Allgemein
Für einen kurzen Schwarzwald Trip suchten wir ein Restaurant für eine "gepflegte" Runde und wurden in Tiefenbronn bei der "Ochsen Post" fündig. Die Reservierung funktionierte mit einigen Tagen Vorlauf reibungslos. Vonder Hauptstrasse lässt sich nicht erahnen, wie sich das Restaurant innen darstellt - der Zutritt erfolgt von über eine Seitenstrasse, vorbei an einem Weinkeller, einem Bauwagen (umgebaut zum kleinsten Restaurant Deutschlands mit idyllischem "Bollerofen" und einem riesigen Smoker. Man betritt mit der Bauernstube gefühlt eine andere Zeit.
Bedienung
Wir wurden freundlich begrüsst und zu unseren Plätzen geleitet, regelmässig betreut und und auch zu Gerichten / Deserts gut beraten. Auffallend war eine gewisse Distanz,die nicht zu recht zum Landgasthof Auftritt, der hier auf das Beste kultiviert, passen wollte.
Das Essen
Wir bestellten aus den 3 (!) Karten, die uns gereicht wurden:
- Zweierlei Ziegenkäse- Leberspatzensuppe- Metzelsuppe- Beef Tea
als Vorspeisen, gefolgt von den Hauptgerichten:
- Kalbsleber Berliner Art, Apfelringe, Zwiebeln und Kartoffelpüree- Linsen mit Saiten, Spätzle- Surf & Turf, Spinat, Maisplätzchen- Ochse von Vorne und Hinten, Spätzle
Bei den Vorspeisen wurden trotz der wirklich kruden Mischung, die wir da zusammegestellt hatten, alle gleichzeitig serviert und waren schön heiss. DerZiegenkäse war toll angerichtet und bestach durch die wechselnden Geschmacksrichtungen des Obstes und der beiden Käsesorten ausgezeichnet. Die Leber(knödel)spatzensuppe war handwerklich perfekt zubereitet und intensiv im Geschmack. Die Metzelsuppe (in einigen Gegenenden auch Schlachtsuppe) war ebenfalls gut zubereitet, erkennbar frisch und sehr intensiv im Geschmack. Das Gericht "Beef Tea" gab uns etwas Rätsel auf: es handelt sich um ein stark einreduziertes, daher sehr geschmacksintensives Consome vom Rind, ergänzt um zartes, innen rosa gegartes Rindfleisch und einige Hobel schwarzer Trüffel, was dem Gericht weitere intensive Aromen verlieh. Ergänzt wurden die Vorspeisen durch einen Gruss aus der Küche (Tomatenschaum mit Frischkäse) und dem hauseigenen, ausgezeichneten Brot (ein traditionelles Bauernbrot oder Dinkelbrot). Damit lag die Latte durch nahezu perfekte Vorspeisen sehr hoch für die Hauptgerichte.
Bei diesen fielen zuerst die grossen Portionen auf - gerade so zu bewältigen. Beim Surf & Turf war das Filet von sehr guter Konsistenz und überwiegend sehr gut zubereitet - leider waren die beiden Stücke nicht gleich dick, wodurch das eine eher Rare und das dünnere Stück eher Welldone geriet. Etwas unglücklich war auch die Kombination mit den Maisplätzchen - hochwertiges Fleich und sehr gut zubereiteter Spinat sollten eher durch hochwertige Beilagen begleitet werden - vielleicht tue ich dem Koch ja unrecht und er hat kein Frost Mais oder schlimmer noch Dosenmais verwendet - das ist allerdings zu selten, um das wirklich in Betracht zu ziehen. Der Ochse war perfekt zubereitet und durch eine kräftige Sauce sehr gut abgeschmeckt (mit Vorne und Hinten meint man Ochsenmaul und Ochsenschwanz), die Berliner Kalbsleber dürfte den grössten Teil der Berliner Gastronomen düpieren - ausgezeichnet.
Leicht gequält von der schieren Menge der Portionen bestellten wir noch Sahne Meringue, verschiedene hausgemachte Sorbets und natürlich Espressi. Auch die Deserts waren ausgezeichnet: die Sorbets fruchtig und schön frisch im Geschmack, die Meringue war perfekt gebacken und weder krümelig noch zäh - das geht nicht besser.
Fazit: Das Essen war nicht günstig, aber seinen Preis absolut wert. Eine tolle Location, wirklich gute Küche und das hauseigene Brot (das man auch zum Mitnehmen kaufen kann) lohnen auch eine weitere Anfahrt. Top !
Das Ambiente
Sehr ansprechend - das Restaurant in alten Haus ist unterteilt in einzelne kleine Zimmer und Bereiche, abgeteilt durch alte Balken und teils komplett mit Holz verkleidet. Rustikal - aber passend.
Sauberkeit
Perfekt sauber, alles sehr schön gepflegt - auch Dekorationen waren gut eingesetzt und gepflegt. read more