Nun, da wir gehört hatten, dass Sandra und Christoph ein neues Gasthaus bewirten, packte uns wieder die Lust, uns bei ihnen verwöhnen zu lassen.
Von Zürich aus ist der Ort in gemütlicher Fahrt über Basel in etwa zwei Stunden zu erreichen. Freiburg im Breisgau bietet sich als Etappe für den Lunch an. Die Qual der Wahl macht man sich hier am schwersten, wenn man in der Altstadt die Markthalle aufsucht, wo Dutzende von Kochständen aus vielen Ländern zwischen alten Gemäuern ihre Köstlichkeiten anbieten. Auch die lieblichen Weine vom Rande der Ebene kostet man hier.
Kein Wunder, dass sich seit Jahrhunderten die Meister der Künste und Wissenschaften in der Nähe der besten Winzer Deutschland niederlassen mochten. Wo guter Wein wächst, lässt sich gerne Wissen und Geld nieder, und vorzügliches Essen bleibt solch begnadeten Gegenden nie fern.
Danach ist man in einer halben Stunde in Oberprechtal. An den Weinbergen vorbei fährt man in ein grosszügiges Tal, in dem behäbige Weiler und Dörfer liegen. Der ausladende Stil der Höfe erinnert mich an die Wohlgenährtheit der Anwesen im Berner Oberland. Es ist eine auffällige Ähnlichkeit.
Schäcks Adler steht dort, wo die Kirche im Dorf von Oberprechtal ist, gleich an der Elz, am Fusse der grünen Abhänge unter den Wäldern auf den Anhöhen. Das Dorf ist nicht mehr als eine kleine Häusergruppe, die sich um eine mächtige Kirche schart. Es muss so sein, dass hier von alters her Gasthöfe entstanden waren. Der Ort ist so reizvoll gelegen, dass sich die Reisenden hier schon ausruhen wollten, als sie noch in Kutschen den Schwarzwald durchquerten, ging es mir bei diesem Anblick durch den Kopf.
Der alte Riegelbau mit dem gold glänzenden Adler-Schild gefällt schon, wenn man sich ihm nähert. Beim Eintritt in die Gaststube wird klar, dass sie damals, vor vielleicht hundert Jahren, für anspruchsvolle Gäste erbaut worden war. Es tritt einem ein altes Stück Schwarzwälder Geschichte entgegen. Eine heimelige Wirtsstube mit Ofen und getäferten Böden und Wänden, von der Wirtin liebevoll eingerichtet. Der Empfang ist herzlich. Ein Bild am Eingang zeigt, dass auch Wolfram Siebeck gerne herkommt. Das wundert keinen, spätestens dann, nachdem ihn das Essen und die Bewirtung verzückt haben.
Die Mahlzeit verbringen wir schwelgerisch und wünschen uns, die Zeit könnte gedehnt werden. Augen, Gaumen und Herz sind in Bestlaune. Die Weine und fruchtigen Wässerchen aus der Gegend tragen bei. Beim Essen zeigt sich, dass die Stimmung der Gästeschar angenehm entspannt beginnt, dann freudig wird und begeistert endet. Der beste Genuss beginnt klein und endet gross, es muss so sein. Und schliesslich sagt man Genug ist nicht genug! und zieht's noch in die Nacht. Die Getränkekarte wird erforscht. Nun, nach den Schnäpsle, spreche ich mit den Leuten in der Stube Schweizerdeutsch und merke, dass sie alles verstehen. Ja ist nicht ihr Dialekt unserem näher, wie auch jener der Elsasser, als dem Deutschen. Das sind Allemannen wie wir südlich des Rheins. He: verwandtes Volk!
Nach der Nachtruhe in den Zimmern des Gasthauses begibt man sich am nächsten Tag zu später Morgenstunde zum Frühstück, das wieder eine kunstvolle Farbenpracht ist. Nur schon an den Beerenkelchen kann man sich nicht satt sehen. Ein leckeres Kunstwerk!
Sandra ist wieder verschmitzt lächelnd zugegen, und Christoph sieht und hört man bereits auch wieder wohlgelaunt in der Küche hantieren. Ich habe beide immer frohen Mutes gesehen! Kate schreibt ihnen in ein Buch: Ihr seid super cool. Recht hat sie. Man merkt, dass es Sandra und Christoph Freude Macht, wenn sie ihre Gäste glücklich machen können. Ja, und das ist natürlich cool, wenn man so ist. Da ist sicher jeder einverstanden. read more