Die beste Überraschung einer langen und extrem ermüdenden Messewoche in München hatte ich am Mittwoch Abend, als wir vom stundenlangen Stehen ermattet ein Lokal suchten, in dem wir unseren Kalorienbedarf decken und - nach einem solchen Tag weitaus wichtiger - unser seelisches Equilibrium wieder herstellen konnten. Nachdem uns die Suche schon ergebnislos bis zum Sendlinger Tor getrieben hatte, auch, weil sich niemand schon wieder mit "Bayerischen Schmankerln" mästen wollte, fiel uns ein relativ unspektakuläres Lokal auf, das sich mit seinem schnörkellosen Design schon von Außen etwas von der sonstigen lokalen Gastronomie abhob. Dass das Jack Glockenbach auch noch vietnamesische Küche anbot, gab schließlich den Ausschlag. Wenigstens keine Schweinshaxe.
Schon wenige Sekunden nachdem wir das Lokal betreten hatten, hatten wir den Endruck, uns goldrichtig entschieden zu haben. Ein sehr moderner und übersichtlicher Raum, angenehm leise(!) Loungemusik, coole LED-Beleuchtung und ein blitzsauberes Ambiente sorgten für ein sofortiges grundlegendes Wohlbefinden. Und dann trat der Namensstifter und Chef des Hauses auf. Jack kümmerte sich mit absolut ehrlich wirkender Begeisterung um seine Gäste, gab Tipps zur Wahl der Speisen und Getränke, erklärte nicht nur, wie die einzelnen Gerichte zubereitet werden, sondern auch noch, wie und womit man sie am besten essen sollte.
Und die Empfehlungen trafen ins Schwarze. Schon der Haus-Eistee war ein Gedicht (und nach den diversen Bieren eine nette Abwechslung) doch der gemischte Vorspeisenteller brachte alle vier Mitglieder unserer kleinen Gruppe ins Schwärmen. So herrlich geradlinige Aromen, frische Kräuternoten und stimmige Zusammensetzungen waren mir in einem asiatischen Restaurant in Deutschland überhaupt noch nie untergekommen. Allein daran hätte ich mich schon satt essen können. Doch auch die anschließend servierten Nudelteller ("Sein Nudel Teller" und "Wir Nudeln") waren an Köstlichkeit nicht zu überbieten. Die feine Schärfe, die kräftigen Kräuternoten, die exakt à point gebratenen Fleischstücke und Garnelen die zarten Reisnudeln, allein darüber zu schreiben lässt mir schon wieder das Wasser im Mund zusammenlaufen.
Dass auf einem sehr großen TV-Schirm während des Essens auch noch Videos über die Vietnamesische Küche gezeigt wurden, manchmal sogar genau jenes Gericht, das man gerade vor sich hatte, rundete das Erlebnis ebenso ab, wie Jacks abschließenden Empfehlungen für ein passendes Dessert.
Eine Empfehlung ohne Makel. Ich habe schon lange nicht mehr so fantastisch gegessen - und schon gar nicht zu so moderaten Preisen. read more