Gestern kehrten wir nach einem schönen langen Spaziergang durch den Rheingau um 17.45 Uhr in der Adlerwirtschaft ein. Als wir fragten, ob noch ein Tisch zu haben sei, wurde uns angeboten, bis 19.00 Uhr zwei Gänge zu uns zu nehmen, da abends alle Tische restlos ausgebucht seien. Dies wurde uns als besonderers Entgegenkommen von Seiten des Restaurants verkauft - normalerweise sei es nicht möglich, dort weniger als drei Gänge zu speisen. Da wir schon einmal da waren, ließen wir uns auf den Kompromiss ein. Ich nehme schon einmal vorweg, dass wir um 18:55 Uhr mit dem Essen fertig waren, auf der Terasse mittlerweile noch 5 weitere Tische frei geworden waren und nicht wieder neu eingedeckt wurden, so dass nicht mehr davon ausgegangen werden konnte, dass unser Tisch dringend gebraucht wurde. Im Innenbereich waren ebenfalls noch geschätzte 6 Tische frei. Bezahlen durften wir erst um 19.30 Uhr. Obwohl offensichlich war, dass kein Platzmangel bestand, wurde uns in der Zwischenzeit nicht angeboten, doch noch ein Dessert zu bestellen ... sehr seltsam und befremdlich, sodass wir nun darüber rätseln, ob es mit unserer Person zu tun hatte, dass die Wirte ein solches Verhalten an den Tag legten. Das hinterlässt einen sehr fahlen Beigeschmack. Unter Gastfreundschaft verstehen wir etwas anderes.
Nun zum Essen:
- die geeiste Tomaten-Fenchel-Suppe mit gebratenem Oktopus war zwar kühl, aber nicht kalt, und nach einigen Löffeln entwickelte ich einen Wahnsinns-Brand, da der Koch offensichtlich frisch verliebt war. Von zu viel Salz abgesehen schmeckte sie aber ganz lecker.
- Die Hauptspeise war qualitativ hochwertig, aber nichtssagend: Es gab einen in Butter gebratenen Fisch, dazu in Butter geschwenktes Gemüse und als Beilage in Butter gebratene Kartoffeln. Ein wenig mehr Phantasie hätte ich bei diesen Preisen schon erwartet.
Den Nachtisch konnten wir wie schon erwähnt aus unerfindlichen Gründen nicht genießen.
Befremdet waren wir wie dir Vorgänger von den unglaublich vielen Bedingungen, die man als Gast zu berücksichtigen hat (keine Kreditkartenzahlung, höhere Preise bei unterschiedlichen Gerichten, die Weigerung, das Fleisch auf Wunsch durchzubraten,etc.). Dies lässt auf eine deutliche Arroganz des Hausherren schließen, die wir darin bestätigt sahen, dass auf den Tischen die "Hauspost" lag, eine Ansammlung von selbstbeweihräuchernden Zeitungsartikeln über den Chefkoch, dem offensichtlich mehr an den Sternen zu liegen scheint, als er vorgibt. Wie sonst lässt es sich erklären, dass er überall verkünden muss, von solchen Auszeichnungen eigentlich nichts zu halten (klassischer Fall des Wirkens eines freudschen Abwehrmechanismus).
Sich in der Speisekarte zurechtzufinden, verlangt dem Gast Einiges ab: Man erhält eine bunte Zettelsammlung zum kleinen und großen Adleressen sowie zum offenen Wein, dazu noch eine gebundene Weinkarte. Eine wahre "Zettelwirtschaft", die auch optisch äußerst unübersichtlich gestaltet ist.
Unser Fazit: nicht noch einmal! Schade. read more