Eine virtuelle Reise ins wilhelminische Köln - eine sehr kurze, vor Unschärfe kaum zu erkennende und vor Nebengeräuschen kaum zu verstehende Reise ins Jahr 1909.
Es werden überwiegend nur sogenannte "time slots" vergeben. Man bekommt keinen festen Termin, sondern nur einen Zeitrahmen von 40 Minuten. Vor Ort muss man sich nochmal melden und erfährt wie lange man tatsächlich warten muss. Unglücklicherweise steht dies nirgendswo und man teilte uns dies erst nach einer Wartezeit von 30 Minuten mit. Darauf angesprochen hieße es, dass man ja noch ein junges Unternehmen sei. Tatsächlich wirkte die ganze Organisation völlig chaotisch und alle überfordert mit dem "System time slots"
Die eigentliche "Reise" wird zuerst durch eine kurze Einführung und später durch einen völlig am Thema vorbei produzierten Film ergänzt (künstlich in die Länge gezogen). Darin geht die Reise zunächst zurück ins Jahr 1945 und zeigt das vom Krieg zerstörte Köln. Anschließend geht es weiter ins römische Köln und von dort wieder vorwärts richtung Kaiserzeit. Das preußische Köln des Jahres 1909, worum es ja eigentlich überhaupt geht, kommt darin nur kurz vor. Statt den Fokus auf das "alte Köln" im Vergleich zum "neuen Köln" zu legen, werden lieber schlecht gemachte visuelle Effekte gezeigt. Damit man es sich hierbei nicht allzu gemütlich macht, sitzt man auf sehr unbequemen Holzkisten.
Der Nachbau der Straßenbahn in dem man während der "Fahrt" sitzt, ist sehr gut gelungen und schön gefertigt. Leider ist der Abstand zum Vordersitz nur sehr gering, sodass größere Menschen wohl nicht allzu bequem sitzen können.
Die Bildqualität ist ausgesprochen schlecht. Das Bild ist sehr unscharf und man hat das Gefühl jeden einzelnen Pixel des Bildschirmes mit bloßem Auge zählen zu können. In den Randbereichen tritt eine ausgeprägte chromatische und sphärische Aberration auf. Die Fahrt am Rhein ist schön gewählt, doch leider ist von der rechten Rheinseite absolut nichts zu erkennen. Doch auch die direkt anliegenden Gebäude sind kaum zu erkennen. Insgesamt eine völlig unzureichende Bildqualität. Ich könnte mir vorstellen, dass originale Filmaufnahmen aus der Zeit, abgespielt auf einem Gerät der Zeit eine bessere Bildqualität hätten...
Abgesehen von zwei lustigen Einlagen ist die Fahrt ereignislos.
Bei dreien aus unserer Gruppe waren auf einer Seite die Kopfhörer defekt. Einspuriger Ton, ganz wie 1909.
Der Warte- und Kassenbereich ist nicht räumlich von der Fahrt getrennt. Es herrscht während der Fahrt entsprechend ein erheblicher Geräuschpegel der jegliches "Eintauchen in die Zeit" unmöglich macht. Während unserer Fahrt diskutierten mehrere Besucher (scheinbar mit dem gleichen Problem wie wir zuvor) über die "time slots", schlechte Organisation und lange Wartzeiten trotz Buchung. Während der Fahrt bleibt das Licht eingeschaltet, sodass ein erheblicher Teil Streulicht um die Nase einfällt.
Bucht man die Karten über die Website, zahlt man für den Versand statt der 0,70 € für eine Briefmarke ganze 4,95 € (!).
Für mich haben sich 10 Minuten Fahrt für 12,50 € nicht gelohnt. Eine nette Idee, die leider durch unzureichende Technik, schlechte Organisation und eine fehlende Trennung der Fahrt und des Wartebereichs im Keim erstickt wird.
Der Eintritt im Stadtmuseum kostet weniger als die Hälfte, man hört Stereo, hat ebenfalls einen Rundumblick und die Bildqualität ist auch besser. read more