Nachdem der Empfang im Lokal eher nordisch unterkühlt stattgefunden und uns ein Tisch im Speisesaal neben dem Thekenraum zugewiesen wurde, war die sog. Wochenpost "An unsere Gäste", die als Faltblatt auf den Tischen lag, eine weitere eher ungewöhnliche Begrüßungsform. Genau genommen geht es dabei gar nicht um eine Begrüßung, da sind zwei uralt-Witze neben einem dann auch näher erklärten Bibelvers zu lesen, dann zwei Wünsche, einen für eine schöne Woche, den anderen für jene, die ein Fest feiern - man liest das und man weiß nicht recht was das soll, wohl eine Marotte des Chefs, die nicht jedermanns Sache ist!
Verständlicher ist die Speisekarte, die eine interessante Palette gut bürgerlicher Gerichte bietet. Wir haben mit einer ausgezeichnet zubereiteten französischen Zwiebelsuppe begonnen und als Hautgericht die Hubertuspfanne gewählt, nachdem wir im Gespräch erfahren hatten, dass die Küche das Wildfleisch direkt von einem gut bekannten Förster bezieht. In der Pfanne wurde uns Dreierlei serviert, ein auf den Punkt gegarter Gansrücken, ein wunderbar zartes Hirschsteak und ein markant gewürztes Wildschweingulasch. Dabei gaben unterschiedliche hausgemachte Saucen dem jeweiligen Fleisch eine zusätzliche Note, besonders anerkennenswert ist die geschickte Darbietung, die verhinderte, dass sich das eine mit dem anderen vermengte. Als Beilage wurde uns - frisch zubereitet und sehr gut abgeschmeckt - Rosenkohlgemüse und Rösti's serviert.
Die schon ältere Bedienung des Hauses tauschte im Fortgang des Abends ihre erst herrisch unterkühlte Art gegen deutlich mehr Freundlichkeit. So brachte sie uns bei der Wahl des Weines kurzerhand die Flaschen an den Tisch, weil sie die Fragen nach Rebsorte und Herkunft nicht beantworten konnte. Wir wählten eine Flasche Spätburgunder von der Nahe und waren begeistert von diesem auf Weinkarten selten zu findenden Tropfen. Auch der Preis (19,80 €) war vertretbar.
Was das Ambiente betrifft, so ist alles (leider) nur funktional, dem Raum, in dem gegessen wird, spürt man an, dass er als Mehrzweckraum fungiert, so sind die Bestuhlung und die wenigen fahrbaren Blumenkästen so gestaltet, dass der Raum mit wenig Aufwand zum bestuhlten Saal umfunktioniert werden kann. Das alles freilich ist - zumal wenn keine weiteren Gäste anwesend sind - wenig gemütlich und auch nicht gerade einladend.
Der Braukeller ist dem uneingeschränkt empfehlenswert, der vom Ambiente abzusehen bereit ist und sehr gut speisen möchte. read more