Man liest ja so einiges über Höffner. Aber bei einem einfachen Büro-Drehstuhl kann man ja wohl nicht so viel verkehrt machen dachte ich zumindest und bin dann doch zu Höffner nach Freiham (München) gefahren.
Der Laden ist riesig, man ist schon einige Zeit unterwegs, bis man in der gesuchten Abteilung gelandet ist. Mitunter muss man auch mal an der Info fragen. Die Dame dort putzte aber lieber ihren Bildschirm als sich den Kunden zu widmen. Als sie auch noch zum Hörer greifen wollte um zu telefonieren, wurde ich dann doch ungeduldig, und schliesslich gelang es mir, die gewünschte Auskunft zu bekommen.
Auch die Produktauswahl ist enorm. Da ich aber wirklich nur einen ganz einfachen Drehstuhl wollte, für möglichst wenig Geld, wurde ich rasch fündig.
Einen Verkäufer hatte ich auch sofort, der mir den Stuhl zum Probesitzen herunter hob. Viel beraten musste er mich nicht, ich wusste genau was ich wollte und worauf es ankommt, schliesslich war das bei Weitem nicht mein erster Bürostuhl. Für 79 Euro schien es mir ein gutes Angebot zu sein, bequem, alles ein- und verstellbar, selbstblockierende Rollen, ansprechendes Design usw., also alles in Ordnung soweit. Chrom und Edelstahl kann man bei 79 Euro nicht erwarten.
Auf dem Weg zur Kasse fiel mir noch ein, dass ich mich bei dieser Gelegenheit nach einem Picknick-Koffer erkundigen könnte. Also zur Info. Auch dort ist die Lady beim Telefonieren, wie man hören kann handelt es sich um ein Privatgespräch. Sie dachte aber nicht daran, ihr Telefonat zu unterbrechen oder gar zu beenden, wenn ein Kunde vor ihr steht. Und so wartete ich höflich, bis sie zu Ende kam. Einen Picknick-Koffer gäbe es ihrer Auskunft nach allerdings nicht bei Höffner.
Nach der Bezahlung an der Kasse musste ich nur wenige Minuten warten, bis mir die Ware gebracht wurde.
So weit, so gut. Ich war bis dahin beinahe angenehm überrascht. Dass ich den Stuhl zuhause erst noch selbst montieren musste, war mir klar. Auch Höffner hat ein bisschen was von Ikea
Allerdings war ich beim Auspacken dann doch etwas erstaunt über den extremen Rohzustand des Produktes. Mitgeliefertes Werkzeug: Ein Imbusschlüssel. Ingesamt 30 Einzelteile, grosse und kleine, lagen da vor mir und wollten montiert werden.
Kein Problem, dachte ich, und begann mit der Montage. Und schon ging's los!
Die fünf Rollen wollten einfach nicht in die vorgesehenen Löcher des sternförmigen Fusses, sie weigerten sich hartnäckig und obwohl ich nicht der Schwächste bin es ging einfach nicht. Mit der Schieblehre nachgemessen zeigte sich eine Differenz von gut einem Millimeter! Mit händischem Eindrücken ging da nichts.
Zum Glück bin ich werkzeugmässig gut ausgestattet, holte meinen Plastikhammer und klopfte damit die Rollen ein. Ohne Hammer hätte ich das nie geschafft. Und schon wartete die zweite Hürde auf mich. Obwohl ich aus den insgesamt 10 gleich aussehenden Imbus-Schrauben, die in ein und derselben Plastiktüte waren, die sechs heraussortieren konnte, die sich nur darin unterschieden, dass sie um 2 bis 3 Millimeter länger waren, gab es gewisse Schwierigkeiten, damit die seitlichen Armlehnen am Sitz anzuschrauben. Irgendwie waren die Schrauben nämlich immer noch zu kurz und fassten das Gewinde nicht. Glücklicherweise bin ich auch bei Schrauben gut sortiert und holte aus meinem Bestand passendere.
Der Mechanismus für die Höhenverstellung war schnell mit den vier kürzeren, mitgelieferten Schrauben montiert, der Kippmechanismus für die Rückenlehne ebenso. Dann aber kam ausgerechnet als Letztes das Schlüsselerlebnis, welches nicht zuletzt Schuld daran hat, dass ich mich hier verbreite:
Die Rückenlehne liess sich mit der mitgelieferten Stellschraube (mit Drehgriff) einfach nicht am Mechanismus für die Höhenverstellung befestigen. Bei näherem Hinsehen und Nachmessen wurde auch rasch klar, warum das so war: Die Stellschraube hatte ein M10 Gewinde (ca. 10 mm Aussendurchmesser), die Mutter im Mechanismus jedoch nur ein M8 Innengewinde (also ca. 8 mm Durchmesser). Dass eine 10er-Schraube nicht in eine 8er-Mutter geht, ist sonnenklar!
Weil dieser unglaubliche Fakt erst beim allerletzten Schritt erkennbar wurde, nachdem ich fast eine Stunde lang alle anderen Teile mit Mühe (siehe oben) montiert hatte, hatte ich verständlicherweise keine Lust, den fast fertig montierten Drehstuhl wieder zu Höffner zu fahren um ihn dort umzutauschen bzw. zu reklamieren. Wie sonst hätte ich aber dort beweisen können, was Sache war? Ausserdem war es Freitag und ich wollte gerne das verregnete Wochenende für Büroarbeiten nutzen. Als einzig praktikable Lösung erschien mir daher, erneut auf meine Schrauben-Bestände zurückzugreifen und die falsche Stellschraube durch eine simple 8er Sechskantschraube zu ersetzen ohne Drehgriff. Ohne Schraubenschlüssel kann ich also künftig den Abstand meiner Rückenlehne nicht verstellen.
Vergleichbares ist mir in mehr als zwanzig Jahren Ikea noch nie passiert. Bei Höffner dachte ich bisher, sei so was gänzlich ausgeschlossen. Vielleicht lag es read more