Beim Reservierungsanruf wurde gleich Wiedersehensfreude signalisiert, und die junge Dame bedankte sich für die letzte gute Bewertung.
Die Anreise erfolgte diesmal mit dem eigenen Auto, und wir wurden vom gesamten Serviceteam nochmals herzlicher begrüßt als bei den beiden vorangegangenen Besuchen.
Wir nahmen auf der viktorianischen Terrasse von 1880 mit Ausblick bis zum Horizont an unserem stilvoll weiß gedeckten Tisch Platz. Die Kerze auf dem Tisch brannte schon, und die Speisekarten wurden uns geöffnet überreicht. Gut polierte Wasser- und Weingläser, schönes Edelbesteck von Robbe&Berking und gut gestärkte Servietten gehörten selbstverständlich auch dazu. Wolldecken lagen über jeder Stuhllehne, und die wirkungsvolle Außenheizung an der Decke wurde eingeschaltet. Sylt ist eben immer ein wenig windiger und kühler als das Festland.
Bei unserem dritten Besuch eröffneten wir wieder mit zwei Gläsern Schloss Vaux und einer großen Flasche Magnus feinperlig. Sagen mussten wir das nicht, kurzes Nicken reichte.
Bei den Vorspeisen auf der Karte fand meine Frau nichts, was ihr zusagte. Beim Erstbesuch der San-Daniele-Schinken mit den hausgebackenen Grissini war zwar toll, aber zu mächtig, um noch ein ausgewachsenes Hauptgericht zu bewältigen.
Somit baten wir um Sonderportionen in Vorspeisengröße von einem neuen Hauptgericht, dem Steinköhler (eine Dorschart) auf Buchweizenrisotto, in Vorspeisengröße. Dies sei kein Problem, wurde uns mitgeteilt. Wiederum war der Service verbindlich, aufmerksam und sehr nett. Herr Stache bediente uns zum dritten Mal sehr liebevoll.
Dreimal drei Schieben warmen Brotes kamen mit einer grünlich fluffigen Kräutercreme und streichfähiger Meersalzbutter. Das wenig später eintreffende amuse gueule bestnd aus grünem Spargel und Hecht, angereichert mit ein wenig gelber Paprika und Möhre. Der Spargel war knackig, und der Hecht war auch nicht übergart - eine sehr gute Einstimmung.
Wie schon beim letzten Besuch bestellten wir uns einen Schloss Johannisberger Riesling Kabinett Rotlack von 2013, der gut aufgehoben war in einem Eiseimer in der Nähe des Tisches hinter der wunderschönen Schmiedeeisenbegrenzung. Zwecks Erhalt meiner Autofahrfähigkeit nahm ich vom Wein nur eine kleine Menge und stieg um auf ein alkoholfreies Hefeweizen von Erdinger, das im korrekten Glas gut eingeschenkt vor mir hingestellt wurde.
Nach kurzer Wartezeit bekamen wir unsere Sondervorspeisen, ein auf den Punkt gegartes stück Steinköhlerfilet auf einem harausragenden Buchweizenrisotto mit Granatapfelkernen, ein Hochgenuss. Die grünen Kugeln waren aus Salatgurke geformt worden.
Nach einer erneuten angemessenen Pause kamen unsere Hauptgerichte, das 250-Gramm-Rumpsteak in Pfefferrahmsoße mit Bratkartoffeln und mein Hirschrücken auf Schalottenjus mit einer Purple-Curry-Thymian-Zitronen-Kruste, einer getrüffelten Spitzkohlroulade und Pilzen. Beide Gerichte waren harmonisch abgestimmt, die Pfefferrahmsoße mit milder Schärfe, das Steak perfekt medium, die Bratkartoffeln nicht überfettet mit guten Röstaromen. Mein Hirschrücken war perfekt rosa und saftig. Die Soße war exzellent, der Trüffelgeschmack der Kohlroulade deutlich.
Ein Dessert konnten wir nicht mehr bewältigen. Da dies unser letzter Besuch hier war, wurden wir mit Handschlag und sehr herzlich verabschiedet. read more