Die Vorfreude war riesig. Die Enttäuschung groß…read more
Wir haben das süße, kleine Restaurant Le Golden Igel zufällig letzte Woche entdeckt und sind auf gut Glück rein. Leider gab es an diesem Abend keinen freien Tisch mehr für uns und wir reservierten für einen anderen Abend. Wir sind 5 Minuten vor unserer Reservierung eingetroffen, da wir aber die ersten Gäste des Abends waren, wurden wir sehr freundlich herein gebeten. Wir haben unsere Plätze eingenommen und wir wurden von der sehr freundlichen Kellnerin Zoe in die Speisekarte eingeführt. Das kleine Restaurant hat nicht mal zehn kleine Tische auf engstem Raum, dennoch waren an unserem Abend zwei Kellnerinnen da. An unseren Tisch kam dann die zweite Kellnerin, und die hatte sichtlich keinen guten Tag. Sie kam mit einer aufgesetzten Freundlichkeit an unseren Tisch und verbreitete sofort Stress. Sie wollte unsere Bestellung aufnehmen, aber wir waren leider noch nicht soweit (Zoe hatte nach der Einführung drei Minuten zuvor grad unseren Tisch verlassen). Worauf hin sie einfach wieder abrauschte, ohne dass wir in der Lage gewesen wären, Fragen zur Karte oder Empfehlungen zu stellen. Zwei Minuten später stand die Kellnerin wieder an unserem Tisch und wollte erneut die Bestellung aufnehmen. Wir fragten erst mal nach einem Glas Leitungswasser, um Medikamente einnehmen zu können. Sie erklärte uns, dass das Leitungswasser im Haus nicht gesund sei, brachte uns aber dennoch in rasender Geschwindigkeit ein Glas Leitungswasser. Wir hatten keine Möglichkeit, das ungesunde Leitungswasser in Hamburg, in einem Restaurant, in dem mit diesem Leitungswasser gekocht wird, zu hinterfragen. Wir fühlten uns mittlerweile so unter Druck gesetzt, dass wir einfach im Blindflug Getränke von der Karte bestellten, nur um Zeit für unsere Essensbestellung zu gewinnen. Mittlerweile waren noch zwei weitere Tische besetzt. Wir bestellten unsere Tapas und waren nun doch wieder voller Vorfreude, daß es am Ende ein so schöner Abend mit köstlichem Essen wird, wie wir ihn uns vorgestellt hatten.
Ich saß mit dem Rücken zur Wand auf einer Bank. Leider war die Wand eine Außenwand und somit eiskalt. Im Sommer bestimmt super. Zu der jetzigen Jahreszeit leider gar nicht. Ich hatte Gottseidank einen großen Schal dabei, den ich mir in den Rücken legen konnte.
Das Restaurant füllte sich und es stellte sich sehr schnell heraus, das die Gäste in zwei Klassen geteilt wurden. Die erste Klasse Gäste wurden hofiert, der Koch kam persönlich zu den Tischen und sprach Empfehlungen aus. Es gab Weinproben. Eben das volle Programm.
Die zweite Klasse Gäste, zu denen offensichtlich auch wir zählten, wurden einfach nur abgefertigt. Zu Fragen, auf der Karte befindlichen Speisen, brüllte der Koch so durch die offene Küche, daß es alle im Raum bis zum Tisch am anderen Ende des Restaurants mitbekamen. Fragen und oder Änderungswünsche waren definitiv nicht erwünscht. Generell herrschte ein recht rauer Ton unter den Mitarbeitern. Dies ist natürlich immer unschön, aber besonders bei diesem Preisniveau völlig unangebracht.
Wer warum in welche Klasse fiel, war für uns nicht ersichtlich. Es waren sowohl neue Gäste, als auch Gäste, die schon öfter da waren in jeder Klasse zu finden.
Die Tapas waren gut, aber an Raffinesse hat es leider gefehlt. Für die Preise und Auszeichnungen im Fenster hatte ich was anderes erwartet. Die heißen Tapas kamen maximal lauwarm an unserem Tisch an. Dennoch wurden wir gewarnt uns nicht zu verbrennen. Dies ist auch anderen Tischen negativ aufgefallen und wurde auch bemängelt. Wirklich darauf eingegangen, wurde allerdings nicht. Das wäre für mich noch zu verschmerzen gewesen. Nicht optimal aber ok. Leider hat aber nicht nur die Liebe und Leidenschaft zum Erhitzen der Speisen gefehlt, sondern auch in der Zubereitung. In dem mallorquinischen Kartoffelsalat waren Kartoffelstücken in sämtlichen Größen zu finden. Das größte Stück war ein halber Drilling. Auch waren die gegrillten Champignons, auf die wir uns sehr gefreut haben, keine frischen Champignons, sondern kamen aus der Dose.
Ich war schon viel und oft in Spanien und man bekommt dort in sehr vielen Restaurants Aioli und Brot gratis gereicht, während man auf sein Essen wartet. Hier bezahlt man für Brot und Aioli. Überhaupt nicht schlimm. Mach ich gern. Allerdings nicht, wenn das bestellte Aioli maximal für eine halbe Brotscheibe reicht.
Fazit unseres Abends ist also - Zoe du bist die Beste! Der Rest leider nicht. Geschmack war gut. An Raffinesse, Leidenschaft und Liebe hat es gefehlt. Gegrillte Champignons aus der Dose für €8.50 das Schälchen (also maximal eine halbe normale Dose, die kurz in eine Pfanne geschüttet wurde) viel, viel zu teuer und auch die heißen Tapas waren mit gutem Willen nur lauwarm. Leider hat für uns das Preis Leistungsverhältnis überhaupt nicht gestimmt. Für die Qualität der Speisen, die unseren Tisch erreicht haben und die Atmosphäre im Restaurant sind die Preise viel zu hoch und somit keine Empfehlung. Sehr, sehr schade.