1. Begrüßung
Schon beim Einlassen durch Türsteher fühle ich mich gut aufgehoben. Das setzt sich bei der Begrüßung durch den Kellner direkt fort, denn er scheint mich zu kennen anders kann ich mir das Duzen nicht erklären. Durch tatkräftige Mithilfe des Gastes findet der freundliche Kellner dann schließlich die Reservierung an der Wand.
2. Ambiente
Beim Gang durch das Restaurant zum Tisch bleibt nicht viel Gelegenheit, sich mit der Örtlichkeit vertraut zu machen, da ich aufgrund der eng stehenden Tische mehr darauf achten muß, nicht aus Versehen mit meiner Jacke anderen Gästen den Tisch abzuräumen. Na ja, das schafft wohl eine noch gemütlichere Atmosphärespäter stellt sich das als Irrtum heraus, denn Kantinenflair ist nicht gemütlich!
3. Der Tisch
Nach weniger als fünf Minuten waren alle vier Gäste an den Tisch eingefädelt, die Jacken leidlich verstaut und die Entschuldigungen für die Belästigung der anderen Gäste, die beim Hinsetzen sehr dicht an ihre Tische heran rücken mussten, ausgesprochen. An ein Aufstehen während des Abends war nicht zu denken die Haltung auf den unbequemen Stühlen war jederzeit aufrecht und diszipliniert, um Folgeschäden im Rückenbereich vorzubeugen.
An Papiertischdecken möchte ich mich in einem Restaurant gleich welcher Preisklasse nicht gewöhnen im Falle des Griechen ist das aber vermutlich nicht anders zu lösen, da man wohl davon ausgeht, daß die Gäste ihr Essen auf den viel zu kleinen Tellern nicht behalten können doch davon später mehr.
4. Der Kellner
Die fotokopierte Speisekarte liegt schon auf den umgedrehten Tellern welcher Sitte entspricht das denn? Dieser Kellner scheint mich auch zu kennen schon wieder werde ich geduzt. Versucht man damit etwa, Vertrauen aufzubauen? Die Getränkewünsche sind schnell notiert. Die Lieferung erfolgte relativ prompt. Auch ein Ouzo stand ruck zuck auf dem Tisch. Die Aufnahme der Speisenbestellung vollzog sich unauffällig. Das mobile Vorspeisenbuffet wurde nicht in Anspruch genommen. Der Mann war eine Stunde nicht mehr gesehen zumindest nicht an meinem Tisch. Die nach uns gekommenen Gäste am Nachbartisch waren bereits mit ihrem Hauptgang fertig, als der Kellner dann doch nochmal kam und uns darum bat, die Bestellung noch einmal aufzugeben, da es in der Küche wohl ein nicht näher definiertes Mißgeschick gegeben hat. Er wolle sich aber jetzt persönlich darum kümmern, daß das Essen schnell zubereitet werde. Ein Schälchen Tsatsiki und eins mit Schafskäse sollte für die Verzögerung entschädigen. Dumm nur, daß das Mittagessen schon fast zehn Stunden zurück lag
5. Der Lärm
Zu allem Überfluß begann kurze Zeit später ein Lärmterror, den ich in einem Restaurant a) nicht erwartet und b) nicht vermisst habe. Griechischer Wein in einer Lautstärke, die eine Unterhaltung nur noch mit Anstrengung erlaubte und ständig steigender Lautstärkepegel sorgten noch vor dem Essen für reichlich bediente Gesichter. Na immerhin drehte sich eine schillernde Diskokugel am Himmelund es ging noch lauterund NOCH LAUTER!
6. Das Essen
Keine 90 Minuten nach Aufgabe der Bestellung kam auch schon das Essen. Bifteki auf einem Vorspeisenteller umgeben von diversen überschaubaren Gemüse- und Kartoffelteilen. Geschmacklich von sehr überschaubarer Qualität der Teller blieb gut gefüllt, obwohl nicht viel darauf war. Das Perlhuhn meiner Frau war bestenfalls ein Küken mit allerdings dicker Fettschicht. Eineinhalb Esslöffel matschige Nudeln und drei harte Kartoffelspalten ergänzten das Ensemble, damit die einzelne Tomatenscheibe nicht ganz verloren war.
7. Der Abgang
Erst jetzt zeigte sich, wozu die Papiertischdecke eigentlich gedacht war: als Rechenpapier für den Kellner, der mit ungefähren Werten zu rechnen begann. Eine Teilung der Rechnung schien nicht unbedingt eine so einfache Sache zu sein. Die aufgesetzte Freundlichkeit nach dem völligen Desinteresse an der Beantwortung der Frage, ob es denn geschmeckt habe, wandelte sich merklich in Genervtheit, als dann auch das andere Paar mit Karte zahlen wollte. Wenn man schon Gerichte zu EUR12,10 anbietet, sollte man auch damit rechnen, daß es mit dem Kopfrechnen knapp werden könnte. Ich gebe üblicherweise gern und viel Trinkgeld, wenn ich mit der Leistung zufrieden bin. In diesem Fall habe ich großzügig darauf verzichtet und dem Kellner versichert, daß er uns nie wieder sehen wird.
8. Fazit
Wenn Anspruch und Wirklichkeit so kraß voneinander abweichen, ist das eine Warnung wert. Das war der mit Abstand schlechteste Restaurantbesuch seit Jahren unfähiges Personal, Essen in der Küche vergessen, schlechte Qualität und für ein Restaurant eine unfassbare Lautstärke - efcharisto! read more