Mein Mann und ich hatten ein par schöne Tage in Stuttgart verlebt und
als krönenden Abschluss einen Abend im Theater geplant.
Doch schon beim Frühstück musste ich Schlimmstes befürchten....mein
Rücken hatte mir die Nacht im Hotelbett übel genommen.
Theater ade, ab zum Arzt....Diagnose - Hexenschuss. Da ich Spritzen
hasse wie die Pest, keine schöne Aussicht, also ...das wars mit dem
Abend!
Aber als wir unseren Freunden absagen wollten, gaben die uns nur
die Telefonnummer eines Masseurs aus der Region. Sie bestanden
darauf, also machten wir einen Termin.
Der Mann opferte seine Mittagspause und wir waren sehr überrascht,
wie gelassen er das nahm.
Die wenigen Stufen in seine Praxis waren die Hölle, aber schon bald
lag ich auf der Bank und versuchte mich zu entspannen.
Erst jetzt, als ich mich ein bischen beruhigt hatte, fiel mir auf,
das die Massagebank ganz warm war (offensichtlich beheizt! Welch ein
Service!)
Ich konnte mich kaum bewegen , also massierte mich Herr Zintel zuerst
in Seitenlage, bis ich mich etwas besser fühlte.
Mein Mann, der mit sorgenvoller Miene und einem Glas Tee im
Wartezimmer zurückgelassen worden war, fragte vorsichtig nach, ob er
mich wohl "am Stück" zurück bekäme.
Mein "Heiler", der jetzt schon einen Grossteil meiner Beweglichkeit
wiederhergestellt hatte, schmunzelte und beruhigte ihn mit den
Worten: "Hier ist noch nie etwas liegen geblieben.."
Später erzählte mir mein Angetrauter, was er alles im Wartezimmer
entdeckt hatte...von der wertvollen Buddhafigur bis zu dem Schrank ,
in dem die Tücher mit den Namen der Patienten aufbewart werden.
Den Zengarten, den Brunnen und die geschmackvollen Möbel hatte ich
trotz meines Leidens im "vorbeihumpeln" registriert. ...und die Liebe
zum Detail bekam ich gerade hautnah zu spüren. Dieser Mann findet
auch den hinterlistigsten Nerv!
Es gibt wenige Menschen, denen ich schnell vertraue, aber dieser Mann
hat "goldene Hände"! Ohne unsere Degerlocher Bekannte wäre ich
natürlich nie auf die Idee gekommen, in irgendeine Massagepaxis zu
gehen um mir von einem "Wildfremden" helfen zu lassen. Ich kam als
Fremde und ich ging als Freund. Anders kann ich es nicht sagen. Die
Schmerzen sind wirklich weg und wir hatten einen wundervollen Abend
mit "Fräulein Wommi Wonder" im Renitenztheater.
Erst Tage später wurde mir so richtig bewust, das dieser Mann mir
nicht nur den Abend gerettet hatte, sondern mich warscheinlich auch
vor langfristigen Beschwerden bewahrt hatte.
Jetzt sitze Ich am Schreibtisch und versuche mich zu erinnern, was da
passiert ist. So genau kann ich es nicht mehr sagen, aber ich bin
froh, dass mein Mann so viel Verständniss hatte, mich "spazieren zu
fahren" und das es jemanden gab wie Herrn Zintel, der es geschafft
hat, aus einem Häuflein Elend wieder einen Menschen zu machen.
Schon in meiner Jugend habe ich oft gesagt, was ich denke(..nicht
immer zu meinem Vorteil..) und vielleicht lehne ich mich auch jetzt
zu weit aus dem Fenster, doch Menschen, die so gestrickt sind, sollte
es mehr geben...Danke
Vera Glöckner read more