Das Lokal ist ein großer quadratischer Raum mit der für Deutschland fast schon üblichen Ausstattung griechischer Lokale. Die Wände sind großflächig bemalt mit Bildern attischer und peleponnesischer Landschaften und gegliedert durch Säulen- und Figurenimitate, die wohl irgendwie an das klassische Griechenland erinnern wollen. Der Raum der auch eine Sitznische mit etwa 10 Plätzen hat, ist geschickt gegliedert durch die üblichen, mit Blumenstöcken bestückten Säulenbalustraden; alles typisch griechisch, so würde manch einer sagen, der das wirkliche Griechenland nicht kennt. Alles vermittelt einen gediegenen durchaus einladenden Eindruck.
Weil wir eingeladen waren, war die Speisenfolge festgelegt, die Getränke sollten nach eigenem Gustus ausgewählt werden. Doch hierfür fehlte eine geschickte Beratung des Kellners gerade auch im Blick auf die kommende Speisenfolge. Seine Schmalspur-Offerte es gäbe alle Getränke wie immer und überall', war daher eher deplaziert, die Benennung passender Weine wäre einem versierten Ober eine Selbstverständlichkeit gewesen. Zumal auch Griechenland mittlerweile mehr und durchaus schmackhaftere Weine zu bieten hat als bloß seinen Domesticos. So aber wäre das bestenfalls in der anzufordernden Speisekarte nachlesbar gewesen, dies aber war unsres Erachtens dem Anlass nicht angemessen.
Mit einer Fischsuppe begann die Speisenfolge. Griechenland kennt verständlicherweise eine breite Palette verschiedener Darbietungsweisen. Wir bekamen lediglich eine Fischkraftbrühe mit einigen wenigen kleinst gehackten Fischstückchen, angereichert mit etwas Stangensellerie und Petersilie, viel zu schwach gewürzt mit nur Salz und Pfeffer. Der Wein, mit dem diese Fischkraftbrühe üblicherweise gekocht und dann weiterverarbeitet wird, war nicht auszumachen, vielleicht hatte er sich zwischenzeitlich verflüchtigt.
Auch in Griechenland sind als Orektiká' eine Vielzahl von Vorspeisentellern üblich, von denen sich dann jeder seinen eigenen Teller zusammenstellt. Bei unserem Festessen bekam jeder Gast einen dieser kleinen Tellerchen als Vorspeisenteller' serviert. Ein paar nicht weiter aufbereitete weiße (Dosen-)Bohnen und zwei der Öllake entnommenen und in Scheiben geschnittenen Pilze badeten in zu viel Öl; vielleicht deswegen war der Löffel voll Paste, die mit einer Miniaturolive gekrönt war, wirklich nicht näher zu bestimmen. Schließlich wurde die Mitte des Tellerchen von einem kleinen Stückchen frittierten (?) Käse's bestimmt, der wenn überhaupt ein Feta von geschmacksarmer Qualität gewesen ist.
Dass sowohl die Fischsuppe wie das als Vorspeisenteller deklarierte Häppchentellerchen jeweils mit einem Ouzo eingeleitet wurde, mag zwar lokaltypisch sein, für den Anlass war es unpassend, wenn gleich der Magen dankbar war, denn auch das Hauptgericht war mit sehr viel Olivenöl zubereitet.
Das Baquette, das von Anfang an, dann zur Suppe und auch zum Vorspeisentellerchen gereicht wurde, war altbacken und ganz ohne Zweifel vom Vortag. An einem Feiertag unvermeidlich, so könnte man meinen. Wer aber die Örtlichkeiten kennt, weiß von gleich mehreren Bäckern, die für den privaten Bedarf geöffnet hatten, erst recht also für den gastronomischen.
Der Stifado ist ein für Griechenland typischer Schmortopf mit Lamm- oder Kaninchenfleisch, da und dort auch mit Kalbfleisch. Mit reichlich Zwiebeln, Knoblauch, Tomaten schmort er im Backofen und wird mit passenden Kräutern kräftig verfeinert. Den Kalbsbraten, den wir serviert bekamen, war ungemein gut geschmort, auch wenn die geschmacksverfeinernden Gewürze zum Abschluss des Schmorens nicht hinzugefügt waren. Dazu bekamen wir ein mediterranes Gemüse', das ebenfalls in viel zu viel Olivenöl und vor allem zulange gegart war, dazu ein Bällchen Reis mit Erbsen. Leider hatten die einzelnen Gemüse ihre Bisskonsistenz verloren und der Reis war geschmacklos, auch weil jedes Gewürz fehlte. Überhaupt hatte der Koch ein Problem mit dem Salzen. Wenn es stimmt, wie der Volksmund behauptet, dass eben der verliebt sei, der zu viel Salz verwendet, dann muss die Liebesbeziehung des Kochs wohl zu Bruch gegangen sein!
Dass der angekündigte griechische Mokka ein Abklatsch dessen war, was schon eine mittel-gute Küche in Griechenland serviert, war zu erwarten, ebenso wie die nicht näher benannte Qualitätsstufe des einfachhin als Metaxa' angebotenen Brandy's.
Was den Service betrifft, so kamen die Speisen tischweise gleichzeitig, doch die Art und Weise wie alles, auch über dritte hinweg, gereicht wurde, die Arroganz, mit der man sich wortlos dazwischen drängte oder wenn gerade ein Gespräch im Gange war den Teller einfach beim Nebenmann abstellte, all das frönt jeder Beschreibung und ist absolut indiskutabel. read more