Wenn ich morgens auf dem Weg zur Arbeit
die Brücke neben dem ehemaligen Zeughaus, jetzt Deutsches
Historisches Museum, passiere, beeindruckt mich jedes Mal der Anblick
vom Berliner Dom. Mögen die Katholiken ihren Kölner Dom haben, wir
Protestanten können ruhig stolz sein auf unseren Dom in Berlin. Auch
wenn bei uns nicht die Überreste der Heiligen Drei Könige liegen,
sondern nur die Sarkophage der verstorbenen Hohenzollern die
Kirche selbst ist sowohl von außen als auch von innen wunderschön
und spirituell anregend. Von außen könnte das Bauwerk mit
seinen barocken Fassaden auch in Rom stehen. Auch wenn es nur
Neobarock aus dem 19. Jahrhundert ist, so hat der Dom dennoch eine
würdevolle und imposante Wirkung. Seit ein paar Jahren strahlt auch
das goldene Kreuz auf dem Dach der Kuppel wieder ganz herrlich.
Besonders prächtig ist natürlich die Predigtkirche mit dem riesigen
Kirchraum und der Kuppel, die an sonnigen Tagen alles in ein helles
Licht setzt. Wenn auf der riesigen Sauer-Orgel dann noch gespielt
wird, fühlt man sich ganz erhaben. Grandios ist zudem der Blick von
der Domkuppel. Man schaut auf den Lustgarten und die ganze
Museumsinsel herunter. Außerdem reicht die Sicht bis zum Rote
Rathaus, zur Humboldt-Uni, zur Synagoge in der Oranienstraße und bis
zum Reichstag. Im Dommuseum werden Zeichnungen und Modelle gezeigt,
so dass man die Baugeschichte des Doms gut verfolgen kann. Wer es
etwas gruselig mag, kann sich die Gruft mit den
Hohenzoller-Sarkophagen anschauen. Ich fand die vielen Kindersärge
so bedrückend, dass ich nur einmal da unten war. Ist man mit Besuch in Mitte unterwegs
und will ihm den Dom zeigen, kommt ja oft der Einwand: Warum soll ich
überhaupt 7 Euro Eintritt für eine Kirche bezahlen? Den Betrag als
Eintritt zu bezeichnen, ist zunächst einmal sachlich falsch.
Eintritt zahlt man in ein Museum, um sich interessiert, aber
distanziert die Vergangenheit zu betrachten. Das Geld dient schlicht
und ergreifend dafür, den Dom als Begegnungsstätte zwischen Gott
und Mensch für die Gegenwart und auch für die Zukunft zu bewahren.
Deshalb heißt es ja auch korrekt Domerhaltungsgebühr. In
anderen Kirchen kennt man ja die kleinen Kästen am Ausgang, in die
selten jemand etwas reintut. Und solange Milliarden in anderen Projekten vergeudet werden, müssen die
Geldmittel für den Erhalt solcher tollen Bauwerke eben anders
beschafft werden. Es gibt trotzdem viele Gelegenheiten,
kostenfrei in die Kirche zu gelangen. Mehrmals täglich gibt es
Andachten, an Sonn- und kirchlichen Feiertagen finden Gottesdienste
statt, einmal im Monat gibt es das Angebot einer Taizé-Andacht. In
den letzten Jahren habe ich an dieser z.B. mehrmals teilgenommen. Ich
war jedes Mal beeindruckt, wie voll eine christliche Kirche
heutzutage noch werden kann, wenn man eine zeitgemäße Gebetsform
für junge und jung gebliebene Menschen findet. read more