Ich stand gerade vor der Entscheidung, dem dringenden Rat meiner Autorenkollegen zu folgen und meine nächsten Bücher direkt bei Amazon zu veröffentlichen oder bei epubli zu bleiben. Die Entscheidung war überhaupt nicht leicht. Was in den anderen Kommentaren geschrieben wird, stimmt mit meinen Erfahrungen überein, die positiven wie die negativen. epubli ist ein junges, wendiges, sympathisches Team, das sich für die Belange seiner Autoren so gut es geht einsetzt, daran arbeitet, die Kooperation mit anderen Distributionsplattformen zu erweitern zum Beispiel seit Kurzem werden die Bücher der Autoren auch über Hugendubel, Weltbild, Club Bertelsmann vertrieben, zusätzlich zu Amazon, google play, Apple etc. Problematisch ist allerdings, dass man in der Honorarabrechnung unter weltweiter Vertrieb keine Transparenz hat, von welchen Plattformen die Honorare stammen.
Im Bereich PR ist epubli auch engagiert unterwegs, der neuedeutschebuchpreis.de war an sich eine tolle Form der PR für Autoren und epubli, auch wenn er in der letzten Form der technischen Ausführung ziemlich kritikwürdig war und ganz sicher nicht zum Bewerten der besten Literatur, sondern der Zahl von facebookafinen Freunden geführt hat. Die Teilnahme an der Langen Buchnacht in Kreuzberg, zu der Autoren eingeladen sind mitzumachen ist ebenfalls als Idee nicht schlecht, die Kinderbuchanthologie, deren Erlös der Stiftung Lesen zugute kam, ebenso wie weiterer Autorenprojekte, bei denen zusammengearbeitet wurde oder auch die Buchempfehlungen zu bestimmten kalendarischen Anlässen. Und zusätzlich zu diesen positiven Punkten hat man im Team sehr freundliche Ansprechpartner, die sich einsetzen, auch wenn man was schief geht, egal, wer jetzt für Pannen verantwortlich ist. Dass man im Kontakt nicht weiß, mit wem man es persönlich zu tun hat, ist allerdings in der Tat eine Merkwürdigkeit, eher eine Stillosigkeit in der Kommunikation und wirkt unsympathisch anonym, wenn es anschließend zu einem Austausch kommt, der über mehrere E-Mails geht. Bei wem bedankt man sich da eigentlich für den Service am Ende?
Was ich allerdings an eindeutig negativer Erfahrung gemacht habe ist, dass die Alterseinstufung für Kinderbücher mit ab 6 und ab 12 viel zu grob ist und nicht der feineren Altersabstufung auf Amazon entspricht. In der Papierauswahl fehlt in Struktur und Farbton jenes Papier, das der Leser von Verlagstaschenbüchern gewohnt ist. Man kann sich mit dem Layout anstrengen wie man will, der Leser erkennt den Unterschiede auf Anhieb und bewertet ihn auch, leider zu Ungunsten der epubli-Autoren. Wenn jemand mein Buch billig findet, weil das Papier nicht stimmt, enttäuscht mich das Wissen, dass ich es nicht ändern kann. Im Preis liegt man immer hart an der Grenze, noch konkurrenzfähig zu sein, verdienen kann man auf keinen Fall mehr, dann kaufen die Leser einem die Bücher nicht mehr ab. Es gibt eine etablierte Preisstruktur und man kann nur entscheiden, ob man zu diesem Preis mitmachen kann oder nicht. Natürlich könnte man sich für andere Druckmengen entscheiden, aber das ist ein ganz anderes Thema und hat mit book on demand nichts mehr zu tun. Für book on demand entscheidet man sich ja aus bestimmten Gründen, zum Beispiel der Flexibilität wegen. Die aber ist auch eher eingeschränkt. Während man bei Amazon jederzeit Zugriff auf den eigenen Text hat und ihn verändern kann, ist das Verfahren hier eher kompliziert und muss über die Mitarbeiter gehen. Die sich wiederum sehr kooperativ und engagiert zeigen, das ist schon in Ordnung.
Eine gute Einrichtung ist die Anbindung der Buchprofis, aus denen man sich seine Dienstleistung aussuchen kann, wie man sie benötigt und auch auf der Seite der epublizisten kann man sich informieren, was Marketingfragen und Expertentipps angeht. Was fehlt ist jemand, der sich mit Rechtsfragen zum Thema Literatur auskennt. In den Foren und Gruppen kommt immer wieder das Thema auf darf ich Markennamen nennen, andere Buchtitel im Text nennen, aus anderen Texten/Songtexten zitieren, Namen von Leuten verwenden, die es real gibt, Fotos verwenden usw.. Die letzte Diskussion, die ich dazu verfolgt habe, hat völlig abenteuerliche Ergebnisse hervorgebracht. Da wurden Industrieunternehmen angeschrieben und um Erlaubnis gebeten, die die Nennung ihrer Produkte prompt verboten haben, als wäre Literatur eine Werbeplattform. Und es kamen Urheberrechtsverletzungen zu Tage, von denen die Autoren keine Ahnung hatten, dass sie sie überhaupt begangen haben könnten. Ich nenne diese Punkte konkret, um zu zeigen, dass hier Bedarf wäre und zwar ein dringender und wichtiger Bedarf. Würde ich hier in meiner Produktionsplattform einen kompetenten Ansprechpartner haben, der mich in in diesen mehr als heiklen Fragen unterstützt, würde ich epubli nicht nur als austauschbaren Copyshop de luxe empfinden, sondern als Partner, an den ich mich gebunden fühle.
Ich werde dennoch bei epubli bleiben, weil ich auch sehe, dass es Entwicklung gibt und ich hoffe, dass die Entwicklung weiter read more