Die Ausstellung, die sich in einer Räumlichkeit des Alten Schlosses befindet, vermittelt einen bedrückten, fast melancholischen Eindruck. Eine schlichte, beige gestrichene Backsteinfassade prägt das Bild des Raumes, lediglich zwei Objekte fallen auf den ersten Blick auf ein Cello und ein Säbel sie sollen offensichtlich die Ambivalenz der Person Claus Schenk Graf von Stauffenberg symbolisieren. Bei der Ausstellung wird aber nicht nur der berühmte Hitler-Attentäter in den Blick genommen, sondern auch dessen zwei Jahre älterer Bruder Bethold Schenk Graf von Stauffenberg. Die Ausstellung ist in fünf Themenfelder gegliedert. Dabei hat jedes Thema seine eigene Nische und trägt als eigenständiger Abschnitt zur Biographie der Brüder teil.
Zuerst wird auf die Kindheit und Jugend der beiden Brüder eingegangen, wobei vor allem auf die adlige Tradition und die nach Meinung der beiden daraus erwachsende Verpflichtung Wert gelegt wird. In dieser Nische können markante Dokumente wie Klassenfotos oder das Abiturzeugnis der beiden betrachtet werden, das erwähnte Cello des musikalisch hochbegabten Claus Schenk Graf von Stauffenberg deutet des Weiteren darauf hin, dass der Lebensweg zumindest von einem der beiden Brüder auch anders verlaufen hätte können.
Im zweiten Abschnitt wird die Beeinflussung der Stauffenberg-Brüder im Kreis des nationalistisch gesinnten Dichters Stefan George beleuchtet, man kann hier Gedichte der Geschwister lesen, die ihr deutsch-nationalistisches Weltbild widerspiegeln und einmal mehr darauf hinweisen, dass die Stauffenbergs keineswegs als Anhänger eines modernen Republikanismus missinterpretiert werden dürfen.
Durch die Ausstellung des Ehrensäbels, den Claus Schenk Graf von Stauffenberg als Auszeichnung als bester Kavallerist seines Offiziersjahrgangs erhalten hatte und der nach Jahrzehnten der Verschollenheit erst 1999 wieder an die die Witwe Stauffenbergs ausgehändigt wurde, wird übergeleitet zu Stauffenbergs militärischer Karriere. Dabei kann man Bemerkenswertes erfahren: z. B. dass Berthold Graf von Stauffenberg danach strebte, diplomatisch tätig zu werden und sich im Zuge dessen von 1931 bis 1933 am Ständigen Internationalen Gerichtshof in Den Haag arbeitete.
Mithilfe weniger prägnanter Objekte wird schließlich der Weg der Stauffenbergs in den Widerstand vermittelt. Mit dem 20. Juli befasst sich nicht nur ein eigener Themenkomplex mit seltenen Dokumenten aus dem Walküre-Plan selbst, es steht auch ein eigener Rechner bereit, an dem der Tag des misslungenen Attentats minutiös und brennpunktspezifisch nachgelesen werden kann. Zudem können auch Kurzbiographien zu einer Reihe wichtiger Widerstandskämpfern des 20. Juli 1944 zu Gemüte geführt werden.
Der letzte Teil befasst sich mit der umstrittenen Erinnerung an die Stauffenberg-Brüder. Der Betrachter vermag hier den Wandel vom Vaterlandsverrat über einen ambivalenten Umgang mit den Taten der Brüder bis hin zur Stilisierung Stauffenbergs als Ikone des Widerstandes gegen Diktaturen schlechthin nachzuvollziehen. Die Rezeption reicht bis in das Jahr 2008, in welchem auf die Hollywood-Verfilmung des Attentats verwiesen wird.
Parallel zu den visuellen Objekten wird über verschiedene Lautsprecher ein neuer Erzählstrang aufgemacht. Chronologisch werden zeitgenössische Volkslieder, Zitate Stauffenbergs sowie Originaltöne zu historischen Ereignissen ineinander verflochten. Eindrücklich werden Stauffenbergs zunehmende Zweifel am Regime der Nationalsozialisten über das Ringen mit sich selbst bis hin zu dem endgültigen Entschluss desselben, Hitler zu töten, artikuliert. Begleitet wird die Klangcollage von einem fortdauernden pulsierenden Pochen. Cello-Musik, offensichtlich wiederum eine Anspielung auf Stauffenbergs künstlerische Begabung, fließt immer wieder mit ein und verleiht der Collage einen melancholischen, nachdenklichen Zug.
MEIN FAZIT: Der Besuch der Ausstellung ist allen, die sich für den Widerstand im Dritten Reich und speziell für Hintergründe und Motive der Stauffenberg-Brüder diesbezüglich interessieren, wärmstens zu empfehlen, zumal selbst eine eingehende Auseinandersetzung mit den Ausstellungsobjekten nicht länger als eine bis eineinhalb Stunden in Anspruch nehmen sollte. Durch die geschickte Inszenierung erhält man nichtsdestotrotz einen hervorragenden Eindruck davon, unter welchen Umständen sich ausgerechnet zwei Adlige aus Stuttgart dazu veranlasst sahen, in letztendlich tödlichen Widerstand zum nationalsozialistischen Terror-Regime zu gehen. read more