UM GOTTES WILLEN !
Ich müsste fast wieder in die Kirche eintreten um hier angemessen vom Glauben abfallen zu können!
Ich bin seit knapp 20 Jahren zunächst häufiger, dann leider seltener und ab heute wahrscheinlich nie wieder im Lobster. Offensichtlich wurde der Name, der sich auch mir aus frühen Sachsenhäuser Jahren positiv eingebrannt hatte zu Tode geritten.
Ich hatte Gäste eingeladen, die gemütliche Bistro-Qualität als entspannte Alternative zum stressigen Sterne-Kult sicher zu schätzen gewusst hätten.
Das Essen wurd an Mittelmäßigkeit nur durch die lächelnde aber selbstbewusst indolente Bedienung übertroffen. Auch der wie stets freundlich/entspannt schmunzelnde Inhaber konnte nicht darüber hinweg täuschen, dass dieser "Laden" offensichtlich aufgehört hat, gegen die unvermeidlichen Konsequenzen unerfüllter Erwartungen anzkukämpfen - sondern Beschwerden als folgerichtige Bestätigung des konsequent französichen Konzepts betrachtet.
Das Essen ist kalt - weil es lange in der unbeheizten Ausgabe steht und dann zunächst von der Einzelkämpfenden Bedienung im vollen Restaurant zunächst systematisch an falsche Tische gebracht wird, die "Pasta mit Jakobsmuscheln" waren eine Chilli-Sahnesuppe mit Nudel und Muschel und üppig unpassender Verlegenheitspetersilie, die angebotenen Salate hätten in jeder französischen Autobahnraststätte einen landesweiten Generalstreik ausgelöst. O.K., dass ich den verkorkten Rotwein, Barbera d'Asti nicht zurückgehen liess war meine eigene Dummheit. Ich hatte zunächst Schwierigkeiten, die oxidativen Aromen der seit mindestens gestern offene Flasche zu ignorieren und wollte in Anwesenheit meiner Gäste auch nicht zu pingelig werden. Der nachfolgende Rioja war o.k. aber die Weinflaschen und -kisten an den Wänden erwecken Qualitäts- und Beratungs-Kompetenzvermutungen, die auf extrem frustrierende Weise ins Leere laufen.
Wir hatten trotz strategisch günstiger Lage am Laufweg der Bedienung immer wieder Schwierigkeiten, unsere Getränke- oder Nachtischwünsche zu platzieren - die dann auch prompt a) vergessen oder b) erst nach ca 45 min erfüllt wurden. Obwohl die Lieferzeit der Tiramisu also durchaus auf einen italienischen Produktionsstandort schliesen liess, war auch dieser kulinarische "no-brainer" eine geschmacklich Spass-Bremse, deren Kühlschranknote mir bereits als Gasteger ("ich kenn da ein kleines, gutes Bistor in Sachsenhausen") die Schamesröte ins Gesicht getrieben hätte - wenn wir nicht essensunabhängig so viel Spass gehabt hätten.
Die Preise wären grundsätzlich akzeptabel und der Inhaber ist eigentlich auch ein netter, bescheiden wirkender Mensch. Aber, um mal ein Bonmot zu klauen: Er hat auch allen Grund zur Bescheidenheit!
I am underwhelmed, wie wir Franzosen sagen. read more