in meinem beruf als sozialpädagoge habe ich viel über frustrationstoleranz lernen können, aber mache leider immer wieder den fehler, diese soziale stärke auch bei anderen menschen zu erwarten. dass während meines besuches eine außentemperatur von 35 grad herrschte, reicht für mich aber eigentlich noch lange nicht als legitimation für eine beispiellose unfreundlichkeit und unverschämtheit gegenüber dem kunden. ich gehe seit meinem 16 lebensjahr zum friseur. in 10 jahren ergibt das eine etwaige gesamtzahl von 120 friseurbesuchen. während meiner schul und studentenzeit bin ich oft zu frisuerketten gegangen, die einen fullservice für 6-8 euro angeboten haben. mein damaliges schlechtes gewissen über die miserable bezahlung der mitarbeiter habe ich versucht, mit einigen euros trinkgeld für mich selber erträglich zu machen. oft sind mir die haare verschnitten worden, aber damit kann ich immer noch besser leben, als das gefühl suggeriert zu bekommen, ich bin nicht erwünscht bzw eine schnelle geldquelle.
als ich vor dem laden stand, habe ich eigentlich eine nette weltläufige atmosphäre erwartet, einen netten plausch, was ja in prenzlberg durchaus von einigen dienstleitern praktiziert wird. ich hatte keinen termin und fragte am eingang, ob etwas frei wäre. die bedienung hat zuerst abgewunken, ist dann nach hinten gegangen, um nachzufragen, ob man mich zwischenschieben könne. dies erfolgte dann auch sofort und die friseurin begann, mir den kopf zu waschen. dieses bild benutze ich gezielt, da ich während der prozedur das gefühl hatte, meine kopfhaut ersetzt ein anti-aggressions programm. das haarschneiden war in 6 minuten zu ende und ich fragte, ob es möglich wäre, mir den bart zu trimmen. für diese gelegenheit, sofern sie nicht zusätzlich bezahlt wird, gebe ich immer fünf euro trinkgeld. die antwort darauf war kurz und hat sich in mein gedächtnis eingeprägt: ,,nein, das ist draußen zu warm , ich kann dir aber die maschine geben und du machst es selber, ich habe da keine lust drauf!". okay. danke. das nächste mal werde ich auch meine schere selber mitbringen, wenn der job keinen spaß macht oder es draußen zu kalt oder heiß ist.
ich erwarte nicht viel. ich muss nicht zwingend smalltalk führen, mir muss niemand interesse heucheln, aber ein mindestmaß an sozialer kompetenz sollte vorhanden sein, wenn ich in einem geschäft arbeite, in dem ich kunden bediene, die gerne kommen sollen. zur verteidigung des ladens muss ich sagen, dass ich die anderen mitarbeiter nicht kenne und nur über die fruseurin sprechen kann mit den kurzen blonden haaren, dem piercing und den tatoos. aber es sollte einfach auch eine selbstverständlichkeit sein, dass, wenn ich einen vollen terminkalender habe, dies auch einem unangemeldeten kunden sage, da am ende sonst der frust größer ist und dieser sich abgeschröpft fühlt. schnell, in 10 minuten kommt der terminkunde, zu dem müssen wir freundlich sein.
wenn ich dies bei einem billligfriseur erlebt hätte, würde ich mich gar nicht derart beschweren, aber für 15,50 erwarte ich mitarbeiter, die nicht gleichzeitig protagonisten in die strengsten eltern der welt sein könnten.
es gibt in prenzlauer berg sehr nette salons, die für weitaus weniger geld einen tollen service anbieten, der über einen grünen anstrich hinausgeht. sollen die touristen weiter in diesen laden gehen, aber ich werde jedem meiner bekannten dringend davon abraten, auch nur einen fuß in den laden zu setzen. 0 sterne read more