Das Ostermenu Da saßen wir also zu viert und wie ich gerne eingestehe zum ersten Mal bei Scherrer und zum ersten Mal in einem Sternerestaurant. Was bleibt in Erinnerung? Ein ruhiger Gastraum trotz seiner Größe und der guten Besetzung, sicher auch ein Ergebnis der lockeren Möblierung. Die Bedienung freundlich, aufmerksam und unaufdringlich und einen schönen Tisch bekamen wir auch. Die Speisenfolge muss ich dem Empfänger nicht erläutern, wir wählten alle das Ostermenu (ohne Sorbet und ohne Kohlrabi). Ein Weinkundiger in der Runde zeigte sich beeindruckt von der Weinkarte, verzichtete aber auf die Kellerbegehung. Er wählte sehr gut, hätte sich aber gerne eine Empfehlung des Hauses, sprich Sommelier, gewünscht. Das Eierlei entzückte uns alle, wir begriffen sogar, dass dies ein mehrgängiges Menu spiegelte, von der Suppe zum Dessert. Da sehe ich sofort das Wachteleideckelchen auf dem Ragout fin. Wenn die ganze Kritik unkritisch daher kommt, taugt sie ja auch nicht. Die Kressesuppe war gut, aber gut ist bei Wehmann zu wenig, die pochierten Eier hätten gerne etwas weicher sein dürfen. Aber dann folgten kometengleiche Einschläge aus einem sternenübersäten Himmel.
Der gebratene Lachs auf Kresse mit kleinen Nudelringen (wieso heißen die Makkaroni?) ganz köstlich, der Lammrücken, so zart und rosig unter seiner frühlingsgrünen Bärlauchkruste mit Bäckerinkartoffeln (wo gibt's denn so kleine Bäckerinnen?) dazu der Klacks Gemüse, davon hätte ich eine ganze Schüssel essen können, obwohl ich gewöhnlich zu den Fleischfressern gerechnet werde.
Aber da kam, nach ehrlicherweise sehr langer Zeit, außer uns waren noch vier Gäste übrig, mit zweien plauschte sich der Senior in den Feierabend (nicht bös gemeint, sondern ein Zeichen von Zuwendung an die Gäste), da kam also das Dessert. Nun kann man mich mit Rhabarber nicht nur weil so schwer zu schreiben gar nicht locken, aber wer zaubert aus diesen rotgrünen Stangen so eine Leckerei? Ein wahrhaft krönender Abschluss. Da habe ich vor lauter Begeisterung den Käse vergessen, der auch seinesgleichen sucht und erneut, wie in allen Gängen die regionale Verankerung der Küche beweist, saisonal bedarf schon gar nicht mehr der Erwähnung, das macht ja heute jeder.
Aber so kochen kann wahrlich nicht jeder. Mithin ein gelungener Abend. read more