Das Theater am Schiffbauerdamm, auch
bekannt als Berliner Ensemble, ist eine der bekanntesten Berliner
Theaterbühne, vielleicht die bekannteste überhaupt. Viele berühmte
Dramatiker, Regisseure und Schauspieler haben hier schon gearbeitet.
Über allem schwebt natürlich der Geist Bertolt Brechts, der dieses
Theater nach dem Krieg aufbaute und ihm bis heute seinen Stempel
aufdrückt. Das Repertoire legt keinen Schwerpunkt
auf moderne, gegenwartsbezogene Theatertexte. Der 1994 verstorbene
Werner Schwab ist schon fast der aktuellste Autor. Vielmehr widmet
sich das BE der Pflege von Klassikern. Lessing, Kleist und Tschechow
kommen regelmäßig ins Programm, aber auch Sophokles und Shakespeare
werden aufgeführt. Selbst Inszenierungen, die klassisch für für
das BE sind, werden immer mal wieder gespielt. So ist gelegentlich
noch Brechts Der aufenthaltsame Aufstieg des Aturo Ui in der
Inszenierung von Heiner Müller aus dem Jahr 1995 zu sehen. Bei meinen letzten Besuchen habe ich
zwei Stücke gesehen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Das
war einmal Die Dreigroschenoper von Bertolt Brecht. Inszeniert
wurde das Stück vom amerikanischen Regisseur Robert Wilson schon
2007, es ist seitdem aber ein fester Bestandteil des BE-Programms.
Die Geschichte von Mackie Messer, seiner Frau Polly und dem Kopf der
Londoner Bettlermafia, Jonathan Peachum, war eine unterhaltsame,
amüsante und rasante Vorstellung. Die Slapstick-Einlagen fand ich
sehr einfallsreich, auch die musikalischen Einlagen waren sehr
schwungvoll. Ganz anders war Dantons Tod nach Georg Büchner.
Das Stück ist eine politische Auseinandersetzung zwischen Ideologie
und Utopie, der Notwendigkeit von Gewalt und dem persönlichen Glück.
Besonders bewegend fand ich die Bühnenbilder. Wenn Danton vor dem
Revolutionstribunal aussagt, und die Damen und Herren von oben
Gericht über ihn halten, empfand ich das als sehr bedrückend. Die Preise für Karten bewegen sich
im Vergleich zu anderen großen Berliner Theatern auf einem
moderaten Niveau. Einzelkarten kosten je nach Preisklasse zwischen 5
und 30 Euro, ein Abo für zehn Vorstellungen (Preisklasse II) ist
schon für 120 Euro zu haben. Es gibt Ermäßigungen für Schüler,
Studenten, Arbeitslose oder Rentner. Fast schon barock ist der Saal zu
nennen. Für ein modernes Theater regieren hier natürlich etwas zu
viel die Goldverzierungen, aber das trägt auch ungemein zum Charme
des Theaters bei. Durch die zwei Ränge bekommt es eine wunderbare
Höhe, so dass zumindest im Parkett auch bis zur Paus genug
Luft zum Atmen bleibt. Auf Bequemlichkeit wird im BE nicht viel
gegeben, man sitzt da eher hart. Die Stühle stehen dicht an dicht,
so dass das Durchkommen nicht immer leicht ist. Von den meisten
Plätzen sieht man relativ gut, allerdings ist im zweiten Rang die
Bühne sehr weit. Dafür ist die Akustik wirklich gut. Das BE ist in Berlin eine Institution.
Das Haus ist fast immer ausverkauft und neue Inszenierungen werden in
den großen Tageszeitungen der Republik besprochen. Dabei scheint das
Publikum das BE bald mehr zu lieben als die Presse. Aktuelle,
gegenwartsbezogene Stücke werden leider kaum noch am BE gegeben
Ausnahme: Yasmina Reza , dafür hat man aber reichlich Auswahl aus
dem klassischen Repertoire von Sophokles bis Thomas Bernhard. Davon
lasse ich mich aber nicht von meinem nächsten Besuch im Theater am
Schiffbauerdamm abhalten. read more