Beim besten Willen kann ich dem Pfefferkorn keine Empfehlung aussprechen. Leider muss ich sogar sagen, dass das Pfefferkorn wohl eines der schlechtesten Restaurants ist, in das ich in Münster bisher eingekehrt bin (und wir gehen häufig essen). Zu der Geschichte: Vor einigen Tagen war es mal wieder so weit; ich wollte mit meiner Frau zusammen gemütlich ausgehen. Wir kannten das Restaurant Pfefferkorn vorher nicht, auch war uns nicht bekannt, dass es sich um eine Restaurant-Kette handelt. Einzig die Lage (Prinzipalmarkt) machte uns neugierig, so dass wir nach längerem herumflanieren durch Münsters schöne Innenstadt dort nach einem Tisch für zwei Personen fragten. Die ersten Eindrücke waren, dass der Ratskeller, obwohl nett eingerichtet, aufgrund der Anzahl der Tische und der regen Betriebsamkeit ein wenig wie eine Kantine anmutet. Der Kellner, der uns den Platz zuwies, wirkte abgehetzt und latent genervt. Er machte seinem Stress wenig später Luft, als er sich mit einem anderen Kellner hinter dem Tresen verbal auseinandersetzte. Augen verdrehend und in größter Eile brachte er mir dann zunächst als Vorspeise eine m.E. qualitativ minderwertige französische Zwiebelsuppe (die man zu einem günstigeren Preis und wesentlich schmackhafter beispielhaft im alten Pulverturm erhält). Als er den Teller abräumte, erkundigte sich unser Superkellner nicht, ob es mir denn geschmeckt hatte. Er war sprichwörtlich schneller wieder weg, als ich schauen konnte. So ließ er mir auch keine Chance, Getränke nachzubestellen, zumal seinen Adleraugen offensichtlich entgangen war, dass wir schon länger auf dem Trockenen saßen. Als der Hauptgang kam, stand vor mir zunächst ein Gericht, dass ich nicht bestellt hatte (dabei hatte ich dem Kellner auf der Karte genau gezeigt, was ich bestellen wollte, worauf er in unfreundlichem Ton förmlich entgegnete "Ich sehe das schon, was Sie bestellen möchten!"). Obwohl der Kellner sich dann schnellen Schrittes und etwas konfus zur Küche aufmachte, dauerte es etwa 15 Minuten, bis meine Gans vor mir stand. Und was für ein trauriges, bemitleidenswertes Wesen hatte sich da auf meinen Teller verirrt? Es war eine Gans, die so trocken und zäh war, dass ich sie mir besser als Schuhsohle unter meine Wanderschuhe hätte kleben sollen, als sie zu essen. Da meine Frau mit ihrem Gericht (fairer Weise muss ich an dieser Stelle sagen, dass es ihr geschmeckt hat; aber mal ehrlich, was kann man bei Nudeln mit Lachs groß falsch machen?) schon halb fertig war, bis meine lauwarme Gummi-Gans für läppische 18,90 EUR (zum Vergleich: Beim kleinen Kiepenkerl kostet eine Gans mit Rotkohl, Bratapfel und Kartoffelklößen etwa 2 EUR weniger, wobei die Portion reichlicher ist, und das Gericht, insbesondere die Gans, hauchzart und schmackhaft ist) endlich kam und ich verdammt noch mal einfach Hunger hatte, habe ich sie dann gegessen, zumal mir durch die Zwiebelsuppe schon ein tiefer Einblick in die Qualität der Küche gewährt worden war und ich nichts besseres erwartete, als das, was da traurig vor mir stand. Genau dieser Frevel wurde mir durch unseren Kellner dann später vorgehalten, als ich die mangelhafte Qualität höflich zur Sprache brachte. Als ich ihm sagte, dass es vergleichbare Gerichte in Münster in wesentlich besserer Qualität und auch günstiger zu haben gebe, stimmte er mir sogar zu (ich: "Das Essen war so nicht in Ordnung." Er: "Das glaube ich Ihnen."). Grundsätzlich bin ich ein humorvoller Mensch und wenn mir jemand eine vergleichbare Geschichte erzählen würde, würde ich davon ausgehen, dass der Kellner offenbar gescherzt hat. Aber sein Gesichtsausdruck wirkte ernst, verzweifelt und peinlich berührt. Das sagt doch alles. Weder gab es eine Entschuldigung, noch ein Dankeschön für das (vollkommen unverdiente und eher aus Mitleid als zum Dank gezahlte) Trinkgeld. Zum Bezahlen der vergleichsweise saftigen Rechnung musste ich mich übrigens zur Theke begeben, nachdem ich etwa 20 Minuten vergeblich auf unseren Kellner gewartet hatte.
Hier also mein Resümee: Leute, wenn ihr in Münster gute deutsche Küche in uriger Atmosphäre sucht, geht in den kleinen Kiepenkerl, die Wienburg, ins Drübbelken, in den alten Pulverturm, in das Up'n Bült oder sonst wohin. Das Restaurant Pfefferkorn bietet meiner Meinung nach schlechte Küche und miesen Service in Kantinen-Stress-Ambiente zu überteuerten Preisen und ist für mich nichts weiter als eine Touristenfalle. Ich muss ganz klar sagen, dass ich für mein Geld deutlich mehr erwarte, und ich denke, das ist auch vollkommen legitim. Zu schade wäre es um das sauer verdiente Geld. read more