Damit nicht der Eindruck entsteht, dass hier über ein x-beliebiges Hotel geschrieben wird, möchte ich kurz erst einmal einen Satz aus der Webseite des Hotels zitieren: das modernste, umfassendste und perfektest konzipierte barrierefreie Hotel Österreichs und wohl auch in Mitteleuropa
Das Hotel besteht seit Mitte 2000 in seiner jetzigen Form und ich war durch ein Seminar darauf aufmerksam geworden. Ich sitze bereits mein gesamtes Leben im Rollstuhl und arbeite für einen Verband, der sich mit der politischen und rechtlichen Situation von Menschen mit Behinderung auseinandersetzt. Ich wollte damals an einem Seminar teilnehmen und war sehr irritiert, als man mir sagte, dass lediglich die Kaiser Maximilian Suite eine barrierefreie Dusche haben würde diese Suite kostete natürlich wesentlich mehr, als die ohnehin schon nicht preiswerten Zimmer, etwas irritiert diskutierte ich eine zeitlang mit der Rezeptionistin über Barrierefreiheit und schließlich verzichtete ich auf das Seminar. Ein paar Jahre später die gleiche Szene am Telefon dieses Mal bekam ich die barsche Antwort die Behinderten hätten alle Badewannen in den Zimmer gewollt, und deswegen wäre das nun mal so! In der Zwischenzeit hörte ich eine Menge Gutes vom Hotel (von meinen Freunden und Bekannten, die etwas mobiler im Rollstuhl unterwegs sind) und auch einiges Schlechtes (von Freunden, die tatsächlich auf Barrierefreiheit angewiesen sind). Schließlich wollte ich mir doch noch selbst ein Bild machen und buchte eine Übernachtung Immer noch gab es nur eine Badewanne auf dem Zimmer aber mir wurde gesagt, ich könnte ja im Wellness-Bereich duschen. Natürlich das würde ich in einer Jugendherberge jederzeit tun mit einem Handtuch bekleidet durch die Flure geistern usw. aber eigentlich sprechen wir von einem perfekt-barrierefreien vier-Sterne-Hotel Der Ort Platz, in dem das Hotel steht, ist winzig zwei Dutzend Häuser, keine Gaststätte, kein Supermarkt und das ganze Kaunertal eine Sackgasse Eine wirklich ruhige Lage Als ich vor das Hotel fuhr, hatte ich schon das erste Problem ein völlig vereister Hof, von Autos buckelig gefahren, Parkgarage mit geschlossenem Tor im Sommer wäre der Sand-Kies-Hof immer noch für manche Rollstuhlnutzer schwierig, aber wenigstens machbar. Somit würde ich praktisch im Hotel eingesperrt sein über diesen Hof war ein Wegkommen ohne Auto für mich unmöglich allerdings: wo sollte ich in dem winzigen Ort auch schon hinwollen? Meine Begleitung holte den Code für das Garagentor ab und schon lächelte mir ein Pflegebett auf einem der Parkplätze zu eine Szene, wie sie eigentlich gut zur versteckten Kamera gepasst hätteBereits am Fahrstuhl war dann schon wieder Schluss mit meiner Barrierefreiheit: kein entsprechender Rufknopf mein Begleiter mußte dies übernehmen ich würde mich im Hotel also auch nicht selbständig zwischen den Etagen bewegen können. Im Fahrstuhl das gleiche: zwei senkrechte Knopfanordnungen keine barrierefrei Leiste mit waagerechten Knöpfen. Das Zimmer machte einen großen und gemütlichen Eindruck allerdings wieder alle Steckdosen und Schalter nicht barrierefrei das Türschloß sowieso nicht. Das Badezimmer war dann etwas, dass mich wirklich irritierte. Ein extrabreiter Badewannenrand von ca. 20cm würde meiner Begleitung ordentlich Kraft abverlangen, die zwei Waschbecken, verkleinerten den Raum ziemlich unnötig und die Toilette war sehr niedrig in eine der Ecken montiert (Barrierefreiheit bei Toiletten bedeutet Zugänglichkeit von DREI Seiten und möglichst Höhenverstellbarkeit). Die beiden Betten standen mit Sockeln auf dem Fußboden somit war auch hier kein Einsatz von einem Lifter möglich. Ich sah mich um, und die einzigen kleinen Anpassungen in Sachen Barrierefreiheit waren diese: breitere Türen, schwebende Schreibtischplatte, geräumige Aufteilung und ein Haltegriff an der Toilette und der Badewanne. Alles Restliche fehlte komplett! Mir wurde klar, dass man hier einige sehr fitte Menschen, wahrscheinlich mit Querschnittslähmung, nach ihren Wünschen gefragt hatte (breiter Badewannenrand zum Übersetzen) und leider ansonsten überhaupt keine Ahnung von Barrierefreiheit hat. Meine Begleitung entdeckte als nächstes etwas, dass ich toll fand: es gab ein barrierefreies Treppenhaus! Also ein Fluchtweg, der nur aus Rampen von Etage zu Etage führt. Hervorragend! Denn viele Aufzüge stellen im Falle eines Brandes ihren Betrieb im Erdgeschoss des Gebäudes sofort ein, was die Evakuierung von Menschen mit Behinderung oftmals nicht wirklich einfach macht. Mein Enthusiasmus wurde aber schlagartig gedämpft, als ich die Türen zu dem Treppenhaus sah: riesige, schwere Türen ohne automatischen Öffnungsmechanismus ich war also wieder auf meine Begleitung angewiesen, um das Treppenhaus überhaupt erreichen und wieder verlassen zu können. An der Rezeption wurde ich sofort geduzt warum eigentlich? Alle gehenden Gäste wurden gesiezt und auch das restliche Personal wechselte bei mir in das nun etwas plumpwirkende Du das macht man read more