Sind sie so Anfang 50, fahren Sie ein imponierend teures Auto, schwärmen von Kampen, Dubai und Knokke-Het Zoute? Tragen Sie gerne zur sehr, sehr dicken Uhr diese dekorativen Freizeithemden, die mit verschnörkelten Motiven, Logos und Texten von Segelregatten bestickt sind? Oder sind sie eine Immobilienmaklerin, die wie eine arg verspätete Carrie Bradshaw in Bonn eine Überdosis "Glamour pur" sucht und - blondiert und gebotoxt bis zum Anschlag - ihre Pumps, Klamotten und beste Freundin ausführen möchte? Dann herzlich willkommen in der "Remise" - einem neuen Deko-Lokal, in dem die Zeit stehen geblieben ist; und zwar so etwa im Jahr 2003. Damals kam in Belgien der inzwischen berühmt-berüchtigte "flämische Tuntenbarock" auf; vom Innendekorateur Axel Vervoordt erfunden und von der Möbelkette Flamant auch bei breiten Schichten bekannt gemachte Deko-Trend, der in "greige"-Tönen badete und irgendwo zwischen rustikal und üppig pendelte. Hier wurde der an sich längst überlebte flämische Tuntenbarock noch mal mit viel Geld reanimiert und fulminant vulgär überzeichnet; mit mehr ausgestopften Tieren als das Museum König zu bieten hat, sehr teurem Tand und glitzerndem Gedöns; vom Glasboden mit Goldstaub, durch den man den LED-dramatisierten Weinkeller erblickt, dem Bartresen mit Aquarium bis zu den von innen beleuchteten Pflastersteinen der Einfahrt heischt und kreischt jedes Detail nach Aufmerksamkeit. Selbst die Toilette ist hier kein stilles Örtchen, sondern eine dröhnend beschallte Mikro-Discothek, bei dem ein im Waschtisch einbelassender Projektor einen in Endlosschleife tänzelnden Mann an die Wand wirft. Eine Abwechslung vom diskret-intellektuellen Stil der Bonner Republik...warum nicht? Wie sagte noch Mae West: "Too much of a good thing is marvelous" - aber hier hat die Übertreibung leider nichts augenzwinkernd leichtfüßig-charmantes an sich. Es gibt ja Läden, die einfach total "over the top" sind, aber gerade deshalb gute Laune machen, so dass man gerne mal eine Flasche Schaumwein extra auf den Kopp haut. Hier nicht: Das ist hier alles tragisch-teutonisch-todernst gemeint. Will imponieren - nicht etwa verführen oder amüsieren. Ach so: Das Essen. Ist die absolute Nebensache. Schmeckt auch nicht, kalt, versalzen, verbrannt, zäh und der Service macht die vielen Pannen und Wartezeiten nicht durch jugendlichen Charme wett sondern erheitert durch schnöselig arrogante Sprüche. Aber egal: Die Remise ist eh nicht zum Essen gedacht. Die Küche und der Service können sich noch steigern, das Dekor bleibt. Wem's gefällt: Auf geht's - Polokragen hochgestellt, Gattin aufgespritzt, rein den Jaguar und auf ins Vergnügen! read more