Allgemein
Das Schauspielhaus Dresden ist ja eine kulturelle Institution, weit über die Dresdner Stadtgrenzen hinaus.
So um 1911 im Stil des Neubarock und Jugendstil erbaut, blickt es auf eine wechselvolle Geschichte zurück. Im zweiten Weltkrieg zerstört, ähnlich wie der gegenüberliegende Zwinger, wurde es aber als Ort eines Volkstheaters schon 1948 wieder eingeweiht, als Großes Haus des Staatstheaters Dresden.
So war es für Vieles bekannt, nur nicht unbedingt für gastronomische Vielseitigkeit und Raffinesse.
Das aber soll sich nun ändern. Seit ca. 4 Wochen gibt es das William. Stefan Hermann, bekannt als Chef des bean&beluga Dresden, das durch "Der Feinschmecker" als Restaurant des Jahres 2013 gekürt wurde, möchte hier mehr etablieren als Theatergastronomie.
Bedienung
Hat man erst einmal die dritte Ebene des Schauspielhauses erreicht, vorbei an Abbildern von Theatermimen, durch ein im Jugendstil verziertes Treppenhaus, betritt man einen perfekt in Szene gesetzten Barbereich. Rechts ist die Eingangstür zum eigentlichen Restaurant und sobald der junge Service der Gäste ansichtig wird, macht man wirklich das Erlebnis, Gast zu sein.
Eine überaus freundliche Begrüßung, perfekte Beratung sowohl hinsichtlich des Essens, der Zutaten, zu den angebotenen Weinen. Man fühlt sich rundum wohl und willkommen.
Selbst eher absurde Fragen werden kompetent und mit Ruhe beantwortet.
Das Essen
Schon der Blick in die kleine, feine, hochwertig gestaltete Speisekarte läßt die Vorfreude anwachsen.
Sehr gut klingende Gerichte in interessanten Kombinationen, teils neu interpretiert. Die Auswahl wird scheinbar vereinfacht durch ein auf der ersten Seite angebotenes 3- bzw. 4 Gang Menü. Aber eben nur scheinbar. Schließlich würde man dann doch die anderen Speisen verpassen. Und - besonders gemein - die Karte wird im Monatsrhythmus wechseln. Wie soll man das schaffen.
So fiel uns die Wahl entsprechend schwer: Zuerst also einmal Vorspeisen: Confierter Kabeljau mit Kopfsalat und Calamansi sowie Rindertartar mit Kartoffelrösti und Wachtelspiegelei. Ach, und dann gab es ja noch eine Rote Bete Suppe. Das sollte als Auswahl genügen.
Ziemlich einig waren wir uns beim Hauptgericht:
Reh "Dresdner Heide" orientalisch mit Pinienkernen, aber einmal auch Dresdner Backhendl mit Kartoffel Gurkensalat und Kapernaioli.
Schließlich die Desserts: Creme brulee mit Schokoladeneis und Banane sowie Topfenknödel mit Zwetschenkompott und Sauerrahmeis.
Klingt schon gut, dazu einen wunderbaren Rose vom Hause Proschwitz.
Die Wartezeit konnten wir uns bei verschiedenen Broten mit spanischem Olivenöl und Kräutersalz vertreiben. Ausserdem gibt es genug zu sehen im JUgendstilambiente, wunderschön verzierten Wänden und der Aussicht auf den Zwinger.
Schließlich aber kamen die erwarteten Speisen. Praktisch ein Carpaccio vom Kabeljau, dazu Kopfsalat. Wunderbar angerichtet, weisser Fisch, grün leuchtender knackiger Salat, Calamansi, also eine Mischung aus Mandarine und Kumquat. Ein Geschmackserlebnis, der ja eher geschmacklose Fisch herrlich veredelt, dazu säuerliche Zitrusaromen, knackiger Salat.
Auch das Rindertartar, herrlich rosa leuchtend, darauf das Wachtelspiegelei, frisch knackiger Salat mit einem perfekten Dressing veredelt. Selbst der Röstitaler wurde zum Genuss.
Nun freuten wir uns natürlich auf die Hauptgerichte.
Und dann standen sie vor uns: warme Teller, darauf optisch perfekt angerichtete Gerichte: rosa leuchtendes Reh, auf einem Süßkartoffelpüree, geröstete Pinienkerne. Orientalisch aromatisch, uns wurden auch die eigentlichen Zutaten der Gewürzmischung offeriert, aber die habe ich durch die im Mund schäumenden Wogen des zusammengelaufenen Wassers überhört und vergessen.
Auch das Backhendl sah toll aus, auch hier knackfrischer Salat, frischeste Zutaten, einfach nur Genuss.
Tja, nun sollte eigentlich das Dessert folgen, aber stand da in der Karte nicht noch.....
Genau. Ich weiss, es ist dekadent, aber wir hätten etwas verpasst und wer sagt denn, dass das Zwischengericht nicht auch zwischen Hauptgang und Dessert folgen darf? So orderten wir noch: Hummerrisotto mit grünem Spargel und getrockneten Tomaten.
Alles kein Problem, der Service war herzlichst auf unserer Seite. Und, es war einfach nur genial. Herrlich schlotziges Risotto, bissfest weiches Hummerfleisch, optisch durch die grünen Spargelabschnitte in Szene gesetzt.
Nun konnten wir unserem Dessert ruhig entgegenblicken.
Die Creme brulee, perfekt, die aber darauf karamelisierten Bananenscheiben waren nicht so mein Fall. Dazu aber hervorragend gemachtes Schokoeis, Fruchtstückchen von Mandarine und Grapefruit rundeten die Sache ab.
Perfekt auch der Topfenknödel in neuer Interpretation.
Einfach nur perfektes Essen, nicht verspielt, sondern die natürlichen Aromen umgesetzt und verwandelt.
Das Ambiente
Das eigentliche Restaurant ist vom Mobiliar her klassisch elegant, dunkles Holz, perfekt eingedeckte Tische, dezente Illumination.
Der große Raum, scheinbar auch mal ein Theat... read more