Ich kenne den Leimkasten noch aus der Zeit der Vor-Vorbesitzer. Der Familie Lohmann.
Wie war es immer schön, wenn man dort, nach den in den siebziger Jahren noch üblichen Sonntagsspaziergängen dort einkehrte.
Im Sommer die angenehme Kühle des großen, vorderen Schankraumes, im Winter die wohlige Wärme des prasselnden Kaminfeuers. Die alte Kaminplatte aus der Sammlung Max Gruhl.
Zu dieser Zeit stand ein, als Tisch umgebautes, uraltes, fast schon schwarzes Holz fass vor dem Kamin, flankiert von drei Sesseln im Jagdhausstil. An der Wand hing ein uraltes, vom Großvater überkommenes Gemälde mit einer Jagdszene, zu dem Herr Lohmann sen. gar so schöne Geschichten zu erzählen wusste. Während Frau Lohmann für die erfrischenden Torten im Sommer, und die himmlischen Waffeln mit Sahne und heißen Kirchen im Winter zuständig war.
Auf einen Fehler muss ich aber hinweisen. Hat doch irgendein Nachfolgebesitzer die Schankstube renoviert. Dabei hat dieser Barbar die Messingkugel an der Umfassung der Kaminecke ausbeulen lassen.
Dabei wussten alte Wengeraner und wir, die wir erst 1970 in das herrliche Wengern gezogen waren, genau, wer, wann und warum diese Beule verursacht hat.
Wie sagt der ansonsten sehr weltoffene Wengeraner?" Das kommt davon, wenn man Fremde ins Dorf lässt!"
Jeder der dies liest, bekommt von mir die Empfehlung, stärken Sie Sich und gehen dann den Berg herauf. Gehen Sie in den Davidisweg, durch die Eisenbahnbrücke. Vor der Brücke, rechter Hand sehen Sie ein im 17.Jahrhundert erbautes, weißes Gebäude. Das sogenannte, neue Pfarrhaus, obwohl gegenüber das wahre Neue von 1920ger steht. Erste Tür, rechts daneben das Fenster. An diesem wurde der Magister Fabricius von Lothringischen Soldaten erschossen, als er mit diesen verhandeln wollte. Denn das Pfarrhaus war zu der Zeit das stabilste und galt fast als "befestigter Bau."
Dann gehen Sie weiter, durch den kurzen Tunnel. Am Ende sehen Sie einen Gedenkstein für Henriette Davidis, die mit den Kochbüchern und den Regeln für die "gute Hausfrau." Sie gehen unmittelbar gegenüber auf den Friedhof. halten sich aber parallel zum Bahndamm. Dort befindet sich, nach ein paar Schritten die Erbgruft derer von Schwachenberg. Henriette von Schwachenberg war die unerfüllbare Liebe des Dichters H. Hoffmann aus Fallersleben.
Nun gehen Sie am besten weiter den Berg heran. Bis zum Tulpenweg, der sich linkerseits befindet. Diesen gehen sie bis zum Ende durch. Dort verjüngt sich die Straße zu einem Weg. Der ist aber asphaltiert. Diesen gehen sie 280 Meter entlang. Jetzt genießen Sie die Aussicht. Sie glauben an einer Küste zu stehen und auf ein grünes Meer zu blicken, oder rostbraun, das ist jahreszeitbedingt. In einer solchen Gegend hat H. Hoffmann sein Gedicht vom Ährenfeld geschrieben. Im Spätsommer, wenn dort das Konzert der Natur nicht mehr zu überhören ist, werden Sie davon überzeugt sein. Ähnliches erlebt man nur, wenn man sich auf die Spur Goethes begibt und seine Route nach Italien verfolgt.
Nun spazieren Sie immer rechtshaltend weiter, dann beschreiben Sie einen Bogen. Sie erreichen bei mäßigem Tempo innerhalb einer bis ein-ein halb Stunden wieder den Leimkasten. Dort haben Sie Sich eine Stärkung verdient.
Wenn Sie fragen zu unserem Ort haben, historischer oder spaziermäßiger Art, fragen Sie einfach den nächsten Einheimischen, der Ihnen begegnet.
Oder senden Sie mir doch einfach eine Mail, auch nur um mir zu schreiben, ob Sie mir Recht geben, oder etwas enttäuscht wurden.: schloesser-wngern@gmx.de In das Betrefffeld bitte Wengern eingeben.
Ich wünsche Ihnen einen recht angenehmen Aufenthalt, den ich hier seit 40 Jahren habe. Als Kind kommt man, irgendwann leistet man dann hier Schwachenbergs Gesellschaft.
Hochachtungsvoll
R.Schlößer read more