Frida. Der Laden könnte auch Gertrud heißen. Oder Harald. Den Namen kriegen bei mir Menschen ohne bleibenden Eindruck. Frida heißt also ab sofort Harald.
Eigentlich war Seifenhorst geplant, aber der hat ja sonntags immer so früh zu. Warum eigentlich, Herr B.? Was lag näher, als auf das gegenüberliegende ehemalige Frida, heutiges Harald auszuweichen? Schwere Fehlentscheidung, demnächst doch ein paar mehr Schritte in Kauf nehmen.
Man nahm Platz an einem der freien Tische und hätte mit den sich darauf noch befindlichen Speiseresten drei letzte Abendmahle zusammenpuzzeln können. Gut, mein Gast und ich sind da nicht so pingelig, wenn wir Appetit haben. Griffen uns die Speisekarte und studierten sie. Wurden aber bereits in der ersten Zeile von der Servicekraft gestört. Gut, wir hatten Schmacht, wollten aber nicht wirklich die übrig gebliebenen Reste von fremden Tellern verspeisen. Die bekamen wir aber wortlos in beträchtlicher Menge auf den Tisch geknallt. Lecker ist anders. Die Servicekraft blieb weiterhin wortlos, fremde Gäste kriegen bei Harald keine Tageszeitenansagen. Irgendwann kam die Frage, was sie uns denn bringen könne. Mir lag auf der Zunge zu sagen: Saubere Teller, erklärte dann aber höflich, wir wären noch nicht so weit, sie könne ja erst einmal die abgenagten Hühnerknochen in die Küche bringen. Mit Schmacht war nix mehr, uns war eher nach einem halben Liter Meskal, aber dann wagten wir uns doch an drei Tapa-Gerichte. Erhielten aber nur eins, die Hähnchenkeulen von der Abendkarte. Von den Pilzen und Erdäpfeln keine Spur, auch nach zehn Minuten nicht. In der Annahme, die Bestellung sei untergangen vielleicht hatte ich ja die Servicekraft mit meinem Anliegen einfach überfordert wagte ich, frech wie ich bin, nachzufragen. Aber nein, die Bestellung war nicht vergessen, ich erhielt einen Crash-Kurs darüber, wie man Tapas verzehrt (nämlich einzeln und nacheinander) und wie die Zubereitung in der Küche von warmen und kalten Speisen erfolgt. Gut, wir hatten nur warme, das angebliche zeitversetzte Abrufen von zwei Minuten in der Küche schien an fehlenden Uhren zu scheitern und dass mein Gast seit knapp dreißig Minuten auf dem Trockenen saß, das schien weder diese noch die anderen zahlreich vorhandenen Servicekräfte ernsthaft zu stören. Tapa Nr. zwei kam dann nach einer gefühlten Ewigkeit, aber Tapa Nr. 3 wollte immer noch nicht die Küche verlassen. Nachfragen half nix: Tapas ist man halt so. Der Magen knurrte und als sich nach einer weiteren akademischen Viertelstunde nichts tat, orderten wir die Rechnung, die machte die halbe Stunde dann fett. Nett, dass Tapa Nr. 3 nicht berechnet wurde, ansonsten hätte die Servicekraft den Bewirtungsbeleg schlucken müssen.
Lieber Herr P., als Besitzer von heute Harald, einst Frida, müssten Sie doch Interesse haben, dass zahlende Gäste für einen fluppenden Laden sorgen. Ich bin die Erste, die schlechtes Essen (und das gab's bei Ihnen) verzeiht, wenn das Ambiente stimmt. Die mit Trinkgeld um sich schmeißt, wenn sich Servicekräfte als Entertainer entpuppen und mich für Champignons ohne Pfiff & Würze und fehlende Kartoffelecken entschädigen. Aber das lustlose Schaupiel, was meinem Gast und mir diesen Sonntag geboten wurde, geht als langweilige Tragödie unter und wird nie großes Kino werden. Düsseldorf hat da doch einiges mehr zu bieten, mein Taschengeld habe ich dann drei Straßen weiter mit Erfolg auf den Kopf gehauen. read more