Rund um den Nollendorfplatz in Berlin gibt es eine ganze Reiher Bars und Kneipen, aber das Stagger Lee in der Nollendorfstraße ist ein Unikum. Von Außen lässt sich nur erahnen, mit welcher Lässigkeit und Nonchalance im Inneren die leckersten Cocktails zusammengebraut werden.
Man betritt den Laden und was einem als erstes auffällt sind die an einen Saloon erinnernde Bar und die schweren braunen Ledersofas, die man sonst eher in einem altehrwürdigen Gentlemensclub erwarten würde. Und auch sonst fühlt man sich hier weniger wie in Berlin-Schöneberg; für ein paar Stunden entschwindet man in die Zeit des Südstaatenstechers, von dem die Bar ihren Namen hat. Das Stagger Lee teilt sich auf in den Barbereich, in dem nicht geraucht wird, und den durch eine Schwingtür abgetrennten Raucherbereich mit vergilbten Tapeten, altem Klavier und lässigen Holzstühlen. Hat man einmal Platz genommen, bekommt man als erstes einen Krug mit Wasser und Gläser von einem der beschürzten Barkeeper an den Tisch gebracht. Dann wird die Karte studiert und das gediegene Trinkgelage beginnt...
Die Drinks sind thematisch geordnet nach ihrer alkoholischen Hauptzutat. Der Großteil basiert auf Whiskey, Tequila oder Bourbon. Wen das abschreckt, dem sei gesagt: Die Drinks schmecken nicht alle so strong, wie sie klingen. Und wer mag, kann sich die Zutaten so abändern lassen, dass es garantiert schmeckt. Für Ahnungslose gibt es außerdem die kompetente Beratung der Barbetreiberin. Wenn die Bar mal etwas voller ist, muss man natürlich etwas Geduld mitbringen, aber das ist andernorts auch so das Warten lohnt sich! Die Namen der Drinks können allerdings für Verwirrung sorgen, wenn man die unter den originellen Bezeichnungen stehende Beschreibung mit steigendem Alkoholpegel nicht mehr lesen kann.
Bisher hat aber jeder georderte Drink geschmeckt, was auch seine Spuren im Portemonnaie hinterlassen hat. Die Cocktails fangen bei 7,50 EUR an und sind damit nicht gerade günstig. Das ist aber auch so ziemlich der einzige Haken am Stagger Lee. Dafür sehen die Cocktails nicht nur unglaublich gut aus, sie schmecken auch köstlich. Naja, man gönnt sich ja sonst nichts.
Stilsicher endet der Abend im Stagger Lee gegen 3 Uhr morgens mit einem Robert Mitchum: ein halbes Wasserglas mit Tequila und Streichhölzer serviert mit einer Lucky Strike Zigarette. Das muss man abkönnen, oder man bestellt sich noch eine Schmalzstulle mit Gurken auch lecker.
Wenn man dann irgendwann die Bartür hinter sich zufallen lässt und wieder hinaustritt in das Berlin des 21. Jahrhunderts, ist man sich sicher, dass man wiederkommen wird. read more