Die Karte ist ausgewogen, aber
Da man Beleidigungen immer ein Kompliment vorweg schiebt, zunächst ein paar schmeichelnde Worte: Die Karte ist ausgewogen, sowohl für fleischessende, als auch -verzichtende Gäste. Über das ganze Repertoire kann ich mich nach fünf Besuchen nicht äußern. Nur so viel: Die Küche scheint nicht das Problem zu sein.
Nun das Aber. Was den Charme und die Atmosphäre eines Etablissements ausmacht, ist neben der Einrichtung vor allem das Personal. Wer für die Auswahl der Angestellten zuständig ist, ist mir schleierhaft. Kriterien scheinen Vergesslichkeit, Unaufmerksamkeit und Unwille zu arbeiten zu sein. Letzterer wird erfahrungsgemäß stärker bei wochenendlichen Besuchen im Hotel Seeblick: Man wird das Gefühl nicht los, aus einer Katerstimmung heraus bedient zu werden. Man wird oftmals unfreundlich und mit einer Attitude à la Sei froh, dass du überhaupt etwas zu essen und trinken bekommst abgefertigt. Diese Einstellung kann man nicht nur beim Personal des Hotel Seeblick, sondern bei vielen eher alternativ ausgerichteten Lokalitäten im Leipziger Süden beobachten. Unangenehm wird es allerdings dann, wenn der Kunde sich bereits vor dem Besuch einer solchen Lokalität auf diese Attitude einstellen und abweisendes Verhalten als 'lokalen Charme' deklarieren soll. Schließlich dient das Dinieren außerhalb der eigenen vier Wände dem Wohlfühlen und nicht der Unterbeweisstellung einer Szenezugehörigkeit. Zumal man eben diese pampige Einstellung als Kunde auch noch mit Bezahlung belohnt.
Bei jedem meiner Besuche im Hotel Seeblick wurden Teile der Bestellung trotz schriftlicher Notizen vergessen oder nicht Bestelltes an den Tisch gebracht. Der Kaffee mit Sojadrink war jedes mal flockig und ungenießbar. Nach fünf Besuchen (weitere werden nicht folgen) kann man also einen Trend etablieren und einmalige Fehler ausschließen. Abgesehen davon wartet man gut 20 Minuten auf die Karte, weitere 20 Minuten auf die Bestellung und anschließend eine halbe Stunde nach Beendigung der Mahlzeit auf die Rechnung. Nach dieser Zeit muss man die Bedienung hinter der Bar suchen gehen, nur damit sie nach weiteren 40 Minuten die Rechung immer noch nicht gebracht hat. Nach erneuter Aufforderung kommt dann keine Entschuldigung, sondern ein Ich weiß nicht wo mir heute der Kopf steht Heute? Immer. Und sicher nicht bei der Arbeit. Wenn diese depressive post-Party Stimmung des Personals an einem Samstagmorgen auf den fröhlichen und gut gelaunten Kunden abzufärben droht, sollte man die morgendliche Schicht gar nicht erst antreten und für nicht-existenten Service auch noch Trinkgeld erwarten. Schade, denn der Laden hätte Potenzial. Aber anscheinend reicht ja sein Status als hippe Anlaufstelle in der Südvorstadt aus, um sich zu halten.
Ich würde mich freuen, mich in ferner Zukunft vom positiven Wandel überzeugen lassen zu dürfen. read more