Einmal ist keinmal, zweimal ist das letzte Mal. Anders formuliert: Ging ich früher gerne in das Musik-Fachgeschäft Bertold und Schwerdtner, meide ich den Laden seit etwa zwei Jahren wie der Teufel das Weihwasser. Denn zweimal rotzig und unverschämt angesprochen zu werden reicht. Schade, denn ich war die 15, 20 Jahre zuvor immer wieder mit Wonne Kunde. Als Landei fuhr ich sogar einige Male eigens in die Landes-Kapitale.
Der große Vorteil des Geschäfts: Man kann im Erdgeschoss in Noten stöbern und sie einen Stock tiefer am Instrument anspielen - wenn man beispielsweise klassische Gitarre spielt. Wie ich. Dieser Vorteil schmilzt allerdings wie ein Eiswürfel in der prallen Sommersonne, wenn das Personal im zwischenmenschlichen Bereich gewisse Defizite hat. Wobei ich fairerweise sagen muss: Beide Male war der Übeltäter dieselbe Übertäterin - alle anderen Verkäufer handelten tadellos, waren hilfsbereit, freundlich und kompetent.
Diese eine Kackbratze allerdings reichte, um mein Einkaufserlebnis dauerhaft einzutrüben.
Was geschah? Beim ersten Mal ging ich rein, um einen neuen Notenständer zu kaufen - einen einigermaßen besonderen, der sich für übergroße Notenblätter links und rechts ausklappen lässt. Unten beraten und mir den originalverpackten Gegenstand meiner Begierde in die Hand geben lassen, lustwandelte ich die Treppe nach oben Richtung Kasse. Dort angekommen beschlich mich allerdings das ungute Gefühl, ich könnte versehentlich doch zum falschen Gerät gegriffen haben. Ich packte den Notenständer also vorsichtig (!) aus, um ihn mir näher anzusehen - und wurde sofort mit gar nicht wohlklingenden Lauten aus meiner guten Kauflaune gerissen: "Halt! Sie machen das kaputt! Ich zeige Ihnen, wie man einen Notenständer aufbaut!" Hallo? Jemand zu Hause? Ich hielt nicht den ersten Notenständer in Händen - und verfüge ohne arrogant klingen zu wollen über einen IQ deutlich oberhalb der Zimmertemperatur. Ich sagte also freundlich, dass ich mich mit Notenständern durchaus auskenne und selbst ein solch raffiniertes und hochkomplexes Gerät zu bedienen wüsste. Ich schlug trotzdem zu. Beim Kauf, versteht sich. Obwohl die Fachverkäuferin sich nicht für ihren rauen Ton entschuldigt hatte. Wie gesagt: Einmal ist keinmal. Jeder hat mal einen schlechten Tag.
Aber nicht zwei.
Einige Zeit später ging ich erneut rein, suchte Noten aus, ließ mir im Untergeschoss vom überaus freundlichen Kollegen besagter Erdgeschoss-Schreckschraube eine Gitarre in die Hand drücken und legte los. Kurz vor 19 Uhr, den Ladenschluss vor Augen, keifte die Kackbratze aus dem Erdgeschoss runter: "Wir schließen!" Ich legte die Gitarre zurück, schnappte die Noten, ging hoch und legte sie auf den Tisch zurück. Was Kackbratze nicht bemerkte und sich bemüßigt fühlte, mich mit den Worten "Und wo sind die Noten?!" anzublaffen. Ihr Kollege, der gesehen hatte, dass ich die Noten zurücklegte, sagte ihr zwar noch: "Hier liegen sie doch!" Da allerdings war es schon zu spät für eine friedliche Verabschiedung - wenngleich ich äußerlich ruhig blieb, das möchte ich an dieser Stelle betonen. Ich ließ es mir aber nicht nehmen, unmissverständlich meinen Unmut über den unangemessenen Ton zu äußern und meine Empörung, zu Unrecht des Diebstahls bezichtigt zu werden. Wieder keine Entschuldigung ihrerseits.
Fazit: nie wieder! Auch wenn die Alternativen dünn gesät sind. read more