Gestern war ich im Sakura und stehe immernoch unter Schock. So einen Sushiladen habe ich noch nicht erlebt. Sakura hat mich zum letzten Mal gesehen. Das All-you-can-Eat für 15,90EUR fand ich in Anbetracht der Qualität alles andere als ein Schnäppchen. Für das gleiche Geld kann man sich bspw. bei Feinkost-Böhm eine mittlere aber qualitativ hochwertige und erlesene Portion zusammenstellen lassen.
Zum Ladenlokal:
Bereits von außen macht der Laden keinen einladenden Eindruck, sondern mutet eher wie ein Schnellimbiss an. Ich wollte nicht gleich aufschreihen, da jemand aus der Runde das Restaurant empfohlen hatte.
Drin besticht der Laden durch angestaubtes braun/mahagoniholzvertäfeltes Asiarestaurant Ambiente. Die Einrichtung ist dabei nicht nur nicht mehr zeitgemäß, sondern besonders lieblos gehalten.
Die Tische sind undekoriert, das Besteck/Stäbchen und Zubehör sind billig und aus Kunststoff. Ebenso die auf dem langen Band vorbeifahrenden Tellerchen und sonstigen Behälter, die in unterschiedlichen Farben, Größen, Formen daherkommen, teils beschädigt sind und definitiv zusammengewürfelt.
Durch den Laden zieht sich ein langes Laufband. Neue Ware wurde nach und nach aufgestellt. Dass alte Teller, die bereits mehrere Runden gedreht hatten, entnommen wurden, ist mir nicht aufgefallen, obwohl ich den direkten Ausblick auf die Zubereitungstheke hatte.
Zwischen den eher in der Unterzahl befindlichen Sushiportionen, Desserts (Wackelpudding, Industriedruchtcremes, Supermarktkuchen) und Frühlingsrollen fanden sich auch große Tupperähnliche Behälter in denen sich Ingwer und Wasabi befanden. Bei Bedarf musste man sich den ganzen Behälter auf den Tisch stellen, rauslöffeln und wieder aufs Band stellen.... von Hygiene kann da wohl keine Rede sein und schön sah das auch nicht gerade aus.
Ach ja, ebenso machten die "Deckelrückgabe-Riesendeckel" Lust auf mehr, hier stapelt jeder Gast seine leeren Deckel wiederum auf dem Laufband.
Zur Qualität des Sushi:
Gleich am Anfang fuhr ein Nigiri an uns vorbei, auf dem sich der Fisch besorgniserregend nach oben gebogen hatte, war wohl nicht die frischste Ware.
Bei dem Sushi fiel insgesamt auf, dass der Reis trocken und körnig war, die Algenblätter zäh/gummiartig und der Fisch ohne Konsistenz.
Es gab eine Vielzahl an seltsamen Kreationen, die teils recht bunt waren, vielleicht mit Lebensmittelfarbe (oder meinetwegen auch natürlichen Färbemitteln) eingefärbter Reis, der jedenfalls nichts mehr mit klassischem Sushi zu tun hatte.
Wir waren bis ca. 21 Uhr unter der Woche im Sakura. Gegen Ende waren immer weniger Gäste da und entsprechend drehten die verbleibenden Sushis Runde und Runde auf ihrem Laufband. Das Personal schien langsam den Feierabend vorzubereiten. Von meinen Platz beobachtete ich, dass die Mitarbeiterin, die das Sushi zubereitet, eine große Menge Reis aus dem Reiskocher holte, die wohl kaum am gleichen Abend noch verbraucht werden konnte.
Sie presste den Reis durch eine Maschine aus der unten fertig geformte Nigiri-Reisballen herausfielen. Diese sortierte sie in einen flachen Behälter und sprühte sie noch mit etwas Wasser ein...Was schließen wir also daraus?
1. Ganz offensichtlich sollte dieser Reis am nächsten Tag weiterverwendet werden
2. Ein Sushimeister würde niemals den Reis per Maschine formen lassen. Ganz klar ein Zeichen für schlechte Qualität und keinen Sinn für die Sushi-Kunst.
Da war doch noch was - Das mongolische BBQ:
Kaum ersichtlich gab es noch einen mickrigen Buffetbereich, in dem man sich rohes Gemüse, Fisch und Fleisch zusammenstellen konnte und auf dem Grill mit einer Auswahl von Marinaden zubereiten lassen konnte. Reis wurde hierzu nicht gereicht.
Die Gemüse waren weich und nicht besonders frisch. Von Fisch und Fleisch habe ich die Finger gelassen. Mit einer Wäscheklammer (auf die mit Filzstift die Tischnummer geschrieben war) und einem bunten Strohhalm (den man zur Auswahl einer Marinade auf dem Teller platzieren musste) wurde der Teller gekennzeichnet und das Ergebnis an den Tisch serviert. Ein Schild wies weiterhin darauf hin, dass man nur nehmen solle, was man auch wirklich essen möchte, nicht aufgegessene Portionen würden berechnet. Gut, dass meine Portion klein war und nicht auffällig schmeckte, sonst hätte ich sie mir wohl über übel runterwürgen müssen ;-)))
Alles in Allem gehört dieses Restaurant geschlossen. Wer mehr als einmal hingeht ist selber schuld. Die Kommentare auf qype sprechen insgesamt Bände (Warum hab ich sie nur erst jetzt entdeckt...) Mir ist unverständlich, wie man hier eine annähernd positive Bewertung abgeben kann. Selbst für "Sushi-Neulinge" ist das Sakura eine Zumutung und dient höchstens der Abschreckung. Und wer ein kleines Bischen von Sushi und der Philosophie dahinter versteht, der schlägt hier die Hände über dem Kopf zusammen! read more