Sehr geehrtes Opernhaus-Team,…read more
am vergangenen Freitag hatte ich das Vergnügen die Aufführung von Le Nozze di Figaro in Ihrem Hause zu erleben. Lassen Sie mich zunächst betonen, wie beeindruckt ich von der künstlerischen Leistung der Sängerinnen und Sänger, Schauspielerinnen und Schauspieler sowie der Tänzerinnen und Tänzer war. Ihre Hingabe, Ihr Können und Ihre Leidenschaft verdienen höchsten Respekt. Insbesondere die schauspielerische Präsenz und die vokale Exzellenz der Darbietenden haben mich tief bewegt.
Umso schwerer fällt es mir, Ihnen mitzuteilen, dass ich dennoch mit großer Enttäuschung das Opernhaus verlassen habe. Diese Enttäuschung resultiert nicht aus der Qualität der künstlerischen Beiträge, sondern aus der Inszenierung, die für mich in mehreren Punkten die eigentliche Essenz der Oper verfehlt hat.
Andreas Homoki trifft es in seiner Beschreibung auf Ihrer Webseite auf den Punkt: "Ein Figaro muss Spaß machen." Leider hatte ich nicht den Eindruck, dass dieses Ziel bei dieser Aufführung erreicht wurde.
Die Oper ist für viele Menschen ein Ort, an dem sie der Realität für einige Stunden entfliehen können - sei es durch die Musik, das Bühnenbild oder die Erzählung. Diese Magie wurde jedoch durch die mehrfachen und unvermittelt eingebrachten DEI-Elemente (Diversity, Equity, Inclusion) empfindlich gestört. Diese Einspielungen haben nicht nur den Erzählfluss unterbrochen, sondern auch die Illusion und den Genuss, die für ein Opernerlebnis so essenziell sind, zerstört.
In der Pause tauschten wir uns mit anderen Gästen aus, und es herrschte breiter Konsens darüber, dass diese Einwürfe als störend empfunden wurden. Ich kann mir schwer vorstellen, dass jemand ein Ticket für 300 Franken kauft, um während einer Opernaufführung eine Lektion in DEI zu erhalten. Es ist gerade die historische und zeitlose Natur der Oper - wie in diesem Fall eine Geschichte aus dem Jahr 1778 -, die ihre Faszination ausmacht.
Zusätzlich möchte ich das Bühnenbild und die Kostüme ansprechen. Sie wirkten auf mich enttäuschend minimalistisch und wenig inspirierend. Turnschuhe und moderne Kleidung mögen in einer experimentellen Produktion ihren Platz haben, doch in einer klassischen Oper wie Le Nozze di Figaro schienen sie fehl am Platz und nahmen der Inszenierung ihre Zeitlosigkeit.
Insgesamt hatte ich das Gefühl, dass die ursprüngliche Intention von Mozarts Meisterwerk zugunsten einer modernen Agenda zurückgestellt wurde. Für mich wirkte die Aufführung eher wie eine DEI-Präsentation, angereichert mit Musik, Tanz und Schauspiel, anstatt eine Opernerfahrung zu bieten.
Ich frage mich, ob meine Sichtweise eine Einzelmeinung darstellt oder ob auch andere Besucher ähnliche Eindrücke hatten. Letztlich empfinde ich es als besonders schade für die Künstlerinnen und Künstler, deren bemerkenswerte Leistung durch die Inszenierung in den Hintergrund gedrängt wurde.
Mit freundlichen Grüßen,
Christoph