Jahrelang gab es in Lübeck kein echtes Fischrestaurant mehr wenn man mal die Fischhütte auf der einen Seite und die großen Touristenläden auf der anderen Seite der Skala unberücksichtigt läßt. Früher gab es noch die Fischerklause in Gothmund damit war dann für den geneigten Fischesser die Wahl einfach, aber nicht befriedigend. Für eine Hafenstadt war das für meine Begriffe nicht ausreichend.
Aufgrund der vielen Bewertungen bin ich neugierigig geworden und im Seewolf eingekehrt und kann eigentlich alles was man so liest bestätigen, so und so.
Fisch wie man sich ihn in Lübeck schon immer gewünscht hat, ohne Schnickschnack aber ehrlich und gut. Bodenständige Küche wird versprochen und ohne jeden Zweifel auch gehalten. Wer das nun für ein Attribut einer einfachen Machart halten mag, hat zum einen Recht, sollte aber spätestens hier zugeben, daß die einfachen Dinge oft (und vor allem hier) die Besten sind. Laut Beschreibung des Wirts werkelt in der (ohnehin winzigen) Küche seine sehr freundliche Ehefrau und vollbringt da manch Wunder.
Die Krabbensuppe hat noch heute, also Tage später, eine wachtraumartige Wirkung auf mich und ich schwärme eigentlich ungern. Eine wirklich gelungene Vorstellung, Welten entfernt vom Einheits-Allerlei der gehobenen Küche ringsum. Wunderbar aromatisiert, ein leichter Hauch von Dill, nicht zu viel Sahne pepaart mit Krabben, die auch wirklich Krabben sind. Alleine dafür wären die fünf Sterne gerechtfertigt, aber es geht ja noch weiter.
Pannfisch mit Bratkartoffeln: Als holsteinische Spezialität angeboten muß dieses Gericht doch gegen so viele Pannfische unterschiedlicher Regionen antreten, daß ich gespannt war. Und natürlich gibt es auch noch den Original Hamburger-, Husumer-, Kieler- und Sonstwo-Pannfisch, aber das ist ein anderes Thema.
Kurzum: Fantastisch. Kabeljau mit knusprigen Bratkartoffeln und einer Senfsosse, die endlich einmal Ihrem Namen alle Ehre macht. Senf neigt, der erfahrene Esser weiß es, bei zu langem Kochen dazu, lediglich noch als Farbgeber, nicht jedoch als geschmackliche Note in Erscheinung zu treten. Hier jedoch, Frau Barney gehört gerühmt, ist die Senfsosse eine ebensolche und begeistert durch einen zarten aber wunderbar dominierenden Geschmack. Da tut es beinahe leid, daß die Köchin so versiert ist, den Fisch nicht wie anderswo in der Tunke ertrinken zu lassen. Und wenn ich den Fisch nach der Sosse lobe, dann nur weil sie eben so einzigartig war. Der Fisch war genauso sachverständig und geschmacklich tadellos zubereitet hervorragende Qualität, zart gebraten, einfach herrlich. Dazu ein Berg knuspriger und glücklich-machender Bratkartoffeln Seewolfs, das macht Ihr gut!
Was mir nicht so sehr gut gefiel, ist des Seewolfens rauer Charme andere Kritiker kommen aber scheinbar sogar nur deswegen an die Untertrave, daher schiebe ich es meiner empfindlichen Art zu. Eigentlich wohl nur ein knurriger aber netter Seebär, gerät für zartbesaitete Gäste ein Abend sicher mehr oder minder schnell ein wenig in Schieflage, wenn sie sich nicht auf die Lippen beißen wollen.
Einzige objektive Kritik daran: Ich persönlich finde es unpassend, wenn ein Wirt über Gebühr hinaus mit thekensitzenden Gästen klönt und der Großteil der übrigen Gäste derweil ins leere Glas blinzelt. Dafür ist das Essen zu gut, daß es nicht mit einem kühlen Bierchen umrahmt werden dürfte. Der Gast, der sich dann hoffnungsvoll bemerkbar macht, wird prompt zurechtgewiesen, daß das Gespräch mit Stammgästen nicht zu unterbrechen sei und man zu warten habe. Nun sicher, Stammgäste sind wichtig und man soll und muß sich ihnen widmen Aber auch aus jedem Gast, der erstmalig kommt, kann und möchte ein solcher werden und Durst ist ein gefürchteter Zustand denn es zu meiden gilt. Und man verlang ja nichts unmögliches, wenn man dem Wirt ein weiteres Bier abkaufen mag.
Apropos: Wein scheint wirklich kein Thema im Hause Seewolf zu sein dabei paßt ein Wein doch oft besser zum Fisch als ein Bier (Findet zwar nicht der Verfasser, aber seine Gattin). Es geht aus meiner Sicht völlig in Ordnung aus Prinzip auf Bier zu bauen und lediglich einen einzigen Wein anzubieten. Auf die Frage nach der Sorte des Weins aber nicht einmal die Rebsorte zu verraten, sondern nur enigmatisch zu antworten es ist einer, der zum Fisch paßt das hat wirklich seemännischen Witz. Und den versteht nicht jeder. Aber ich bin beeindruckt gewesen und habe geschmunzelt.
Fazit: Absolute Empfehlung! Wer Fisch sucht, wird hier seine Erfüllung finden wer gerne mal dumme Fragen stellt, riskiert einen kurzen Abend. Ich würde aber im Zweifelsfall den Mund einfach nur aufmachen um zu essen, damit fährt man gut. Und wird wirklich glücklich! Nächstes Mal probiere ich die Scholle
Mahlzeit! read more