Ich war an einem Wochenende, allerdings nicht zu Hauptsaison, abends im Saunabereich. Zunächst einmal waren die Umkleiden etwas zu klein geraten, zudem wurde ich (weiblich) ohne Nachfrage einfach in die gemischte Umkleide "gepackt" - durch die Spindzuteilung bei Eintritt kann man das nicht selbst wählen. Der Aufgang mit Treppenhaus von der Umkleide zum Saunabereich besticht durch Industriecharm mit dilettantischen "Gemälden" von Sonne, Stand und Palmen auf der rau verputzten Wand. Oben angekommen, steht man, nein! nicht im Saunabereich, sondern gleich vor dem Tresen des Mini-Restaurants an die sich ein großzügiger Sitzbereich anschliesst. Geht man weiter, setzt sich die Gestaltung des Treppenhauses konsequent fort. In orange-terrakota gehaltene, in Wischtechnik liebevoll gestaltete Wande im pseudo- italienischen Stil werden durch dicke Vorhänge in einer Pfirsich-Schattierung passend ergänzt. Ein in den Boden eingelassenes Becken unterstreicht die an mediterrane Gesamtkunstwerk, dass nur durch die in einer Reihe aufgereiten, in Holz gestalteten Saunen wohltuend gestört wird.
Der sehr beengende Eindruck wurde zum Besuchszeitpunkt durch die vielen am Boden stehenden Taschen, die genau wie ihre Besitzer in dem sehr klein gehaltenen Bereich keinen Platz finden konnten, weiter verstärkt. Zugegebenderweise wurde der römisch-mediterane Gesamteindruck des Raumes durch die eng an eng ausgestreckten, nackten Leiber im Wärmebecken unterstrichen, Bilder aus Illustrationen der röimischen Thermen tauchen hier sofort aus dem Gedächtniss auf.
Nun, Spaß beiseite, Spaß war es wirklich nicht. Das hat sicherlich auch der junge Herr so empfunden, der während eines Saunaaufgusses die Aussensauna betreten wollte und dabei -ein Schelm wer Böses denkt-das Warnschild mit der Bitte, die Sauna nicht während eines Aufgusses zu betreten, übersehen hat. Gott sein Dank gibt es im Wonnemar noch beherzte Saunameister, die den bösen bösen Gast doch gleich mit einer herzhaften Schubbewegung auf den nackten Oberkörper und dem freundlichen Hinweis "Raus hier!" wieder vor die Sauna-Türe setzen. Sicherlich hat der Saunameister hier aber auch nur im besten Interesse des Gastes gehandelt, der in der Sauna besten Falle noch auf einen Stehplatz direkt neben dem Ofen hätte hoffen können - und die Auswirkungen davon konnte man ja schon im hochroten Gesicht des cholerischen Saunameister sehen. Schön, dass es auch heute noch Menschen gibt, denen das Wohl Ihrer Mitmenschen derart am Herzen liegt, die sie vor selbst erfahrenem Unheil bewahren wollen!
Nach dem enspannenden Saunagang und dem Bad im tollen (wirklich!), kalten Aussentauchbecken wurde etwaigen Kreislaufproblemen der Saunabesucher durch ein spannende Runde "Reise nach Jerusalem" effektiv entgegengesteuert.
Mein Fazit: Obwohl der Eintritt relativ günstig ist, idt das Preis-Leistungsverhältniss miserabel. Betrachtet man einmal die Aufteilung des Saunabereiches, so wird schnell klar, womit der Betreiber Geld verdienen möchte: Der Speiseraum mit Stühlen und Tischen ist einer der größten Innenbereiche des Saunakomplexes, Raum, der dringedn für Ruheliegen benötigt werden würde. Liegt der Gast jedoch nur auf Ruheliegen, konsumiert er nicht, sondern bezahlt lediglich den Eintritt. Insofern ist das System durchaus schlüssig im Sinne der kurzfristigen Gewinnmaximierung (für die auch spricht, das offensichtlich sehr an Reinigungskräften gespart wird und die Sauberkeit gerade in Duschen und Toiletten sehr zu wünschen übrig lässt). Allerdings kann ich mir nicht vorstellen, dass ich nochmals freiwillig in diesen Saunbabereich gehen werde. Das Verhalten des Saunameisters ist für mich an Unverschämtheit nicht zu überbieten, ein körperliches Angreifen eines Gastes, der eine Kleinigkeit übersehen hat, ist einfach absolut nicht in Ordnung.
Zu guter Letzt: Immerhin ist das Alpenpanorama tagsüber bei schönem Wetter sicherlich sehr schön - aber da sist auch leider schon das einzig positive, was ich diesem Bad abgewinnen kann. Gäbe es die Bewertung 0 Sterne, ich hätte sie mit Sicherheit gewählt! read more