Dieser Rock-Schuppen hat doch tatsächlich mein Leben verändert. Hört sich dramatisch an...cool..!...
Ich habe ja keine Ahnung, was da heute so abgeht. Aber diesen Laden gibt es schon ewig. In den 70er Jahren hat Axel Springer und seine Bild-Zeitung alles mögliche versucht, diese Drogenhöhle zu schließen.
Zum ersten Mal habe ich das Grünspan 1975 betreten. Zu dieser Zeit war ich Discjockey im Blow Up - heute Große Freiheit 36 - und hatte tatsächlich viel Freude daran Schallplatten - yepp, diese kleinen Dinger, die man damals Singles nannte (kennt ja von den jungen Dingern heute kaum noch einer) - aufzulegen und mit dem Mikrofon den Massen meine Weisheiten mitzuteilen. Abba, Barry White, George McCray und so weiter waren Pflicht, und wenn ich um 22.00 Uhr Feierabend machte - damals war ich noch keine 18 Jahre - war mir nach Rockmusik!
Aber eigentlich fing alles viel früher an. Eigentlich 1972 und meine Brüder haben die Schuld. Wir drei liebten Fußball und meine Welt war total in Ordnung. Doch dann verloren die beiden ein wenig das Interesse am Sport und fanden Mädchen ganz toll und waren der Meinung, ich wäre dafür noch zu klein. Sie hätten ruhig mit mir darüber sprechen sollen. Dann hätte ich ihnen von meinen Erfahrungen erzählen können, und ich bin sicher, wir wären dann wieder zum Fußball gegangen. Meine Erfahrung damals hieß Gabi!
Wir wohnten noch in der Wohlwillstrasse, und Gabi wohnte über mir. Sie wollte meine Freundin sein, und ich habe mit meinem Freund Hans Joachim darüber gesprochen. Er war mein bester Freund, und ich war der Meinung, dass ich ihn darüber aufklären musste, dass ein Mädchen meine Freundin sein wollte.
Er fand es okay. Also sagte ich Gabi, dass sie ab jetzt meine Freundin ist. Sie freute sich und bestand darauf, mich zu Küssen. Da hätte ich stutzig werden müssen. Na ja...man muß im Leben Opfer bringen, und ich spitzte die Lippen. Die Geschichte mit ihrer Zunge in meinem Mund spare ich mir an dieser Stelle. Aber ganz ehrlich: Hans Joachim wäre in tausend kalten Wintern nicht auf die Idee gekommen, mich zu Küssen. Logisch, dass es mit Gabi nicht von Dauer war.
Ich hätte das damals meinen beiden Brüdern erzählen sollen. Besonders mein mittlerer Bruder hatte etwas von der Concord. Seine Mädels wechselten in Schallgeschwindigkeit - die meisten fanden mich niedlich, und ich nannte alle "Sugar", weil ich mir die Namen in so kurzer Zeit einfach nicht merken konnte.
Mein großer Bruder war ganz anders. Er verliebte sich jedes Mal total, ihr werdet es mir nicht glauben, aber er legte seinen Traumfrauen heimlich Rosen auf die Fußmatte...allerdings ohne dabei zu schreiben, dass sie von ihm sind.
Das habe ich mir ein wenig angeschaut und dann entschieden, dass Frauen nix für mich sind - erstaunlich finde ich an dieser Stelle, dass ich meine Meinung wenige Jahre später spontan geändert habe und Jahre lang versucht habe, dass aufzuholen, was meine Brüder mir voraus waren! Extrem anstrengende Zeit...aber das ist eine ganz andere Geschichte.
Hans Joachim und ich, wir konzentrierten uns auf die Musik und haben uns nie gestritten. Er war "T. Rex" Fan und meine Band war "Slade". Das war eine ehrliche Sache! Jetzt wird der eine oder andere - der aus meinem Jahrgang ist - fragen: Und was ist mit "The Sweet"? Nix ist damit, die waren für uns nie ein Thema. Marc Bolan von T. Rex und Noddy Holder, Jimmy Lee, Dave Hill und Don Powell - also die Jungs von Slade - haben alle ihre Hits selbst geschrieben und hatten unsere Meinung nach, Eier in den Hose. Die Hits von The Sweet haben Chinn/Chapman geschrieben und alles was Brian, Steve, Mick und Andy (The Sweet) nicht spielen wollten, mussten zur Strafe - Jahre später noch - Smokie und Suzi Quatro trällern.
Wir hörten auch noch Glam-Rock als andere Freunde von uns sich Kiss und AC/DC Platten kauften.
Und dann gab es noch unsere Feindbilder. Typen, die unglaublich bei den Mädchen angesagt waren, weil sie Musik von Genesis, Pink Floyd, Supertramp und Yes hörten. Ihre Masche war es, so zu tun, als würden sie diese Musik verstehen. Sie kochten Früchte-Tee für die Mädels, machten Räucherstäbchen an und wollten mit den Mädchen "nur" über die Musik reden...im "Liegen" versteht sich...wiederlich! Ich hab' sie gehasst.
Wenn ich nicht - eines Abend - im Grünspan gelandet wäre, was
wäre dann wohl aus mir geworden? Nach meinem ersten Besuch ging ich nach Hause, packte meine Slade Schallplatten zusammen in eine Karton und öffnete diesen erst viele, viele Jahre später - bis heute habe ich alle Slade-Singles die sie jemals veröffentlicht haben und zwei davon sind in meiner Jukebox (eine echte Row Ami, ein Träumchen!).
Im Grünspan habe ich zum ersten mal erlebt, was Lautstärke bedeutet. Was Flashlights und Lichteffekt anrichten können im Zusammenspiel mit Hardrock Musik. Danach begann ein neuer Lebensabschnitt, der mich später erst zur Klassischen Musik und dann zu meiner großen Liebe dem Jazz brachte.
Ich habe keine Ahnung was heute im Span - niemand read more