst beim Italiener nicht im Land der Kaffeesachsen :D
Die
Internetseite des Lokals wirbt damit, dass alle Speisen frisch
angerichtet werden, was natürlich sehr löblich ist. Aber anscheinend ist
im Küchenbereich einfach nicht genügend Kapazität vorhanden, um
zeitgleich und adäquat gemäß der vorhandenen Sitzplätze auch tätig
werden zu können ohne große Warteschlangen-Listen bei den Gerichten.
Alle
Gerichte sind durchnummeriert. Das lässt schon ein leichtes
China-Imbiss-Feeling aufkommen. Und einige ältere Herrschaften an den
Nachbartischen ließen sich auch nicht lumpen, sogleich mit Für mich die
33 bitte! zu bestellen. In diesem Moment verfliegt auch die letzte read more